Industriestaaten-Vergleich Jubel über schwarz-rot-goldenes Jobwunder

Das hat sonst kein Industrieland geschafft: In der Bundesrepublik ist trotz Wirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit gesunken. Eine neue OECD-Studie lobt die Entwicklung in Deutschland - nur ein großes Problem gibt es. In anderen Staaten finden Arbeitslose wesentlich schneller wieder einen Job.
Jobcenter Dortmund: 45 Prozent der Arbeitslosen suchen länger als ein Jahr einen Job

Jobcenter Dortmund: 45 Prozent der Arbeitslosen suchen länger als ein Jahr einen Job

Foto: ddp

Paris - Die Bundesrepublik geht gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervor: Die Arbeitslosenquote sank in den vergangenen zweieinhalb Jahren von 7,9 auf 7,0 Prozent. Das teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch in Paris mit. In den anderen OECD-Staaten stieg die Arbeitslosenquote im Schnitt dagegen von 5,7 auf 8,6 Prozent.

Die Entwicklung ist bemerkenswert. Immerhin war Deutschland mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 6,7 Prozent besonders stark von der Rezession betroffen. Die OECD lobt flexible Arbeitszeitregelungen in den Betrieben und die staatlich geförderte Kurzarbeit. So wurden rund 200.000 Arbeitsplätze durch Kurzarbeit erhalten. Allerdings empfiehlt die OECD auch, die während der Krise erleichterten Regeln wieder zu verschärfen, "sobald der Aufschwung an Fahrt gewinnt".

Doch trotz des guten Abschneidens gibt es auch Kritik: Arbeitslose in anderen Industrieländern finden nämlich wesentlich schneller wieder einen Job. In Deutschland waren 2009 knapp 62 Prozent der Arbeitslosen länger als sechs Monate ohne Beschäftigung - im OECD-Schnitt nur 40 Prozent. Noch krasser ist der Unterschied bei Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet sind: Ihr Anteil liegt hierzulande bei 45 Prozent, im Durchschnitt der 31 OECD-Staaten sind es nur 23 Prozent.

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Mit einer "zielgerichteten Aktivierung" solle Deutschland die Langzeitarbeitslosigkeit bekämpfen, empfiehlt die OECD. Gleichzeitig sollten die "finanziellen Anreize zur Aufnahme einer existenzsichernden Beschäftigung" erhöht werden. Dabei sei weniger die Höhe der Transferleistungen problematisch, sondern der Entzug der staatlichen Unterstützung und die Belastung mit Abgaben, wenn Arbeitslose eine Erwerbstätigkeit aufnähmen, die über eine geringfügige Beschäftigung hinausgehe.

Außerdem sei es notwendig, "angesichts des demografischen Wandels die Erwerbsbeteiligung von Älteren und von Frauen zu erhöhen". Zwar ist der Anteil der Arbeitnehmer zwischen 55 und 64 Jahren jüngst gestiegen, er bleibt mit 56 Prozent aber immer noch hinter der Spitzengruppe der OECD-Staaten zurück.

Der Frauenanteil lag mit 65 Prozent um neun Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt. Allerdings arbeiten deutsche Frauen vor allem Teilzeit, weil Vollzeitarbeit zu unattraktiv sei - wegen des Ehegattensplittings, beitragsfreier Mitversicherung in der Krankenkasse und der Subventionierung von Minijobs für Zweitverdiener. "In der Tat bleibt in kaum einem anderen OECD-Land netto weniger übrig, wenn in einem Paarhaushalt ein Zweitverdiener mit geringem Stundenverdienst von Teilzeit auf Vollzeit wechselt", kritisierte die OECD.

cte/AFP/dpa/apn
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