Bergbaukonzern Vale In Brasilien droht ein zweiter Dammbruch

Nach der tödlichen Schlammlawine im brasilianischen Brumadinho warnt der Bergbaukonzern Vale vor einem weiteren Dammbruch. Rund 500 Menschen seien bereits evakuiert worden.

Bei dem Dammbruch zerstörte Brücke
DPA

Bei dem Dammbruch zerstörte Brücke


Nach dem verheerenden Minenunglück in Brasilien im Januar droht nach einer Warnung des Bergbaukonzerns Vale ein weiterer Abraumdamm in der Nähe zu brechen. Wenn sich der Rand des seit 2016 aufgegebenen Eisenerz-Tagebaus "Gongo Soco" nahe der Stadt Barão de Cocais weiterhin so bewege, könne dort frühestens am Sonntag ein Riss entstehen, infolgedessen sich der südliche Teil des Dammes mit Wasser vollsaugen und daraufhin brechen könnte, erklärte Vale am Donnerstagabend (Ortszeit).

Die sogenannte Liquifaktion galt auch als Ursache des Dammbruchs im 60 Kilometer entfernten Brumadinho, bei dem Ende Januar mehr als 230 Menschen ums Leben gekommen waren.

Nun könnten sich aus dem "Sul Superior"-Damm in Barão de Cocais sechs Millionen Kubikmeter Abraum über die Umgebung ergießen, halb so viel wie in Brumadinho. Rund 500 Menschen, die unterhalb des Dammes wohnen, waren bereits im Februar auf Anordnung der staatlichen Bergbaubehörde ANM evakuiert worden.

Hochrisikodämme in Brasilien (Stand 12.3.2019)

Der im Januar gebrochene Damm war im vergangenen Herbst im Auftrag von Vale von der Münchner Prüforganisation TÜV Süd auf Stabilität überprüft und für sicher befunden worden. Ein Gericht in Brumadinho im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais hatte am Mittwoch 60 Millionen Real (13 Millionen Euro) auf den Konten des TÜV Süd eingefroren. Das Geld soll zur Entschädigung der Angehörigen der Opfer des Dammbruchs verwendet werden.

Gericht entzieht TÜV Süd Erlaubnis zur Zertifizierung

Zudem untersagte das Gericht dem TÜV Süd, die Stabilität von Dämmen zu prüfen. Das Unternehmen hatte schon im Februar angekündigt, aus diesem Geschäft auszusteigen, weil die in Brasilien angewandten Methoden unzuverlässig seien.

Vale hat umgerechnet 4,5 Milliarden Euro für die Folgen des Dammbruchs in Brumadinho zurückgestellt. 2,2 Milliarden davon sind für die finanzielle Entschädigung der Opfer und sonstige Schäden vorgesehen. 1,9 Milliarden Euro will Vale ausgeben, um auszuschließen, dass sich eine solche Katastrophe wiederholt.

Bereits im März hatte der TÜV Süd die brasilianischen Behörden und den Bergbaukonzern Vale vor neuen Desastern gewarnt. Acht weitere Vale-Dämme gelten auf Basis einer vorläufigen Untersuchung als "besorgniserregend", sieben davon sogar als "besonders besorgniserregend", heißt es in einem Schreiben vom 12. März.

Video: Überwachungskamera filmt Dammbruch (Archiv)

SPIEGEL ONLINE

hej/AFP



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