Baukindergeld Staatshilfe für das Familienglück

Der Immobilienmarkt boomt. Doch jungen Familien fehlt oft das Geld, um ein Eigenheim zu finanzieren. Jetzt diskutiert die Bundesregierung Zuschüsse wie ein Baukindergeld. Kann damit das Problem gelöst werden?

Neubaugebiet Weiden in Köln
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Neubaugebiet Weiden in Köln

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Baufirmen ziehen immer neue Häuser hoch, die Kredite fließen. Kein Wunder - die Wirtschaft brummt, die Löhne sind stabil, und die Bauzinsen sind so niedrig wie selten zuvor. Die perfekten Bedingungen also, um sich den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Für wohlhabende Menschen mag das stimmen. Wer sich eine Immobilie leisten kann und möchte und jetzt nicht zuschlägt, dem ist nicht zu helfen.

Doch gerade für junge Familien geht diese Rechnung oft nicht auf. Trotz günstiger Baufinanzierungskosten wird es für sie immer schwerer, eine eigene Immobilie zu finanzieren. Der Anteil der 25- bis 35-Jährigen, die Wohneigentum besitzen, ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen: Laut einer Studie des Pestel-Instituts lag die Eigentümerquote in dieser Altersgruppe 2013 nur noch bei 16 Prozent. Im Jahr 1998 waren es immerhin noch 23 Prozent.

Der Grund für den Rückgang scheint klar: Familien mit geringen Einkommen müssen rund ein Fünftel des Wohnungswertes beim Kauf als Eigenkapital hinterlegen, zusätzlich fallen weitere Nebenkosten an. Zu den wichtigsten Nebenkosten zählen die Grunderwerbssteuer, die je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent liegt, sowie die Notar- und Maklerkosten.

Bei einem durchschnittlichen Hauspreis von 250.000 Euro in Deutschland kommt für den Käufer so eine Summe von 75.000 Euro zusammen, die er vom Start weg als Eigenkapital mitbringen muss. Oftmals fällt es jungen Familien schwer, diesen Batzen anzusparen, wenn sie nicht gerade geerbt oder vermögende Eltern haben, die sie unterstützen.

Dass die Eigentümerquoten in Deutschland sinken, hat auch fatale Auswirkungen auf die Altersvorsorge junger Familien. Denn Wohneigentum ist ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge. Schließlich ist es die einzige Sicherung auf die im Alter auch bei sinkenden Renten zurückgegriffen werden kann.

Im aufziehenden Bundestagswahlkampf bringen sich Deutschlands Parteien schon mal in Stellung, um sich dem Problem der jungen Familien anzunehmen. Die CDU will etwa mit Staatsgeld junge Familien beim Hauskauf unterstützen. "Vorstellbar ist beispielsweise ein neues 'Baukindergeld' als zusätzliche Jahreszahlung für junge Familien", sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) kürzlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) signalisierte ihre Zustimmung in einem TV-Interview bei Anne Will.

Die SPD hat Ähnliches vor. Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) will in "besonders nachgefragten Regionen gezielt Familien mit Eigenkapitalzuschüssen unterstützen." Je nach Kinderzahl solle die Unterstützung zwischen mindestens 8000 und rund 20.000 Euro liegen. Laut der "Wirtschaftswoche" wird derzeit in der Koalition diskutiert, die Förderung auch auf Regionen auszuweiten, wo die Bevölkerung schrumpft.

Ganz neu sind diese Vorschläge nicht. Bis 2006 gab es bereits die Eigenheimzulage, eine der größten staatlichen Subventionen, die es jemals in Deutschland gab. Allein im Jahr 2004 gab der Staat für diese Förderung 11,4 Milliarden Euro aus.

Doch diese Maßnahme war alles andere als ein Erfolg: Die Eigenheimzulage führte zu höheren Baukosten, weil sich die Bauwirtschaft so die Subvention in die eigene Tasche lenken konnte. Die Folge: Die Preise an den Immobilienmärkten heizten sich auf.

Auch der soziale Nutzen dieser Maßnahme war fragwürdig, da die Subventionen durch Steuern finanziert wurden. Auch Geringverdiener haben also jahrelang indirekt mit ihren Steuern den Häuserkauf der wohlhabenden Menschen finanziert, während sie weiterhin zur Miete leben mussten.

Beim neuen Baukindergeld wäre das womöglich nicht anders. "Gut gemeint, aber neue Fördertöpfe werden das Problem zu hoher Baukosten und der erschwerten Kreditaufnahme für Familien nicht nachhaltig lösen", erklärte etwa der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

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Auch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) kritisiert den Vorschlag. Direkte Zuschüsse würden den Staat auf Jahre hin massiv belasten. "Die Finanzierungsbedingungen sind bereits extrem günstig. Zusätzliches Geld vom Staat wird daher nicht benötigt", sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

Ihm zufolge liegt das Problem in Deutschland nach wie vor bei den hohen Kaufnebenkosten, die hierzulande doppelt so hoch sind wie in den Niederlanden und sogar viermal so hoch wie in Großbritannien.

IW-Ökonom Voigtländer hat deshalb eine andere Idee: Er fordert den Staat dazu auf, die Grunderwerbsteuer zu senken. Dadurch könne der Anfangseigenkapitalbedarf insgesamt gesenkt werden. "Diese Maßnahme halte ich für systematischer, als junge Familien direkt mit Geld unter die Arme zu greifen", sagt Voigtländer. Solch eine Maßnahme schlägt auch ein Verbändebündnis aus der Baubranche vor.

Ob es dazu kommt, ist jedoch mehr als fraglich. Schließlich dürften sich die Bundesländer erheblich gegen solch eine Steuersenkung wehren, weil ein Großteil der Grunderwerbsteuer direkt in ihre Kassen fließt.

Jungen Familien bleibt aber noch ein anderer Ausweg. Das Pestel-Institut schlägt vor, gebrauchte Eigentumswohnungen zu kaufen, statt zu mieten. Laut den Wissenschaftlern lohnt sich dies noch in Städten wie Bremen, Nürnberg, Lübeck, Bochum, Darmstadt, Bamberg und Chemnitz. So könnten sich Familien mit niedrigen Einkommen - auch ganz ohne Staatshilfe - ihren Traum vom Eigenheim erfüllen.



insgesamt 212 Beiträge
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Seite 1
vogel0815 27.11.2016
1. Das wird den Markt noch weiter aufheizen
für normale Bürger bleibt bald nur die Auswanderung.
suplesse 27.11.2016
2. Und?
Es soll doch den kleinen Darlehensnehmern auf die Finger geguckt werden. Die kleinen Leute sollen doch vor" Fehlern" geschützt werden. Bis zu einem gewissen Einkommen und fehlenden EIgenkapital ist Schluss mit Baukrediten.Die Banken sollen AUflagen diesbezüglich bekommen. WIe passt das zusammen? Wieder so eine Masche, die Leute zu verkackeiern. Kredite, die sie nicht kriegen können werden bezuschusst. Suuuper Idee!
blurps11 27.11.2016
3.
Ist ja nun schon der zweite oder dritte Testballon zum Thema. Komplett vernachlässigt wird mir dabei aber eine zentrale Frage: Ist es denn überhaupt SINNVOLL, auf Biegen und Brechen mehr Wohneigentum zu erzwingen, auch für Leute, die es sich eigentlich nicht leisten können ? Was genau sollen das denn bringen, außer Mehreinnahmen für Makler und Kreditgeber ?
dibbi 27.11.2016
4. Hatten wir doch schonmal...
Nannte sich Eigenheimzulage. Grundbetrag pro Jahr zzgl. Einer Erhöhung pro Kind. Wurde dann gestrichen, und es gab eine Rückgang bei der Bautätigkeit.
auto-trainer 27.11.2016
5. Grundsätzlich charmante Idee
Das erforderliche Eigenkapital ist aus Risikosicht der Banken verständlich. Weshalb muss ich mich bis zur Rente "krummlegen", damit mein Kind eine vollbezahlte Immobilie inkl. Grundstück sein eigen nennen kann. Spätere Erbschaftsteuerdiskussionen ausgeschlossen. Weshalb gehen die Banken nicht hin und lassen den jetzigen Kreditnehmer nicht einen Teil seiner Schulden bezahlen und der Erbe geht in das zukünftige Risiko. So hat der jetzige Eigentümer bei bedarf auch Geld für zusätzliche Investitionen, die die Immobilie wertvoller werden lassen. Die Bank hat den ersten Rang im Grundbuch falls später der potentielle Erbe nicht übernehmen möchte. Mit Verkauf durch Erbe oder Bank wären auch Restschulden zu tilgen. In anderen Ländern ist es möglich - dank der neuen Immobilienkreditrichlinie der EU wird die Finanzierung erschwert.
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