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26. Juni 2012, 20:22 Uhr

Umfrage

Vertrauen der Verbraucher in US-Wirtschaft sinkt

Konjunktur, Einkommen, Geschäftsklima: Die Zuversicht der Konsumenten in die US-Wirtschaft schwindet in allen Bereichen. Die OECD beklagt zudem einen dramatischen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit.

Washington - Die Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten äußert sich zunehmend durch schwindendes Vertrauen der Verbraucher. Im Juni habe der entsprechende Index nur noch 62,0 Punkte betragen, teilte das private Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag in Washington mit.

Damit sei der Wert zum vierten Mal in Folge gefallen. Schlechter war die Stimmung der Konsumenten in diesem Jahr bisher nur im Januar. Allerdings war das Ergebnis der Umfrage unter 3000 Verbrauchern immer noch weitgehend besser als in der zweiten Hälfte des Jahres 2011.

Kaum eine Wirtschaft hängt so stark von der Zuversicht ihrer Verbraucher ab wie die der Vereinigten Staaten: Die Konsumausgaben der Amerikaner machen rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den USA aus, ihre Stimmung kann daher erheblichen Einfluss auf die Konjunktur in der größten Volkswirtschaft der Welt haben. "Wenn der Trend weiter so verläuft, dann könnten die Ausgaben kurzfristig zurückgehen", warnte das Conference Board laut einer Mitteilung.

Vor allem der historische Vergleich zeigt, wie pessimistisch sich die Amerikaner derzeit über Themen wie die erwartete Entwicklung ihrer Einkommen, das momentane Geschäftsklima und die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt äußern: Zwischen 1967 und 2012 lag der Index des Verbrauchervertrauens im Durchschnitt bei rund 93 Punkten - also gut 30 Punkte höher als heute. Den Tiefstand erreichte er gegen Ende der größten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg im Februar 2009. Damals betrug er nur noch 25,3 Punkte.

"Dramatischer Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit"

Laut Einschätzung der Industriestaatenorganisation OECD sind die Nachwehen der tiefen Rezession von 2009 noch immer zu spüren. Denn auch die hohe Arbeitslosigkeit in den USA droht zum Dauerproblem zu werden. Obwohl wieder Stellen geschaffen würden, rechne die OECD für das Jahr 2012 mit einer durchschnittlichen US-Arbeitslosenquote von etwas mehr als acht Prozent, schreibt die Organisation in einer am Dienstag in Washington veröffentlichten Studie über die US-Ökonomie.

Für 2013 sei nur ein geringer Rückgang auf 7,6 Prozent zu erwarten. Eine solch hohe Arbeitslosigkeit über einen so langen Zeitraum hinweg habe es zuletzt während der "Großen Depression" (der Krise seit dem Jahr 1929) gegeben.

Besonders große Sorge bereitet den OECD-Experten, dass immer mehr Arbeitslose immer länger nach einem neuen Job suchen müssen. Die OECD spricht von einem für US-Verhältnisse extrem ungewöhnlichen "dramatischen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit".

Zwischen 2003 und 2007, also vor der Finanzkrise und der jüngsten Rezession, hätten Arbeitslose durchschnittlich neun Wochen gebraucht, um einen neuen Job zu finden. Anfang 2010 sei dieser Wert auf fast 26 Wochen emporgeschnellt, um sich danach bei etwa 20 Wochen einzupendeln. Rund 40 Prozent der Arbeitslosen sind demnach sogar länger als 27 Wochen auf Jobsuche. Die OECD spricht von einem besorgniserregenden Trend, weil sich die Langzeitarbeitslosigkeit nach Erfahrungen aus anderen OECD-Ländern "strukturell" verfestigen könne.

bos/dpa

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