Bundesinstitut Spekulanten und Mangel an Bauland treiben Hauspreise in die Höhe

In deutschen Großstädten rentiert sich der Bau von Wohnhäusern nicht mehr - weil dort Bauland viel zu kostspielig ist. Laut einer Studie haben sich die Grundstückspreise um mehr als 40 Prozent erhöht - in nur fünf Jahren.

Hausbau in Köln
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Hausbau in Köln


Fehlende Grundstücke und Spekulation mit Bauland sind nach einer Studie des Bundes die größten Hürden für bezahlbare neue Wohnungen in Deutschlands Großstädten. Der Grundstückskauf ist nach Einschätzung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) vielerorts so teuer geworden, dass sich der Bau von Mietshäusern nicht mehr rechne.

"Hohe Grundstückspreise lassen einen frei finanzierten Wohnungsneubau zu bezahlbaren Mieten vielfach nicht mehr zu", heißt es in dem Papier, das dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" vorliegt.

Demnach ist der durchschnittliche Preis für ein Baugrundstück zwischen 2011 und 2016 in den teuren Großstädten um 76.000 auf 259.000 Euro gestiegen. Das entspricht einem Anstieg um rund 40 Prozent. Deutschlandweit lag der mittlere Preisanstieg dagegen nur bei 24.000 Euro.

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Nach Einschätzung der Forscher spielen Spekulanten bei der Preisentwicklung vor allem in den wenigen teuren Metropolen eine Rolle. Berlin steche besonders hervor. Das Bundesinstitut sieht mehrere Ursachen für die Preissteigerungen. Dazu gehören der Zuzug vom Land in die Städte und die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) (mehr zum Thema: "Die Geldpolitik macht den Kapitalismus kaputt").

Als Gegenmittel empfehlen die Fachleute unter anderem die Ausweisung zusätzlichen Baulandes am Rande der Großstädte. Als Mittel gegen Grundstücksspekulation würde sich nach Einschätzung der Experten eine höhere Grundsteuer für unbebaute Grundstücke eignen. Grundstückskäufer, die umgehend ein Bauprojekt beginnen, würden damit geringer belastet als Investoren, die Bauland horten, um es mit Gewinn weiter zu verkaufen.

Diesen Vorschlag machte sich auch Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) zu eigen: "Wenn Kommunen Brachflächen höher belasten könnten als bebaute Grundstücke, würde sich Spekulation nicht mehr lohnen. Das sollten Bund und Länder gleich nach der Wahl angehen", sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die Grundstückspreise in Metropolen hätten sich seit 2011 mehr als verdreifacht. Tatsächlich sind sie um mehr als 40 Prozent gestiegen. Wir haben den Fehler korrigiert.

beb/dpa

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slob 21.09.2017
1. Genau! Belegt die teuren Grundstücke noch mit drastischer Steuern,
damit die endgültig unbezahlbar werden. Die Politik will an dem Hipe mitverdienen.
Actionscript 21.09.2017
2. Bei einer Verdreifachung lohnt sich Spekulation immer.
Wie hoch sollen denn die Steuern sein, damit es sich nicht mehr lohnt? Ich frage mich allerdings, wer kauft das Land dann, wenn die Bebauung zu teuer zu teuer, ist. Es wird Zeit, dass die EZB die Zinsen wieder hoch setzt. Die einzigen, die verdienen, sind die Spekulanten. Wer jetzt noch mit dem Argument kommt, dass man sich wegen der niedrigen Zinsen ja leicht eine Wohnung oder Haus kaufen kann, liegt falsch. Denn die Kaufpreise schnellen so in die Höhe, wie man sieht, dass sie die Niedrigzinsen beim Kredit auffressen, da die Kreditsumme selber auch in die Höhe schnellt. Dies sind klare Anzeichen einer Blase.
Teigkonaut 21.09.2017
3. Interessante Notiz
Einen Faktor für den Preisanstieg sehen die Autoren in der Zinspolitik der EZB.
muellerthomas 21.09.2017
4.
Zitat von ActionscriptWie hoch sollen denn die Steuern sein, damit es sich nicht mehr lohnt? Ich frage mich allerdings, wer kauft das Land dann, wenn die Bebauung zu teuer zu teuer, ist. Es wird Zeit, dass die EZB die Zinsen wieder hoch setzt. Die einzigen, die verdienen, sind die Spekulanten. Wer jetzt noch mit dem Argument kommt, dass man sich wegen der niedrigen Zinsen ja leicht eine Wohnung oder Haus kaufen kann, liegt falsch. Denn die Kaufpreise schnellen so in die Höhe, wie man sieht, dass sie die Niedrigzinsen beim Kredit auffressen, da die Kreditsumme selber auch in die Höhe schnellt. Dies sind klare Anzeichen einer Blase.
Davon ist allerdings deutschlandweit nichts zu sehen. Das ausstehende Kreditvolumen der Privathaushalte ist in den letzten Jahren sogar langsamer gestiegen als die Einkommen.
z1mz1m 21.09.2017
5. Lieber Autor,
bitte nochmal nachrechnen. Die Zahlen im Bericht zeigen keine Verdreifachung, sonder unter 50% plus !! Grundschulwissen !! Klick-Haschen !! Von der Grösse der jeweils verglichenen Grundstücke mal ganz zu schweigen ..
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