Fachkräftemangel In fast jedem dritten Betrieb bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt

Deutsche Unternehmen tun sich schwer Ausbildungsplätze zu besetzen: Laut einer Studie erhielten 15.500 Unternehmen sogar gar keine Bewerbungen. Besonders betroffen sind das Gast- und Baugewerbe.

BMW-Werk in Leipzig (Symbolbild)
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BMW-Werk in Leipzig (Symbolbild)


Auszubildende verzweifelt gesucht: In fast jedem dritten Betrieb bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hervor. Laut den Zahlen des Verbands erhielten im vergangenen Jahr sogar 15.500 Unternehmen gar keine Bewerbungen - das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

"Uns geht der Nachwuchs aus", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. In 31 Prozent der Betriebe konnten Azubi-Plätze nicht besetzt werden. Im Osten waren es sogar 41 Prozent. Besonders betroffen waren das Gast- und das Baugewerbe, die wenigsten Probleme hatte die Immobilienbranche.

Nahezu jeder zehnte Ausbildungsbetrieb erhielt zuletzt keine einzige Bewerbung mehr für seine Azubi-Stellen. Der Fachkräftemangel sei eine "gefährliche Entwicklung für die gesamte Gesellschaft", sagte Schweitzer.

Die Betriebe wünschten sich der Umfrage zufolge unter anderem eine bessere Kommunikation mit den Berufsschulen und eine bessere digitale Infrastruktur der Schulen. Die Betriebe mahnten zudem an, dass IT-Kenntnisse bereits in den allgemeinbildenden Schulen stärker vermittelt werden müssten.

Wegen des Fachkräftemangels werben viele Betriebe zunehmend um neue Gruppen, wie die Umfrage ergab. Demnach wandten sich 42 Prozent der Betriebe aktiv an Studienabbrecher, unter anderem werben sie mit Auslandsaufenthalten und Zusatzqualifikationen.

Diese Strategie hat offenbar Erfolg: 43 Prozent aller Studienabbrecher begannen im vergangenen Jahr in den ersten sechs Monaten nach der Exmatrikulation eine Fachausbildung, wie eine jüngst veröffentlichte Studie des Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung ergab. 2008 lag die Quote bei nur 22 Prozent.

hej/AFP



insgesamt 4 Beiträge
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Tharsonius 18.07.2017
1. Tjo
bei den Hungerlöhnen im Gastrogewerbe (wenn man den inoffiziell erwarteten Zeiteinsatz berücksichtigt, den die Gastronomen "selbstverständlich" erwarten) würde ich mir auch eine lukrativere Ausbildung in der Industrie suchen. Dank multimedialer Berufsberatung kommen die Schüler da heute schneller dahinter als früher. ;)
smartphone 18.07.2017
2. Weder "Mangel" noch Gefährlich
ist de aktuelle Zustand in der Wirtschaft. Warum ? Es gibt hunderttausende Jugendliche die "weggeparkt" wurden ,weil diese KEINE Lehrstelle bekamen - Ursache zu 99,99 % Entweder wurden keine Angeboten oder man hat utopische Kriterien an solche ( zB Abitur, und das bitteschön besser als 1,3 ) . Die Betriebe sollten also erst mal ihre eigene Kommunikation ändern . Studienabbrecher- jau , die sind längst im Silicon Valley. Aber mal ernsthaft , es fällt so einigen viel zu spät ein , daß ein Studienabbrecher zumeist ein Opfer überzogener DFQs ist - es ist ja nicht neu ,daß viel Profs in D ihre "Reputation" in Korrelation mit einer 85% DFQ sehen - In den USA hätte man solche längst von der Uni entlassen wegen Unfähigkeit den Lehrstoff zu vermitteln. Fazit , es ist klar erkennbar ,daß immer noch nihct erkannt wird, dass das "Problem" nicht wirklich die Jugend, sondern die Totalarroganz der "Lehrbetriebe" ist .
ayumu 18.07.2017
3. Arbeiten im Handwerk
lohnt sich nicht. Jammern, dass es keinen Nachwuchs gibt aber dann keine Zugeständnisse machen wollen. Es wird Flexibilität verlangt, Bereitschaft jede Woche auf Montage zu fahren (Familienleben adé), schlechte Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten, man macht sich körperlich kaputt und dazu zu nem Hungerlohn. Jedem der ein einigermaßen gutes Abitur gemacht hat kann ich nur empfehlen etwas Gutes zu studieren. Das Geld was man am Anfang im Studium vielleicht nicht hat, hat man später doppelt und dreifach wieder rein. Es gibt nur einen Fachkräftemangel weil die heutige Generation sich vielleicht nicht für dumm verkaufen lässt und sich nicht ausbeuten lassen will.
dreamrohr2 19.07.2017
4. Meldung ist Wirtschaftsfinte!
ich kann dieser Meldung so, nicht glauben. In unserem Betrieb, haben wir über Jahre bis zu 100 Azubis jährlich ausgebildet. Jetzt im Sommer aber, gehen die letzten 2 Azubis (3. Lj) und es kommen keine mehr nach. Unsere Azubiwerkstatt hatte sogar Fremd-Azubis ausgebildet, also Azubis die bei Firmen arbeiten, welche keine eigene Azubi-Werkstatt besitzt. Kfm Azubis waren mind. 30/Azubijahr. Obwohl die Azubiwerkstatt vorhanden, wird aber nicht mehr ausgebildet. Wie also kann die Aussage im Raum stehen, obwohl in unserem Betrieb eine leere Azubiwerkstatt vorsich hin verstaubt?
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