Arbeitsbedingungen IG Metall beklagt Missbrauch von Werkverträgen

Immer mehr Betriebe lagern offenbar Arbeit über Werkverträge aus und sparen so Kosten. Das geht aus einer Umfrage der IG Metall hervor. Häufig geht das Outsourcing demnach mit schlechteren Arbeitsbedingungen einher.

IG-Metall-Vize Hofmann: Missbrauch mit gesetzlichen Regeln eindämmen
dpa/dpaweb

IG-Metall-Vize Hofmann: Missbrauch mit gesetzlichen Regeln eindämmen


Die IG Metall beklagt eine zunehmende Tendenz von Unternehmen, über Werkverträge Arbeit auszulagern und dadurch Kosten zu drücken. Je größer der Betrieb sei, umso mehr werde auch auf Werkverträge gesetzt, sagte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann. Ausgelagert würden zunehmend auch Kernbereiche der Wertschöpfungskette: Werkzeugbau, Forschung und Entwicklung, Logistik, Montage und Produktion.

Mehr als zwei Drittel der Betriebe kauften inzwischen Leistungen bei anderen Firmen ein, ergab eine Umfrage der IG Metall unter gut 4000 Betriebsratsvorsitzenden. In fast drei Vierteln dieser Fälle müssten die Beschäftigten der Werkvertragsfirmen zu schlechteren Bedingungen arbeiten als ihre festangestellten Kollegen. Häufig sei eine solche Fremdvergabe von Arbeit per Werkvertrag mit niedrigeren Löhnen, längeren Arbeitszeiten oder weniger Urlaubstagen verbunden.

Hofmann sagte, die Kritik der Gewerkschaft richte sich nicht gegen "sinnvolle Arbeitsteilung" zwischen Unternehmen und Zulieferern, sondern gegen die missbräuchliche Auslagerung von Kerntätigkeiten. Es sei eine Schande, dass die hochprofitable Branche der Metall- und Elektro-Industrie auf diese Weise versuche, Lohnkosten und Sozialstandards zu drücken.

Unter einem Firmendach entwickle sich zum Teil eine Mehrklassengesellschaft, kritisierte der IG-Metall-Vize. Der tariflich gesicherte Materialversorger des Fahrzeugbauers erhalte einen Stundenlohn von 15,90 Euro. Der outgesourcte Materialversorger bekomme 11,74 Euro, wenn er nach Speditionstarifvertrag bezahlt werde. Ohne Tarifbindung bleibe allenfalls der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro.

Hofmann forderte den Gesetzgeber auf, diesen Missbrauch mit gesetzlichen Regelungen einzudämmen. Dazu gehörten bessere Informationspflichten und mehr Mitwirkungsrechte der Betriebsräte in den Einsatzbetrieben. Arbeitsministerin Andrea Nahles will nach der Sommerpause einen Gesetzentwurf zu Werkverträgen und Leiharbeit vorlegen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wehrt sich gegen die Vorwürfe der Gewerkschaft. Diese würde "mit einer breit angelegten Kampagne, die seit Jahrzehnten bewährten Werkverträge zu einem Problemfall der modernen Arbeitswelt zu machen". Viele tarifgebundene Unternehmen der Branche arbeiteten selbst im Rahmen von Werkverträgen. Auch der Vorwurf, Werkverträge gingen zulasten der Stammbelegschaften, greife nicht. Denn die Zahl der Stammbeschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie steige seit Jahren.

brk/dpa



insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
trader_07 01.09.2015
1. Das ist nachvollziehbar...
"Immer mehr Betriebe lagern offenbar Arbeit über Werkverträge aus und sparen so Kosten." Das ist nachvollziehbar, wenn man als Arbeitgeber selbst für Personal ohne Schul- und Ausbildung 14,50 Euro pro Stunde zahlen muss (wie hier vorgestern in einem anderen Bericht zu lesen war). IG Metall: Am Outsourcing seid ihr maßgeblich selbst schuld!
FriedrichsMeinung 01.09.2015
2. die Geister die ihr halft zu rufen
Liebe Gewerkschaften. Wisst ihr noch für was man früher alles gestreikt hat? jetzt geht's euch bloß noch um 1, 50 für eure Mitglieder aber nicht mehr um die Gesellschaft. Generalstreik lautet die einzige mögliche Lösung.
realburb 01.09.2015
3. Einwanderung
eine gute Möglichkeit Flüchtlingen über Werkverträge Arbeit zu vermitteln und so die Integration zu fördern. Diese Nachricht sollte nicht nur negativ gesehen werden.
leser008 01.09.2015
4. weisungsgebunden arbeiten
Zitat von FriedrichsMeinungLiebe Gewerkschaften. Wisst ihr noch für was man früher alles gestreikt hat? jetzt geht's euch bloß noch um 1, 50 für eure Mitglieder aber nicht mehr um die Gesellschaft. Generalstreik lautet die einzige mögliche Lösung.
Das haben damals Schröder und seine lobbygesteuerten Konsorten prima hingekriegt. Flexibilisierung des Arbeitsrechts, Finanzmarktförderungsgesetz und als ultimativer Treibsatz Hartz 4. Dass sie Gewerkschafter schön still gehalten haben lässt sie als Komplizen aussehen, war aber nur der alte "SPD ist unser Freund" Reflex. Wer weisungsgebunden in einer Firma rumläuft und arbeitet ist nach Tarif zu bezahlen. Fertig.
bjwerb-1 01.09.2015
5. Immer dieses
Geschwätz vom Generalstreik...Zum 100.000 mal: In Deutschland sind Generalstreiks verboten. Sie können es gerne mal auf den Weg bringen, werden aber kaum jemanden finden der seine todsichere Kündigung unabwendbar für Hirngespinste auf sich nimmt. Die Gewerkschaften wissen sehr genau was Arbeitgeber bei verbotenen Streiks mit Freuden umsetzen werden. Daher ist es Ihre Pflicht Ihre Mitglieder vor diesem gefährlichen Unsinn zu warnen und zu schützen. Und natürlich kümmern sich Gerkschaften nur um ihre Mitglieder, kein Wunder, denn schliesslich sind es ja genau und ausschliesslich diese Mitglieder die streiken und die bereit sind einen Teil Ihres Lohnes für die Gemeinschaft abzugeben. "Die" Gewerkschaft ist nur eine Organisationsform, "die" Gewerkschaften können gar nicht streiken, gegen wen auch. Für die Trittbrettfahrer die nur die Vorteile abgreifen wollen, ansonsten aber nie mitstreiken oder mitfinanzieren bleibt zu Recht nur Verachtung übrig, Schmarotzer die auf Kosten anderer ihren eigenen Geldbeutel füllen und zumeist noch eine große Klappe zum Thema Streik haben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.