Schwächelnde Schwellenländer Indien senkt Wachstumsprognose deutlich

Der große Boom der Schwellenländer ist vorerst vorbei, das zeigt sich auch in Indien. Die Regierung korrigierte ihre Wachstumsprognose um mehr als einen Prozentpunkt nach unten. Für zwei Drittel der Inder lief ein Ernährungsprogramm an.

Markt im westindischen Ahmedabad: Die Rupie gerät unter Druck
REUTERS

Markt im westindischen Ahmedabad: Die Rupie gerät unter Druck


Neu-Delhi - Ein Beratergremium des indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh hat am Freitag die Wachstumsprognose für das bis März 2014 laufende Haushaltsjahr von 6,4 auf 5,3 Prozent gesenkt. Die Korrektur deckt sich mit den Vorhersagen von Banken-Ökonomen und Zentralbank.

Indien leidet wie andere Schwellenländer unter dem erwarteten Ausstieg der US-Notenbank Fed aus ihrer ultralockeren Geldpolitik. Flossen zwischen November 2008 und April 2013 rund 2,1 Billionen Dollar in die zehn größten asiatischen Länder, so wurden seitdem 86 Milliarden Dollar wieder abgezogen. Das brachte die Landeswährung Rupie unter starken Abwertungsdruck: Sie verlor seit Jahresbeginn im Vergleich zum Dollar um 14 Prozent an Wert. Das verteuert Importe, treibt die Inflation hoch und schmälert die Kaufkraft der Verbraucher.

Angesichts der schwächeren Konjunktur halten die Regierungsberater auch das Erreichen der Defizitziele für schwierig. Finanzminister P. Chidambaram will die Neuverschuldung nicht über 4,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen lassen. Experten wie PhillipCapital-Chefvolkswirt Anjali Verma rechnen jedoch mit einem Minus von 5,5 Prozent.

Bereits im zweiten Quartal hatte sich die Konjunktur weiter abgekühlt: Das Wachstum der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens fiel mit 4,4 Prozent so schwach aus wie seit der Finanzkrise vor über vier Jahren nicht mehr. Die jüngsten Daten fielen allerdings wieder besser aus. Die Autoproduktion zog im August ebenso an wie die Exporte.

Zwei Drittel der Inder werden künftig pro Monat fünf Kilogramm Getreide zu Cent-Preisen erhalten. Nach der Zustimmung der beiden Kammern des indischen Parlaments habe Präsident Pranab Mukherjee das Gesetz unterschrieben, berichteten indische Medien am Freitag. Damit tritt das Ernährungsprogramm für 820 Millionen Menschen in Kraft.

Nach Angaben der Weltbank lebt ein Drittel der weltweit Armen in Indien, etwa die Hälfte der Kinder ist unterernährt und zu klein. Kritiker bewerten das 16 Milliarden Euro teure Mammutprojekt jedoch vor allem als Wahlkampfgeschenk der Regierung vor der Wahl im Frühjahr 2014 und halten es wegen der schlechten Infrastruktur für kaum umsetzbar. Im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass in Indien Millionen Tonnen von Getreide verrotten, weil es zu wenige Lagerkapazitäten gibt.

dpa/Reuters

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politik_politik_politik 13.07.2010
1.
Zitat von sysopNeben China ist Indien die aufstrebende Volkswirtschaft Asiens. Das eine Land ist die größte Demokratie der Welt, das andere eine kommunistische Diktatur. Was kann der Westen von dem Wettstreit der beiden Großmächte lernen?
Großmächte einstehen auf kosten von "Sklaven, Unberührbaren, Rechtelosen". Das ist nun wirklich nicht erstrebenswert. Nimmt man ihnen den Kostenvorteil weg bleibt da auch nichts übrig. Die könnten auf Grund der Größe eine zeit lang sich abschotten. Auf dem Weltmarkt würden sie in kürzester Zeit den Anschluss verpassen. Welches Produkt wurde in China oder Indien entwickelt mit dem nennenswerte Umsätze in der Welt getätigt werden? Was haben die beiden zur Zivilisation der Menschheit beigetragen ? Großmacht was ist das ? Die Dinosaurier sind groß gewesen.
TheBlind, 13.07.2010
2. Was lernen?
Hi ! Durch die Größe des Landes, die Masse an Menschen bzw. billigen Arbeitskräften und nicht bestehenden Umweltgesetzen haben die momentan ein künstlich geschaffenden Vorteil. Wir können nur dann was lernen, wenn wir beobachten wie diese indische Gesellschaft es schafft, ihre Probleme zu bewältigen. Schaffen es die Inder aus ihrem Kastensystemdenken rauszukommen? Wie sieht dann die gesellschaftliche Ordnung aus? Was ist mit den sprachlichen Barrieren (Tamil/Hindu), was mit dem religiösen Unterschieden. Wie werden sie mit dem Nachbarn Parkistan weiterhin handhaben? Was ist mit der Rolle der Frau? Was ist mit derren Umweltproblemen? Fragen über Fragen, für eine Großmacht hat Indien zuviele Probleme. Alleine das Pulverfaß Kasten wird das Land am Rande des Zusammenbruches führen.
Kontrastprogramm 13.07.2010
3.
Zitat von politik_politik_politikGroßmächte einstehen auf kosten von "Sklaven, Unberührbaren, Rechtelosen". Das ist nun wirklich nicht erstrebenswert. Nimmt man ihnen den Kostenvorteil weg bleibt da auch nichts übrig. Die könnten auf Grund der Größe eine zeit lang sich abschotten. Auf dem Weltmarkt würden sie in kürzester Zeit den Anschluss verpassen. Welches Produkt wurde in China oder Indien entwickelt mit dem nennenswerte Umsätze in der Welt getätigt werden? Was haben die beiden zur Zivilisation der Menschheit beigetragen ? Großmacht was ist das ? Die Dinosaurier sind groß gewesen.
Als wir noch auf den Bäumen saßen und uns den Hintern mit Blättern abwischten aßen die Chinesen schon von schönem Porzelan und schrieben auf Papier. Indien hat uns vorgemacht, was eine erfolgreiche Bildungspolitik zustande bringen kann. Ob China eine Diktatur ist oder nicht, interessiert niemanden wirklich, solange die auf so riesigen Devisenreserven sitzen wie zur Zeit. Wer verkauft hat Recht. Alles andere ist neidvolles Geschwaffel und/oder Wunschträume. Was mal sein könnte oder wird ist egal, hauptsache der Schornstein raucht. Und in Indien und China raucht er.
TheBlind, 13.07.2010
4.
Zitat von KontrastprogrammAls wir noch auf den Bäumen saßen und uns den Hintern mit Blättern abwischten aßen die Chinesen schon von schönem Porzelan und schrieben auf Papier. Indien hat uns vorgemacht, was eine erfolgreiche Bildungspolitik zustande bringen kann. Ob China eine Diktatur ist oder nicht, interessiert niemanden wirklich, solange die auf so riesigen Devisenreserven sitzen wie zur Zeit. Wer verkauft hat Recht. Alles andere ist neidvolles Geschwaffel und/oder Wunschträume. Was mal sein könnte oder wird ist egal, hauptsache der Schornstein raucht. Und in Indien und China raucht er.
Hi ! Das ist aber auch nur von 12 Uhr bis mittags gedacht. In den letzten Jahrzehnten gab es immer wieder aufstrebende Staaten die durch ihr künstlichen Vorteilen scheinbar für Jahrhunderte zu dominierend drohten. Noch heute sind viele USA Filme aus den 80er voll mit Angst vor einer japanischen Großmacht. Heute ist Japan einer unter den Großen aber keine allherrschende Großmacht, wie alle befürchtet haben. Sobald sich Erfolg einstellt, schmelzen die Vorteile schneller dahin als das Speiseeis bei unseren jetzigen Temperaturen. Auch Japan hat zahlen müßen, der Umbruch der Gesellschaft ist da noch nichtmal abgeschlossen. So wird es auch China und Indien (insbesondere) passieren. Irgendwann wird sich die Gesellschaft fragen (bzw. jeder einzelne) wofür er das Ganze macht. Für ein paar lokale Eliten (Parteibonzen, Großgrundbesitzer, Fabrikbesitzer)? Bzw. ob die Zerstörung der Natur und die Ausbeutung der Menschen sinnvoll ist? Und das wird nicht lange dauern. Fazinierend ist aber, neben den lokalen Eliten, drängen nun auch westliche Eliten in diesen Ländern und tretten gerne mit. So sind es westliche Einkäufer, die von chinesischen Hersteller niedrigere Sozial- und Umweltstandards fordern, um ja auch noch den letzten Cent aus dem Produkt zu quetschen. Das sind dann die wirklich ekelhaften Gestalten, die die Welt echt nicht braucht. Cu.
merapi22 13.07.2010
5.
Zitat von KontrastprogrammAls wir noch auf den Bäumen saßen und uns den Hintern mit Blättern abwischten aßen die Chinesen schon von schönem Porzelan und schrieben auf Papier. Indien hat uns vorgemacht, was eine erfolgreiche Bildungspolitik zustande bringen kann. Ob China eine Diktatur ist oder nicht, interessiert niemanden wirklich, solange die auf so riesigen Devisenreserven sitzen wie zur Zeit. Wer verkauft hat Recht. Alles andere ist neidvolles Geschwaffel und/oder Wunschträume. Was mal sein könnte oder wird ist egal, hauptsache der Schornstein raucht. Und in Indien und China raucht er.
Auch die Inder hatten Ihre Hochkulturen, nur im feucht-heiße Klima sind wenig Zeugnisse übriggeblieben. Was wir vom alten China lernen können: Die erfanden das Schießpulver und hielten den Geist Jahrhunderte in der Flasche/unter Verschluss - missbrauchten diese Erfindung nicht um die Welt zu erobern/verheeren! Oje, Indien hat Millionen Analphabeten, nur wer einer höhere Kaste angehört, kommt in dem Genuss höherer Bildung. Das ist wie Rassismus! Viel Geld horten kann auch zu Problemen führen, der Gründerkrach von 1875 sei hier erwähnt, die hohen französischen Reparationen trugen dazu bei! China kann bald wirtschaftlich zusammenkrachen, ohne große Auswirkungen für die Welt! Aha, erst das Essen dann die Moral! Haben Sie schon mal was von diesen Ländern gekauft? Qualität - kaufen, ein mal benutzen, wegwerfen! In Deutschland wird auf Qualität geachtet, das hat bleibenden Wert. Sorge könnte nur die Ungerechte Vermögensverteilung in Deutschland bereiten: http://berlin.business-on.de/vermoegensverteilung-in-deutschland-10-der-deutschen-verfuegt-ueber-2-3-des-einkommens_id85.html Wer kann da neue und verlaessliche Zahlen aus Indien und China beisteuern?
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