Immobilien Häuslebauer ab 40 sind weniger kreditwürdig

Über 40 wird es schwer: Nach SPIEGEL-Informationen führen neue Regeln für Immobiliendarlehen zu Nachteilen für Kreditnehmer, die eigentlich im besten Alter sind.
Neubaugebiet Weiden in Köln

Neubaugebiet Weiden in Köln

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Eigentlich meinte die Bundesregierung es gut: Mit der Wohnimmobilienkreditrichtlinie wollte sie Häuslebauer davor bewahren, sich finanziell zu übernehmen. Doch der Protest der Bankenlobby war enorm: Die strengeren Regeln für die Bonitätsprüfung potenzieller Darlehensnehmer führe dazu, dass viele junge Familien überhaupt kein Darlehen mehr bekommen würden, warnten Branchenvertreter lautstark. Auch ältere Kunden, die die eigenen vier Wände altersgerecht umbauen wollten, könnten Schwierigkeiten bekommen.

Diese düsteren Prophezeiungen haben sich nur teilweise bestätigt. Das zeigt eine Auswertung des Finanzdienstleisters Hypoport, über dessen Onlineplattformen rund 18 Prozent aller Kreditanfragen laufen. Demnach ist das Volumen der Kreditverträge, die Darlehensnehmer zwischen 18 und 30 abgeschlossen haben, in den ersten sechs Monaten nach Umsetzung der Richtlinie sogar gestiegen: Um 8,5 Prozent innerhalb der Altersgruppe und um rund 1,5 Prozent am Gesamtvolumen aller Wohnkredite, die über Plattformen von Hypoport abgeschlossen wurden. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Umgerechnet auf den Gesamtmarkt bedeutet das eine Steigerung um 1,8 Milliarden Euro in sechs Monaten. Auch in der Gruppe der 30- bis 40-Jährigen ist das Volumen den Zahlen zufolge leicht hochgegangen.

Schwerer ist es dagegen für Kreditnehmer ab 40 geworden. Das Volumen aller Kreditverträge, die 40- bis 50-Jährige in den ersten sechs Monaten nach der Umsetzung der Richtlinie abgeschlossen haben, sank demnach um vier Prozent in der Altersgruppe beziehungsweise um ein Prozent gemessen am Gesamtumsatz. Umgerechnet auf den Gesamtmarkt ist das ein Rückgang von 1,2 Milliarden. Das Volumen der Kreditverträge, das 60- bis 70-Jährige abschlossen, ging innerhalb der Altersgruppe sogar um 12,1 Prozent und gemessen am Gesamtvolumen um 0,3 Prozent zurück.

Die Ergebnisse dürften die Diskussion um die Wohnimmobilienkreditrichtlinie , die im März in Kraft trat, sowie um mögliche Fördermaßnahmen wie etwa das Baukindergeld in eine neue Richtung lenken, glaubt Hypoport-Chef Ronald Slabke. Letzteres etwa hält er für "regulatorischen Blödsinn, der zu weiter steigenden Preisen führen wird". Wer junge Familien ins Eigenheim bringen wolle, "sollte für mehr Bauflächen und schnellere Genehmigungsverfahren sorgen".

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