269 Milliarden Euro Immobilienumsätze steigen auf Rekordhoch

Der Immobilienboom hält an: Wohnungen und Häuser werden bundesweit immer teurer - und der Kaufhunger der Investoren ist noch nicht gestillt. Besonders drastisch ist die Entwicklung in Großstädten.
München: Keine deutsche Metropole ist so teuer wie die bayerische Landeshauptstadt

München: Keine deutsche Metropole ist so teuer wie die bayerische Landeshauptstadt

Foto: Westend61/ Getty Images

In Grundstücke, Häuser und Wohnungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr doppelt so viel Geld geflossen wie zehn Jahre zuvor. Das Investitionsvolumen für den Kauf von Immobilien belief sich im Jahr 2018 insgesamt auf 269 Milliarden Euro - ein Rekordwert.

Das geht aus dem Immobilienmarktbericht der amtlichen Gutachterausschüsse hervor. Dieser basiert auf notariellen Kaufverträgen und bildet damit die Preisentwicklung präzise ab. Die Analysen von Immobilienportalen basieren hingegen oft nur auf Angebotsdaten.

Mehr als zwei Drittel der Investitionen entfallen demnach auf den Wohnungsmarkt. "Insbesondere in ohnehin teuren Lagen steigen die Preise weiter stark an", sagte die Vorsitzende des Arbeitskreises der Oberen Gutachterausschüsse, Anja Diers. Angesichts der niedrigen Zinsen seien die Haushalte auch weiter bereit, die aufgerufenen Preise zu finanzieren. "Wir können keine Trendumkehr erwarten."

Bei gebrauchten freistehenden Eigenheimen stiegen die Preise seit 2009 jährlich im Schnitt um 4,3 Prozent.

  • Bundesweit am höchsten waren sie 2018 im Landkreis München mit 10.200 Euro pro Quadratmeter.
  • Auf die Stadt München mit 9500 Euro pro Quadratmeter folgen Frankfurt am Main, Düsseldorf und Stuttgart (jeweils etwa 5000 Euro).
  • Im Bundesschnitt sind es 1750 Euro.
  • Weitaus weniger sind es in den Landkreisen Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt (490 Euro) oder im Kyffhäuserkreis in Thüringen (410 Euro).

Im Osten nur Agrarland teuer

Auch gebrauchte Eigentumswohnungen wurden seit 2009 deutlich teurer: Sie legten im Schnitt um 4,4 Prozent jährlich zu. Die bundesweit höchsten Preise zahlten Käufer in der Stadt München mit 7150 Euro pro Quadratmeter und auf Sylt (6350 Euro). Bundesweit lag der mittlere Preis pro Quadratmeter Wohnfläche im vergangenen Jahr bei rund 1550 Euro.

Teurer geworden ist auch Agrarland. "Allerdings ist ein Ost-West-Gefälle zu erkennen", schreiben die Gutachter. Während sich in den neuen Bundesländern die Preise binnen zehn Jahren etwa verdreifachten, fiel der Anstieg in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit rund 50 Prozent deutlich moderater aus.

Die Gründe für die extremen Preisanstiege auf dem Immobilienmarkt sind bekannt: Extrem niedrige Zinsen lockten in- und ausländische Investoren in deutsche Städte. Eine enorme Nachfrage, getrieben vom Anlagenotstand, traf auf ein geringes Angebot.

Wegen dieser Entwicklung warnen Experten seit Längerem vor einer Überhitzung am Immobilienmarkt. Die Bundesbank hält laut ihrem Finanzstabilitätsbericht die Preise in vielen Städten für 15 bis 30 Prozent überbewertet. Auch ein Expertengremium unter der Leitung von EZB-Chef Mario Draghi warnte vor einer Überhitzung des Immobilienmarktes in Europa.

hej/dpa