Bauboom Schäuble sieht keine Gefahr einer Immobilienblase

Häuser und Wohnungen werden stetig teurer - Finanzminister Wolfgang Schäuble sieht dennoch keine Anzeichen für eine Preisblase, die eine neue Finanzkrise auslösen könnte.
Neubausiedlung nahe Potsdam (Archiv)

Neubausiedlung nahe Potsdam (Archiv)

Foto: Ralf Hirschberger/ picture alliance / dpa

Trotz steigender Preise am Wohnungsmarkt sieht Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) keine Überhitzung am deutschen Immobilienmarkt. Es gebe derzeit keine Immobilienblase, sagte Schäuble auf einem Kongress der Immobilienbranche in Berlin. Nicht jede Preisübertreibung am Wohnungsmarkt gefährde die gesamte Finanzstabilität. Dies sei nur der Fall, "wenn steigende Immobilienpreise, eine übermäßige Kreditvergabe und nachlassende Standards für die Kreditvergabe zusammenkommen". Schäuble fügte aber hinzu, die Kreditvergabestandards hätten sich zuletzt erstmals seit 2010 leicht gelockert. "Das kann ein erstes Warnsignal sein."

Zuletzt hatten Experten und die Bundesbank vor extrem gestiegenen Immobilienpreisen vor allem in Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg und München gewarnt. Entspannung am Wohnungsmarkt kann es laut Schäuble nur bei einem ausreichenden Angebot von Mietwohnungen "zu fairen Preisen" geben. Es müssten jährlich rund 350.000 Wohnungen gebaut werden. Im Vorjahr waren es knapp 278.000 - so viele wie seit 2004 nicht mehr.

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Zu einer ähnlichen Einschätzung wie Schäuble kommt auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). "Ein spekulatives Anlegerverhalten, das beispielsweise in den USA eine schwere weltwirtschaftliche Krise ausgelöst hat, ist in Deutschland nicht zu beobachten", so DIW-Ökonom Claus Michelsen.

Einer Studie des Instituts zufolge waren Eigentumswohnungen 2016 etwa 54 Prozent teurer als sieben Jahre zuvor, Eigenheime kosteten 38 bis 45 Prozent mehr und Grundstücke sogar 64 Prozent mehr. "Die Preise steigen zwar weiter kräftig an - das ist aber weitgehend durch die ebenfalls kräftige Entwicklung der Mieten gedeckt", so Michelsen.

In einigen Großstädten mit internationaler Strahlkraft - wie Berlin und Hamburg - halten die Forscher allerdings bei Eigentumswohnungen und Baugrundstücken eine Blasenbildung für wahrscheinlich. Hier legten die Kaufpreise mitunter schneller zu als die Mieten.

"Aber jeder Boom auf dem Immobilienmarkt kommt irgendwann zum Ende", sagte DIW-Experte Konstantin Kholodilin. "Wenn zum Beispiel die Einwanderung nachlässt und die Bevölkerungszahlen aufgrund des demografischen Wandels sinken, gibt es kaum noch Impulse für flächendeckende Preisanstiege - erst recht, wenn dann mehr neu gebaute Wohnungen auf dem Markt sind."

So steige seit 2010 die Zahl fertiggestellter Wohnungen. Noch bleibe sie zwar hinter dem Bedarf zurück, aber in der näheren Zukunft dürften die Fertigstellungen so zahlreich werden, dass das Angebot die Nachfrage decke. "Dann sollten die Preise nachlassen, und in langer Frist sollte dieser Preisanstieg nicht mehr so explosiv sein", sagte Kholodilin.

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