Grunderwerbsteuer Länder wollen Steuerschlupfloch bei Immobilien-Deals schließen

Nur Normalbürger zahlen Grunderwerbsteuern - Großinvestoren drücken sich mit raffinierten "Share Deals" um die Abgabe. Dem Staat entgehen deshalb Milliardeneinnahmen. Das soll sich ändern.

Bürohochhaus in Frankfurt am Main
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Bürohochhaus in Frankfurt am Main

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Wenn Luxushotels und Bürotürme den Besitzer wechseln, wählen internationale Investoren gern eine raffinierte Konstruktion. Sie kaufen nicht das Gebäude samt Grundstück - sondern die Anteilsmehrheit an einer Firma, die eigens für den Besitz der Immobilie gegründet wurde. Während normale Häuslebauer dem Staat bis zu 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer überweisen müssen, zahlen Hedgefonds und Pensionskassen bei Immobilienkäufen auf diese Weise keinen Cent.

"Share Deal" heißt das bei den Managern diverser Hedge-, Private-Equity- und Pensionsfonds beliebte Modell. Sie müssen als Käufer nur darauf achten, dass sie nicht mehr als 94,9 Prozent der erworbenen Gesellschaft erwerben. Der kleinere Anteil von 5,1 Prozent kann beim alten Immobilienbesitzer verbleiben oder an einen unabhängigen Dritten gehen.

Kritiker sprechen von einem Steuerschlupfloch. Dem Staat entgehen dadurch nach Schätzung des hessischen Finanzministeriums jährlich Einnahmen von bis zu einer Milliarde Euro. Die Länderfinanzminister wollen deshalb bis Ende des Jahres einen Plan vorlegen, um diese Lücke zu schließen.

Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags unterstützen den Vorstoß. In einem bisher unveröffentlichten Gutachten machen die Beamten klar, dass der Gesetzgeber die "Share Deals" zur "Verhinderung von Steuerumgehungen" erschweren könnte. Danach sollten Immobilien-Deals auch dann steuerpflichtig werden, wenn mehr als drei Viertel der Anteile an der Gesellschaft verkauft werden. Bei reinen Wohnungsgesellschaften halten sie eine noch niedrigere Grenze für vertretbar. "So lässt sich die Immobilienspekulation sofort signifikant eindämmen", sagt die steuerpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Lisa Paus. Ihre Partei hatte eine solche Gesetzesänderung beantragt.

insgesamt 40 Beiträge
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i.dietz 03.10.2016
1. Worte sind genug gewechst -
allein der Glaube fehlt mir ! Ob jetzt endlich einmal Taten folgen ???
marthaimschnee 03.10.2016
2. warum
schafft man nicht einfach die zugehörigen Ausnahmen ab? So wie jetzt generiert man zur Ausnahme noch eine weitere Ausnahme.
steinbock8 03.10.2016
3. seit Jahren
geht das so warum soll sich an der Situation etwas ändern das glaube ich erst wenn die Tinte trocken ist außerdem ist die Politik gleich Lobbyisten an solchen Händeln gewinnbringend beteiligt die werden ihre zusatzgewinne nicht gefährden die hälfte der Abgeordneten sind Juristen und werden im Sinne ihrer Einkünfte und deren ihrer Klienten nicht dafür abstimmen also lange Rede gar kein Sinn
peeka(neu) 03.10.2016
4. Wie fein
dass dieser Umstand den Verantwortlichen jetzt schon auffällt. Der dargestellte Vorschlag wird das Problem natürlich nicht lösen. Aber apropos natürlich: Man könnte doch Immobilien nur noch an natürliche Personen veräußern dürfen. Dann müssten die Beteiligten eines Fonds eben eine GbR gründen, die dann im Grundbuch eingetragen wird. Mag sein, dass dies dem Aufbau von Immobilienfonds zuwider läuft, aber es wäre meiner Ansicht nach die einzig "gerechte" Lösung.
A.Müller 03.10.2016
5. und wieder
zahlen nur die kleinen Leute in diesem Land. Für die oberen 10.000 gibt es Ausnahmen und Schlupflöcher ohne Ende... Ich kaufe gerade ein Haus für meine Familie und habe den teuren Brief zur Grunderwerbsteuer hier liegen. Da macht mich so ein Artikel echt sauer. Euch soll ich nächstes Jahr wieder wählen liebe Politik? Wie wäre es mit einem Ende der Klientelpolitik?
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