Illegaler Fischfang Datenanalyse zeigt umstrittene Umlademanöver auf hoher See

Fangschiffe laden Fische oft mitten im Ozean auf Kühlschiffe um - und vermischen teils illegale und legale Fänge. Die Umweltorganisation Greenpeace hat rund 400 Frachter identifiziert.
Illegal gefangener Thunfisch (Archivbild)

Illegal gefangener Thunfisch (Archivbild)

Foto: ALEX HOFFORD/ EPA

Die Umweltorganisation Greenpeace hat bei einer Datenrecherche 416 Schiffe entdeckt, die in den vergangenen drei Jahren umstrittene Umladeaktionen auf hoher See durchgeführt haben. Bei den Manövern handelt es sich um sogenanntes Transshipment, bei dem Fangschiffe ihren Fisch weit weg von der Küste auf große Kühlschiffe verfrachten.

Transshipment erspart Fischern lange Fahrten in den Hafen, ist laut Meeresschutzorganisationen aber auch das wohl wichtigste Schlupfloch, um illegale Fischfänge unter legale zu mischen.

Umladeaktionen auf hoher See lassen sich recht zuverlässig über das Funksystem AIS identifizieren, das Bewegungen von Schiffen weltweit aufzeichnet. Liegen zwei Schiffe über Stunden nah beieinander und bewegen sie sich gar nicht oder nur sehr langsam, deutet das auf ein Transshipment hin. Satellitenbilder liefern teils zusätzliche Belege.

Greenpeace hat AIS-Daten solcher Bewegungsmuster mit Informationen aus weiteren Datenbanken verknüpft:

  • Viele Schiffe, die die Umweltorganisation als verdächtig einstuft, fahren demnach auffällig oft unter der Flagge Panamas - einem Land, das wegen illegaler Fischerei schon öfter in der Kritik stand.

  • Manch verdächtige Schiffe haben laut Greenpeace Eigentümer, denen bereits gesetzwidriger Fischfang nachgewiesen worden sei.

  • Andere hätten nach ihren Rendezvous auf hoher See auffällig oft schwach regulierte Häfen angesteuert.

Die 94 Betreiberfirmen der verdächtigten Schiffe haben ihren Sitz überwiegend in folgenden Ländern: in Russland, China, Japan, Südkorea, Taiwan, Hongkong, Norwegen, Griechenland und den Niederlanden.

Allein 20 Kühlschiffe, denen Greenpeace dubiose Manöver attestiert, gehören zu einem Unternehmensgeflecht um einen griechischen Reeder, der jedoch jedes Fehlverhalten bestreitet.

Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation stammen bis zu 20 Prozent des international gehandelten Fisches aus illegaler, unregulierter oder undokumentierter Fischerei (IUU). Der wirtschaftliche Schaden solcher Fangmethoden wird auf 26 bis 50 Milliarden Dollar geschätzt. Der Schaden für maritime Ökosysteme ist laut Greenpeace immens.

Um sich vor illegaler Fracht zu schützen, lassen sich Betreiber von Kühlschiffen oft vertraglich zusichern, dass ihre Auftraggeber ihnen keine IUU-Fische aufladen. Oft kontrollieren Kühlschiffkapitäne vor einem Transshipment zudem die Fanglizenz des Fischereiboots. Trotzdem kommt es immer wieder zu illegalen Manövern.

Greenpeace fordert eine Verschärfung der Auflagen für das Umladen von Fisch auf hoher See. Die Historie von Schiffen, die Transshipments durchführen, müsse genauer geprüft werden. Transshipments sollten zudem generell vorab angekündigt werden, und es sollten viel öfter Aufseher zugegen sein.

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