Vision gefordert Industriechefs werfen Europa Naivität gegenüber China vor

Die aggressive Vorgehensweise Chinas bei der Ausdehnung seiner Wirtschaftsmacht bereitet europäischen Unternehmern Sorgen. Sie fordern eine härtere Gangart von Brüssel - und eine überzeugende Vision.

Chinesischer Güterzug im Hafen von Antwerpen: "Europa ist kein Käse"
DPA/Ye Pingfan/XinHua

Chinesischer Güterzug im Hafen von Antwerpen: "Europa ist kein Käse"


Im Wettbewerb mit China haben Industriechefs in Deutschland und Europa Naivität und einen Mangel an Visionen in Europa beklagt. "China hat eine Vision für seine Zukunft, Amerika hat eine. Aber in Europa wissen wir nicht, wo wir in zehn Jahren sein wollen", sagte der Chef des europäischen Unternehmerverbands Business Europe, Pierre Gattaz, der "Bild am Sonntag". Europa brauche eine "positive, enthusiastische Vision".

Der Bundesverband der Deutschen Industrie forderte mehr Einsatz von Berlin und Paris. "Deutschland und Europa haben drei Jahre fast nur über Migration geredet", sagte BDI-Präsident Dieter Kempf dem Blatt. "Auch der unselige Brexit kostet uns viel Zeit und Energie. Das fesselt und hindert uns, die Zukunft unseres Kontinents zu gestalten." Deutschland und Frankreich müssten jetzt "dringend vorangehen".

Gattaz warf Europa vor, bei der Zusammenarbeit mit China in der Vergangenheit "sehr naiv" gewesen zu sein: "Wir müssen klarmachen, dass Europa kein Käse ist, an dem jeder knabbern kann." Für Investitionen müssten die gleichen Regeln in China und Europa gelten." Eine gemeinsame europäische Position sei dafür "zentral": "Die chinesischen Unternehmen sind sehr gut darin, Schlupflöcher zu finden. Deshalb sollten wir in Europa keine Löcher haben und eng zusammenstehen."

Auch BDI-Chef Kempf warnte vor Naivität im Umgang mit China: "Wir dürfen nicht blauäugig sein. China spielt oft nach seinen eigenen Regeln. Es liegt an uns Europäern, unsere Forderungen deutlich zu machen." Die EU müsse sich nachdrücklich für faire und gleiche Regeln einsetzen.

mik/afp



insgesamt 142 Beiträge
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jozu2 14.04.2019
1. Ja, ja, liebe Industriebosse
Selbstverständlich verhalten wir uns naiv. Wir denken ja auch maximal 2 Jahre in die Zukunft. Chinesen denken in Jahrzehnten. Aber unsere Industrie ist ja selber so Geld-geil, dass sie ihre Entwicklungssysteme und viele Anlagensteuerungen mit dem Internet verbinden (mit Firewall und Virenscanner, hohoho) und sich dann wundern, dass sie ausspioniert werden. Weniger ist manchmal mehr.
pluuto 14.04.2019
2. hallo wach?
komisch, zu dieser Ansicht bin ich schon vor 15 Jahren gekommen.
max-mustermann 14.04.2019
3. Realsatire
Herrlich mal wieder diese Realsatire aus den Chefetagen der deutschen Industrie. Wer hat denn Jahrzehntelang seine Produktion nach China ausgelagert und den Chinesen somit das Know How frei haus geliefert ? Wer klammert sich denn zB. seit Jahrzehnten an eine veraltete Verbrennertechnik bei Autos und lehnt reflexartig jede Änderung und Innovation ab ? Wer weigert sich denn die Digitalisierung ernst zu nehmen und sich zu nutze zu machen ? Aber hey schuld ist natürlich alleine die Regierung weil sie keine Visionen für die Zukunft hat. Mann könnte wirklich herzhaft lachen wenn es nicht so traurig wäre zuzusehen wie hier fahrlässig wenn nicht sogar vorsätzlich unser Wohlstand aufs Spiel gesetzt wird.
thomas0815-1 14.04.2019
4. Dafür
wäre es zuerst einmal erforderlich seinen eigenen (nationalistischen) Horizont zu öffnen! Und eine wirkliche, europäische Intentität zu entwickeln bzw. zu akzeptieren. Das China sich seit Jahrzehnten über die Naivität der Europäer belustigt und das gnadenlos ausnutzt, ist ja wohl nichts neues. Das das jetzt auch schon unseren "WirtschaftEliten" auffällt - na alle Achtung. Ich befürchte nur, daß bereits alle "Schiffe abgefahren" sind (siehe nur Griechenland und Italien, von Afrika, Südamerika ganz zu schweigen. Das hat die Wirtschaft GEMEINSAM mit der Politik "versaut".Und wiedermal fällt der Wirtschaft nichts besseres ein, als nach der Politik zu rufen... . Wie peinlich, sie wissen doch sonst immer "wie es geht"!?
con-trau 14.04.2019
5. Absurde Forderungen
Sicherlich ist viel Naivität im Spiel (Arroganz?). Allerdings ist es doch gerade die Industrie die Unfähigkeit ist langfristige Pläne zu machen. Kurzfristige Gewinne und ein Weitblick der bis maximal übermorgen reicht. Soll die Politik jetzt die Unternehmen an die Hand nehmen? Das wäre den Industriebossen / share Holdern doch auch nicht recht. Ja, langfristige Visionen fehlen. Das ist ein echter Wettbewerbsnachteil gegenüber China.
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