»Die Party geht weiter« Immobilien-Gutachter rechnen mit steigenden Preisen

Die Preisrally auf dem Immobilienmarkt hält nach Ansicht von Gutachterausschüssen an. Für Wohnungen oder gar Häuser in den Städten müssen Käufer immer mehr Geld hinlegen – und auch das Umland wird teurer.
Sanierter und unsanierter Altbau in Berlin: Wo und wann platzt die Blase?

Sanierter und unsanierter Altbau in Berlin: Wo und wann platzt die Blase?

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Jens Kalaene / dpa

Der Traum von den eigenen vier Wänden wird aus Sicht von Experten in den Metropolen immer teurer. In den acht größten deutschen Städten zeichnet sich keine Trendwende ab, wie Vertreter der jeweiligen amtlichen Gutachterausschüsse am Dienstagabend schilderten.

»Die Party geht weiter«, sagte der Berliner Ausschussvorsitzende Reiner Rössler zu der Preisrallye am Immobilienmarkt. Von Anstiegen berichteten auch Vertreter aus Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und Leipzig. Eine Immobilienblase gebe es auf dem Wohnungsmarkt aber nicht.

Vielerorts sind demnach noch nicht genug Wohnungen gebaut, um den Zuzug des letzten Jahrzehnts auszugleichen. »Die Nachfrage ist ungebrochen, das Angebot ist knapp, die Preise steigen«, fasste die Vizevorsitzende des Hamburger Gutachterausschusses, Sonja Andresen, zusammen. »Wir haben keinen Coronaknick nach unten.« Die Preise in den einfachen Lagen näherten sich denen der mittleren an. Viele Menschen suchen deshalb am Stadtrand und im Umland nach Wohnungen und Häusern.

»In Frankfurt würde ich nicht mehr kaufen«

Die Preisanstiege schlagen sich auch in den Erhebungen des Statistischen Bundesamts nieder. Im dritten Quartal verteuerten sich Wohnungen und Häuser demnach im Schnitt um zwölf Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum. Das ist bereits das zweite Mal in Folge der größte Preisanstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2000. Und: Nicht nur in Großstädten, sondern auch auf dem Land schössen die Preise hoch.

»In Frankfurt würde ich nicht mehr kaufen, aber im Umland ja«, empfahl der Frankfurter Ausschusschef Michael Debus bei der Tagung der Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement. In der Stadt sei der Markt zu heiß gelaufen, werde aber wohl noch weitere Preissteigerungen bringen.

Auch Ökonomen alarmiert der Boom: Unter anderem das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte zuletzt vor einem Platzen von Immobilienblasen in einigen Städten gewarnt. Nach mehr als einem Jahrzehnt steigender Preise sei in den kommenden Jahren mit größeren Preiskorrekturen in Berlin, München, Hamburg, aber auch in anderen großen Städten sowie Uni-Städten zu rechnen.

Es könne sinkende, aber auch stagnierende Preise geben, sagte DIW-Studienautor Konstantin Kholodilin. Die spekulativen Übertreibungen nähmen zu. Betroffen seien besonders Eigentumswohnungen und Baugrundstücke in großen Städten. »In den nächsten Jahren kann es dort zu Preiskorrekturen kommen, also zum Platzen von Immobilienpreisblasen«, sagte er mit Blick auf eine Auswertung von Daten aus den 114 größten deutschen Städten.

Homeoffice macht Hamburger Umland beliebter

Den Anstieg der Preise im Umland erklärt sich die Vizechefin des Hamburger Gutachterausschusses unterdessen auch mit der Pandemie. Mit dem Wechsel ins Homeoffice seien Menschen bereit, längere Pendelstrecken mit Arbeitswegen von bis zu eineinhalb Stunden in Kauf zu nehmen, sagte Andresen. In München versuchten gleichzeitig viele Menschen in der Stadt selbst in größere Wohnungen zu wechseln, sagte der dortige Amtsleiter Albert Fittkau. »Deshalb ist die Nachfrage nach wie vor da.«

Gutachterausschüsse werten jährlich die notariellen Kaufverträge aus und legen unter anderem Bodenrichtwerte fest. 2020 waren nach ihren Daten mit 310 Milliarden Euro bundesweit so viel Geld in Immobilien geflossen wie nie.

Niedrige Zinsen, knapper Wohnraum, fehlende Anlagealternativen gerade für Großinvestoren und eine robuste Wirtschaft treiben den Immobilienboom seit Langem an. Zugleich treiben teures Material wie Holz, Zement und Stahl sowie knappe Kapazitäten in der Bauwirtschaft die Baupreise hoch.

apr/dpa