Indien Bundesstaat entlässt 48.000 Angestellte - weil sie streikten

Die Angestellten eines staatlichen Transportunternehmens in Indien sollten vor einem hinduistischen Fest arbeiten - doch sie streikten für bessere Arbeitsbedingungen. Die Firma feuerte alle und engagierte private Fahrer.

Kalvakuntla Chandrashekar Rao, höchster Minister des indischen Bundesstaats Telangana: Streik als "unverzeihliches Verbrechen".
Mahesh Kumar A./ AP

Kalvakuntla Chandrashekar Rao, höchster Minister des indischen Bundesstaats Telangana: Streik als "unverzeihliches Verbrechen".


Ein indischer Bundesstaat hat auf einen Schlag 48.000 Angestellte des staatlichen Transportunternehmens Road Transport Corporation (RTC) entlassen. Grund ist übereinstimmenden Medienberichten zufolge, dass die Belegschaft des Unternehmens im Bundesstaat Telangana am Samstag in einen unbefristeten Streik getreten war.

Die meisten Busfahrer, Schaffner, Ticketverkäufer und andere RTC-Angestellte hatten laut der Deutschen Presse-Agentur bereits vergangene Woche angekündigt, ihre Arbeit auf unbestimmte Zeit niederzulegen, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Laut der "Hindustan Times" sollen sie etwa für ein Renteneintrittsalter von 60 Jahren eingetreten sein, gleich dem von Beamten .

Der höchste Minister des Bundesstaats, Kalvakuntla Chandrashekar Rao, sagte laut dem Fernsehsender NDTV, dass dies ein "unverzeihliches Verbrechen" sei. Hintergrund ist, dass am Dienstag eines der wichtigen hinduistischen Feste stattfindet und Millionen Menschen zu ihren Familien nach Hause reisen.

Vergangene Woche hatte RTC die Angestellten aufgefordert, ihren Streik nach zwei Tagen zu beenden. Weil sie dies nicht taten, kündigte ihnen das Unternehmen. Um sicherzustellen, dass Reisende trotzdem an ihr Ziel kommen, buchte RTC nach eigenen Angaben die Dienste von mehreren Tausend privaten Fahrern und Schaffnern.

Indisches Recht verbietet es Angestellten, die "unverzichtbare Dienstleistungen" bereitstellen, zu streiken. Tun sie es trotzdem, dürfen sie demnach entlassen werden. Als "unverzichtbare Dienstleistungen" gelten etwa die Beförderung von Menschen und Gütern, die Bereitstellung von Telefondienstleistungen und die Arbeit im Zoll.

Menschen in diesen Branchen streiken aber trotzdem ab und zu und werden meist nicht entlassen - auch weil solche Maßnahmen politische Konsequenzen haben können. 2003 etwa entließ die damalige höchste Ministerin des Bundesstaats Tamil Nadu mehr als 170.000 streikende Staatsangestellte und Lehrer. Später verlor sie die Wiederwahl.

fek/dpa

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