Immobiliensektor 2019 Das Ende des Baubooms

Noch schnell ein Haus kaufen - oder lieber nicht? In der Bau- und Immobilienbranche deutet sich das Ende einer langen Hochphase an.

Baustelle in München
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Baustelle in München

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Wer 2019 eine Immobilie kaufen will, sollte lieber vorsichtig sein. Denn der Bau- und Immobilienboom neigt sich dem Ende zu.

Laut einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes trüben sich die Aussichten im Bausektor weltweit ein. Der Bundesrepublik geht es im Vergleich zu anderen Ländern sogar noch vergleichsweise gut. Der Bausektor dürfte sein aktuelles Wachstum von fast drei Prozent im kommenden Jahr zunächst fortsetzen, schreibt Euler Hermes.

Doch auch hierzulande mehren sich die Anzeichen, dass bald Schluss ist mit dem Bauboom. Die erwartete Wende in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank lässt bereits jetzt die Kosten für Baukredite leicht steigen. Dazu verteuern sich die Bodenpreise. Die Nachfrage nach Immobilen und entsprechenden Krediten sinkt dadurch.

Gleichzeitig mehren sich die Zeichen für einen gesamtwirtschaftlichen Abschwung - was dazu führt, dass die Verbraucher vorsichtiger werden. Nicht viele Menschen sind so risikofreudig, sich zu Beginn einer solch unsicheren Phase auf Jahrzehnte zu verschulden, um eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen.

Mehr Insolvenzen, aber keine Pleitewelle

Die Zahl der Insolvenzen im Bausektor deutet ebenfalls darauf hin, dass die goldenen Zeiten der Baubranche vorerst vorbei sind. Bereits seit Anfang 2018 lege die Zahl der Firmenpleiten wieder zu, schreibt Euler Hermes. Das deute darauf hin, dass sich die Liquidität der Bauunternehmen allmählich verschlechtere.

Mit einer Pleitewelle im Immobiliensektor ist allerdings nicht zu rechnen. Denn die meisten Firmen haben aufgrund des Booms noch immer prall gefüllte Auftragsbücher.

Angehende Hausbauer sollten sich dennoch lieber in Acht nehmen. Wer jetzt eine überteuerte Immobilie kauft, in der Hoffnung, dass die Preise weiter steigen, könnte bald ein böses Erwachen erleben. Wer es trotzdem versuchen will, sollte zumindest noch Folgendes bedenken.

In manchen deutschen Regionen ändert sich gerade das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Der Zuzug in Topstädte wie Hamburg und München flaut langsam ab. Vor allem junge Leute ziehen nach Angaben des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, zusehends in günstigere Städte wie Passau oder Leipzig.

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insgesamt 15 Beiträge
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berthold.kogge 27.12.2018
1.
Ist doch gut. In einem anderen Spiegel-online-bericht von heute steht, dass der Staat 25 Mrd. Euro auf dem Konto hat, für Investitionen geplant, die aber nicht ausgeben kann da: 1. es an Planungskapazitäten mangelt. 2. man keine Baufirmen für die Ausführung bekommt. Zu Punkt 1. wenn man selbst keine neue Planungsstellen schaffen will, dann sind ja vielleicht, wenn der Bauboom sich abschwächt, Kapazitäten aus der freien Wirtschaft frei. Zu Punkt 2. Auch da kann man dann auf willige Ausführer hoffen, wenn der Bauboom abflacht.
Europa! 27.12.2018
2. Eigentum lohnt sich
Immobilien als "Geldanlage" sind vielleicht keine besonders gute Idee. Aber die selbst genutzte Immobilie ist nach wie vor die beste Alterssicherung. Das Gerede von den "Schulden" ist Unsinn; denn wer "zur Miete" wohnt, muss genauso jeden Monat zahlen. Es muss ja nicht immer ein Haus sein. Im Gegenteil: Mit einer Eigentumswohnung bleibt man flexibel und schont die Umwelt.
Pinky McBrain 27.12.2018
3.
Schon klar. Und die hundertausende von Wohnungen, die man so dringend braucht baut man dann erst beim nächsten Boom. Thorben-Erik und Chantal-Wikipedia wohnen solange weiter bei Mutti. Ganz ehrlich würde ich mir hier etwas mehr von SPON wünschen, als einfach immer nur die Studien einzelner Marktteilnehmer abzuschreiben und zu kommentieren. Hier folgt manchmal in einer Woche Boom auf Katastrophe auf Boom.
frederic_1618 27.12.2018
4. Und war's doch niemals meins
Zitat von Europa!Immobilien als "Geldanlage" sind vielleicht keine besonders gute Idee. Aber die selbst genutzte Immobilie ist nach wie vor die beste Alterssicherung. Das Gerede von den "Schulden" ist Unsinn; denn wer "zur Miete" wohnt, muss genauso jeden Monat zahlen. Es muss ja nicht immer ein Haus sein. Im Gegenteil: Mit einer Eigentumswohnung bleibt man flexibel und schont die Umwelt.
Auch die ETW will nicht nur gepflegt, sondern auch auf den Stand der Dinge gebracht sein. Zugegeben, immer noch preisweter als ein Haus, aber letztlich auch nicht ohne Kosten f. z.B. Modernisierung der Heizung, der Fassade und und und. Aber wenn bei Renteneintritt die ETW auf dem Stand der Dinge ist, lässt sich mit kleinerer Rente einigermaßen leben.
deeperman 27.12.2018
5.
Weniger Bautätigkeit bedeutet noch höhere Mieten, also höhere Rendite für Immobilien-Investoren (bzw. Anreiz für Eigentum als Alternative zur Miete), also höhere Bautätigkeit. Typischer Schweinezyklus...
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