Neue Studie Inflation belastet Familien stärker als Singles

Die Inflation ist hoch – aber es trifft nicht alle gleich: Legt man die Ausgaben acht verschiedener Haushaltstypen zugrunde, sind Familien mit Kindern höher belastet als Alleinstehende.
Einkauf mit Kindern: Preissteigerungen belasten Familien und Paare mit mittlerem Einkommen besonders

Einkauf mit Kindern: Preissteigerungen belasten Familien und Paare mit mittlerem Einkommen besonders

Foto: Patrick Seeger / dpa

Die Verbraucherpreise sind zuletzt so stark gestiegen wie seit 1993 nicht mehr. 5,3 Prozent betrug die amtliche Inflationsrate im Dezember. Allerdings belastet das die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland in unterschiedlichem Ausmaß, wie neue Berechnungen des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) nun zeigen. Demnach betrifft die Inflation derzeit vor allem Familien mit Kindern sowie Paare mit mittlerem Einkommen am stärksten.

Die IMK-Forscherin Silke Tober hat für den IMK-Inflationsmonitor  die typischen Konsummuster für acht verschiedene Haushalte ermittelt, die sich hinsichtlich der Personenzahl und des Einkommens unterscheiden. Für diese Haushalte ergaben sich dadurch jeweils eigene repräsentative Warenkörbe, die von jenem Warenkorb abweichen, den das Statistische Bundesamt für die amtliche Inflationsrate zugrunde legt. Das bedeutet konkret, dass die IMK-Ökonomin berücksichtigte, welche Gewichtung etwa Lebensmittel oder Benzin und Diesel bei den Ausgaben der jeweiligen Haushalte haben.

Das Ergebnis: Im Dezember betrug die Inflationsbelastung etwa für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern und einem Einkommen von 3600 bis 5000 Euro 5,5 Prozent und war damit 0,2 Prozentpunkte höher als die amtliche Inflation. Bei Alleinstehenden war die Belastung hingegen durchgehend geringer. Am kleinsten war sie mit 4,4 Prozent für Singles mit sehr wenig Einkommen unter 900 Euro.

Die folgende Grafik zeigt die unterschiedlichen Inflationsbelastungen der verschiedenen Haushalte im Dezember 2021 – sowie im Detail den Anteil, den die verschiedenen Ausgabenbereiche dazu beitrugen:

»Grob zusammengefasst lässt sich schlussfolgern, dass die Inflation gegenwärtig nicht überproportional Haushalte mit geringeren Einkommen trifft«, sagt Tober. Allerdings erweise sich die vergleichsweise niedrigere Inflationsrate bei Alleinstehenden mit geringem Einkommen als zweischneidig, so die IMK-Forscherin. Denn diese Singles sind durchaus stark von den steigenden Preisen für Lebensmittel und Energie betroffen – etwa für Heizung und Warmwasser. Dass ihre typische Inflation dennoch vergleichsweise geringer ausfalle, liege schlicht daran, dass sie sich andere stark verteuerte Waren und Dienstleistungen überhaupt nicht leisten könnten. So träfen sie beispielsweise die stark erhöhten Preise für Diesel und Benzin nicht, weil sie kein Geld für ein Auto hätten. Das Gleiche treffe für Reisen zu.

Allgemein sieht die IMK-Forscherin die derzeit hohe Inflation als vorübergehendes Problem. »Viele aktuell preistreibende Faktoren beruhen dabei auf coronabedingten Sondereffekten«, sagt Tober. »Wir rechnen damit, dass sich die Inflation im laufenden Jahr wieder spürbar abschwächt.«

Dass es sich zuletzt um eine Ausnahmesituation handelte, zeige auch die Preisentwicklung für das Gesamtjahr 2021 – die deutlich geringer ausfalle als im Dezember. Auch für das Gesamtjahr hat Tober die unterschiedlichen Belastungen der verschiedenen Haushalte durch die Inflation ermittelt:

Wie hoch die Inflationsbelastung eines konkreten Haushalts ist, hängt allerdings auch von den individuellen Umständen ab. Das verdeutlicht das Beispiel dreier Paarhaushalte mit mittlerem Einkommen in der IMK-Studie: Heizt eines dieser Paare mit Öl und fährt ein Auto mit Verbrennermotor, lag seine Inflationsrate im Dezember bei 5,9 statt 5,5 Prozent. Dagegen hatte Paar zwei eine Haushalts-Teuerungsrate von 5,2 Prozent, weil es mit Gas heizt. Für Paar drei, das Gasheizung hat und auch noch statt des Autos öffentliche Verkehrsmittel nutzt, stiegen die Preise im Dezember lediglich um 3,8 Prozent.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

»Gerade für Menschen mit geringem Einkommen stellen die aktuell hohen Energiepreise eine große Belastung dar«, sagt Tober. »Das gilt selbst für Menschen in der Hartz-IV-Grundsicherung, da hier zwar die üblichen Heizkosten, nicht aber die Stromkosten vom Staat übernommen werden.« Die Politik solle daher über Hilfen für Haushalte mit niedrigem Einkommen nachdenken. So sei ein Zuschuss für Geringverdiener, insbesondere mit Kindern, aktuell eine sinnvolle verteilungspolitische Maßnahme.

fdi