Studie von Bau- und Mietervertretern Deutschland soll mehr Sozialwohnungen bauen

Die Städte kommen einer Studie zufolge mit dem sozialen Wohnungsbau nicht hinterher. Bau- und Mietervertreter fordern deshalb mehr Steuergeld.

Demo für mehr Sozialwohnungen 2018
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Demo für mehr Sozialwohnungen 2018


Angesichts hoher Mieten müssten in Deutschland nach einer Studie dreimal so viele Sozialwohnungen gebaut werden wie bisher. In 138 der rund 400 Landkreise und kreisfreien Städte seien die Wohnungsmärkte angespannt, ergab die Untersuchung des privaten Forschungsinstituts Prognos. "Deutschland baut viel zu wenig", teilten die Auftraggeber im Vorfeld der Präsentation der Studie am Donnerstag mit. "Knappheit beim Wohnraum wird auch weiterhin den Markt beherrschen."

Auftraggeber ist eine Gruppe von Verbänden, deren Mitglieder profitieren, wenn mehr gebaut wird oder das Bauen erleichtert wird. Darunter sind der Zentralverband Deutsches Baugewerbe, der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel, die IG BAU und der Deutsche Mieterbund.

Viele hätten Anspruch auf eine Sozialwohnung

Auch die Baugewerkschaft IG BAU hat von Bund und Ländern deutlich mehr Geld für neue Sozialwohnungen gefordert. "Mindestens sechs Milliarden Euro sind für den sozialen Wohnungsbau pro Jahr dringend notwendig", teilte der Vorsitzende Robert Feiger mit. "Mindestens 80.000 neue Sozialmietwohnungen werden pro Jahr gebraucht."

Wegen der gestiegenen Mieten hätten laut Feiger zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Großstädter theoretisch Anspruch auf eine Sozialwohnung. Es gibt aber weniger Sozialwohnungen, weil immer mehr nach der festgesetzten Zeit aus der Förderung fallen.

In zahlreichen Großstädten haben sich wegen hoher Mieten bereits Protestbündnisse gebildet, in Berlin wird über die Enteignung von Immobilienkonzernen gestritten. Dennoch deutet sich auf dem Wohnungsmarkt womöglich eine Trendwende an. Einem Preisindex zufolge sanken die Neuvertragsmieten im ersten Quartal erstmals seit 14 Jahren - teils auch in Großstädten.

Zuständig für neue Sozialwohnungen sind seit 2007 die Länder. Als Kompensation erhalten sie Geld vom Bund, das sie mit eigenen Mitteln aufstocken müssen. Neben dem sozialen Wohnungsbau seien "bezahlbare Wohnungen die zweite GroKo-Baustelle beim Wohnen", sagte Gewerkschafter Feiger. Viel Geld zugunsten von Durchschnittsverdienern in den Metropolregionen sei nötig. "Hier steckt enormer sozialer Sprengstoff drin."

Wohnungsmangel bremst Wachstum der Städte

Ohne den Wohnungsmangel würden viele deutsche Städte aus Sicht des Bevölkerungsforschers Reiner Klingholz noch stärker wachsen. "Das ist ein bremsender Faktor", sagte der Leiter des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. "Die Städte kommen mit dem Wohnungsbau nicht hinterher." Weil die Mieten deshalb hoch seien, zögen etwa in Frankfurt, Stuttgart, München und Darmstadt immer mehr Menschen ins Umland - je nach Bahnverbindung bis zu 50 Kilometer vor die Städte.

In Städten mit Bedarf sei es daher sinnvoll, mehr Sozialwohnungen zu bauen, sagte Klingholz. Es dürfe aber nicht an der falschen Stelle gebaut werden. So gebe es unter den Wachstumsstädten Orte, deren Umland schrumpfe, etwa Bremen, Düsseldorf, Köln, Dresden, Leipzig, Erfurt und Jena. Wenn Landgemeinden, die eigentlich kein Wachstum erwarten können, Neubaugebiete auswiesen, drohten dort Immobilienblasen mit der Gefahr von Leerstand.

apr/dpa

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