Immobilien-Deal LBBW verkauft 21.500 Wohnungen nach Bayern

Es ist der größte Immobilien-Deal in Deutschland seit Jahren: 21.500 Wohnungen hat die Landesbank Baden-Württemberg an die Augsburger Patrizia verkauft. Ausgerechnet eine Stuttgarter Bietergemeinschaft ging leer aus.

Die Hauptzentrale der LBBW liegt in Stuttgart. Doch ihre Immobilien gehen nach Augsburg
DPA

Die Hauptzentrale der LBBW liegt in Stuttgart. Doch ihre Immobilien gehen nach Augsburg


Stuttgart - Die Bietergemeinschaft rund um die Stadt Stuttgart hat im Milliardenpoker um die etwa 21 500 Wohnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verloren. Den Zuschlag in Deutschlands größtem Immobiliendeal seit rund dreieinhalb Jahren erhielt das Augsburger Unternehmen Patrizia, wie die Patrizia Immobilien AG am Montagabend in einer Mitteilung an Investoren berichtete.

Demnach haben sich Vorstand und Aufsichtsrat der LBBW für einen Verkauf an ein Konsortium entschieden, das von der Patrizia geführt wird. Nähere Angaben zum siegreichen Bieterkreis machte Patrizia nicht. Es hieß lediglich, dass der Zusammenschluss "aus verschiedenen langfristig orientierten nationalen und internationalen Investoren" bestehe.

Die Gegenseite, das sogenannte Baden-Württemberg-Konsortium, hatte in einem monatelangen Zweikampf mit der Patrizia um die überwiegend in Baden-Württemberg gelegenen Immobilien gerungen.

Mit der Entscheidung geht das Baden-Württemberg-Konsortium rund um die Stuttgarter GWG-Gruppe und die Stadt Stuttgart komplett leer aus. Die zwei Kontrahenten waren zum Schluss die einzigen verbliebenen Bieter, wie aus mit dem Geschäft vertrauten Kreisen verlautete.

Die LBBW musste sich von dem milliardenschweren Bestand im Zuge einer von der EU verordneten Schrumpfkur trennen. Der nun erzielte Kaufpreis betrug Branchenangaben zufolge wahrscheinlich deutlich mehr als eine Milliarde Euro - wohl in der Nähe der Marke 1,4 Milliarden Euro.

Das Kreditinstitut hatte den wertvollen Bestand zum Kauf anbieten müssen, weil die EU-Kommission das zur Vorgabe gemacht hatte. Im Gegenzug durfte die während der Finanzkrise gehörig in Schieflage geratene LBBW milliardenschwere Hilfen aus Steuergeld annehmen.

Branchenexperten werten den Deal als größte Transaktion auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt seit Mitte 2008. Bei Gewerbeimmobilien ist ein Geschäft in dieser Höhe ebenfalls rund dreieinhalb Jahre her.

Die siegreiche Patrizia betreute bisher nach eigenen Angaben ein Immobilienvermögen von mehr als 5 Milliarden Euro, wobei etwa 1 Milliarde auf eigene Rechnung und der Rest für Dritte läuft.

Das Baden-Württemberg-Konsortium zählt insgesamt fünf Mitglieder und wird angeführt von der GWG Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Baden-Württemberg AG aus Stuttgart, die 59,9 Prozent hält. Auf die Landeshauptstadt Stuttgart entfallen 25,1 Prozent.

tok/dpa

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prolet20.4 14.02.2012
1.
Kommunen, Länder oder Bund der Ausverkauf des Tafelsilbers nach Jahrelanger Misswirtschaft, was kommt wenn nichts mehr da ist? Das Politikerpack verkauft das Volk.
rainer_daeschler 14.02.2012
2.
Die LBBW wurde von Brüssel dazu gezwungen. Auch Stuttgart, für die das Mietangebot in der Stadt eine wichtige Angelegenheit ist, bot mit. Ob es aber langfristig einen großen Unterschied zum erfolgreichen Bieter Patricia gemacht hätte, weiß man nicht. Denn die Stadt ist an ihrem Bieterkonsortium nur mit 25,01% beteiligt und kann die anderen Partner nur dazugewinnen, wenn sie deren Renditeerwartungen hilft zu erfüllen.
Luscinia007 14.02.2012
3.
Zitat von sysopDPAEs ist der größte Immobilien-Deal in Deutschland seit Jahren: 21.500 Wohnungen hat die Landesbank Baden-Württemberg an die Augsburger Patrizia verkauft. Ausgerechnet eine Stuttgarter Bietergemeinschaft ging leer aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,815079,00.html
Irgendwo muss der billige Schnäppchenkredit für Wulffs Klinkerimmobilie ja wieder hereingewirtschaftet werden. Wulff kriegt sein Häuschen, die Ex-LBBW-Mieter eine Mieterhöhung. Und wenn ihre Mietwohnung in eine Eigentumswohung umgewandelt wird, einen Immobilienkredit von der LBBW-Tochter BW-Bank, mit Kreditzinsen, die sich gewaschen haben.
tollted 14.02.2012
4. Oh mein Gott
Zitat von Luscinia007Irgendwo muss der billige Schnäppchenkredit für Wulffs Klinkerimmobilie ja wieder hereingewirtschaftet werden. Wulff kriegt sein Häuschen, die Ex-LBBW-Mieter eine Mieterhöhung. Und wenn ihre Mietwohnung in eine Eigentumswohung umgewandelt wird, einen Immobilienkredit von der LBBW-Tochter BW-Bank, mit Kreditzinsen, die sich gewaschen haben.
ist das Ihr Ernst? Herr Wulff hat ein rollierendes Geldmarktdarlehen erhalten. Bei diesem Geschäft hat LBBW immer noch Geld verdient. Und woher wissen Sie wie hoch mögliche Kreditzinsen sind? Wir befinden uns in einer historisch niedrigen Zinsphase für Immobilienkredite. Menschen mit mittlerem Einkommen erhalten - natürlich abhängig von Eigenkapital und Wert der Immobilie 10-jährige Immobilienkredite für 2,9 bis 3,9%. Das hat sich aber gewaschen. Wohin die Vergabe von Krediten an Personen mit niedrigem oder gar keinem Einkommen, zu niedrigen Startzinsen und einige Jahre ohne Tilgung führt, das können Sie in den USA sehen - Auslöser der "Finanzkrise"... Zusammengefasst - hohes Risiko - hohe Zinsen, geringes Risiko - niedrige Zinsen. Neben dem Ausfallrisiko zählt hier auch der Wert der Immobilie, was aber eigentlich jedem einleuchten sollte.
Luscinia007 16.02.2012
5.
Zitat von tolltedist das Ihr Ernst? Herr Wulff hat ein rollierendes Geldmarktdarlehen erhalten. Bei diesem Geschäft hat LBBW immer noch Geld verdient. Und woher wissen Sie wie hoch mögliche Kreditzinsen sind? Wir befinden uns in einer historisch niedrigen Zinsphase für Immobilienkredite. Menschen mit mittlerem Einkommen erhalten - natürlich abhängig von Eigenkapital und Wert der Immobilie 10-jährige Immobilienkredite für 2,9 bis 3,9%. Das hat sich aber gewaschen. Wohin die Vergabe von Krediten an Personen mit niedrigem oder gar keinem Einkommen, zu niedrigen Startzinsen und einige Jahre ohne Tilgung führt, das können Sie in den USA sehen - Auslöser der "Finanzkrise"... Zusammengefasst - hohes Risiko - hohe Zinsen, geringes Risiko - niedrige Zinsen. Neben dem Ausfallrisiko zählt hier auch der Wert der Immobilie, was aber eigentlich jedem einleuchten sollte.
Das ist nicht Ihr Ernst! Eine Bank, die einem Kunden einen Geldkredit von 0,9-2,1 Prozent (also knapp über der Inflationsrate, teilweise darunter) statt dem in Ihren Augen marktüblichen von 2,9-3,9 % (marktüblich ist jedoch 7-10 Prozent) gewährt, gewährt nicht nur diesem Kunden einen unüblichen geldwerten Vorteil, sondern verzichtet sogar leichtsinnig und ohne Druck auf einen entgangenen Gewinn. Damit hat der kreditgebende Banker ziemlich Mist gebaut, schließlich ist er den Eigentümern (Aktionären oder wie in diesem Fall: Staat) verpflichtet und ist sogar ein Fall für den Staatsanwalt. Dazu einen Kredit, der nicht abgesichtert ist, ohne Sicherheiten, keine Hypothek auf das Haus, einem Kunden, der bereits einmal durch eine Ehescheidung in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist - und deswegen ja den Kredit benötigt, einen Kredit über das zweieinhalbfache Jahresbrutto, und der für einen 500.000 Euro gerade mal 1.666 Euro Zinsen im Monat zahlen will. Da kommen Sie mit 10 Jahren nicht hin! Und dazu noch einem Kunden, der bekennendermaßen mit Geld nicht umgehen kann, schnell den Überblick über Ein- und Ausgaben verliert und nicht weiß, wer wem was bezahlt.
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