Wegen hoher Inflation Fast 40 Prozent der Deutschen wollen bei Lebensmitteln sparen

Alles wird teurer, für viele Bundesbürger bedeutet das Verzicht: 39 Prozent geben nun an, beim Essen sparen zu wollen, vor allem Haushalte mit geringem Einkommen. Jeder Zehnte plant sogar, »bedeutend weniger« einzukaufen.
Einkaufen im Supermarkt: Vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen sparen bei Lebensmitteln

Einkaufen im Supermarkt: Vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen sparen bei Lebensmitteln

Foto: Sven Hoppe / dpa

In den letzten Monaten kletterte die Inflation immer weiter – und brachte dabei viele Menschen an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten. Über alle Einkommensgruppen wollen deshalb 39 Prozent der berufstätigen oder arbeitssuchenden Menschen in Deutschland künftig weniger Nahrungs- und Genussmittel kaufen. Jeder Zehnte plant sogar, »bedeutend weniger« einzukaufen. Das ergab eine Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Für die repräsentative Umfrage wurden 6200 Menschen befragt.

Noch mehr Befragte wollen bei Bekleidung und Schuhen sparen, das gab sogar mehr als jeder Zweite an (53 Prozent). Etwa genau so viele planen, seltener in Gaststätten und Restaurants essen und trinken zu gehen. Mehr als zwei Drittel der Befragten gaben an, Strom und Kraftstoffverbrauch reduzieren zu wollen. Und auch beim Heizen der Wohnung und beim Warmwasser wollen mehr als 60 Prozent der Befragten sparen.

Menschen mit wenig Einkommen müssen deutlich häufiger verzichten

Obwohl die Zahlen über alle Einkommensgruppen hoch sind, gibt es deutliche Unterschiede: Bei den Erwerbspersonen mit einem niedrigen Haushaltseinkommen von bis zu 2000 Euro netto monatlich gab mehr als jeder Zweite an, weniger Lebensmittel kaufen zu können. Fast zwei Drittel planten, nun weniger Geld für Kleidung und Schuhe auszugeben.

Künftige Hilfspakete der Bundesregierung müssten stärker sozial fokussiert werden als bisher, fordert Sebastian Dullien, der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Böckler-Stiftung als Reaktion auf die Studienergebnisse. Maßnahmen müssten so konzipiert werden, »dass Haushalte mit geringen Einkommen spürbar stärker entlastet werden als jene mit höheren Einkommen«.

Bisherige Maßnahmen, wie etwa die Spritpreisbremse der Ampelkoalition, gelten als Entlastungen nach dem »Gießkannenprinzip«, weil sie Steuergelder einkommensunabhängig einsetzen. Bei der Spritpreisbremse, sagte die »Wirtschaftsweise« Veronika Grimm im Mai, profitieren sogar vornehmlich Gutverdienende, »weil diese mehr Autos besitzen und weitere Strecken fahren«. Die Energiekostenpauschale von 300 Euro dagegen gilt als zumindest teilweise an Einkommen angepasst, weil sie wie solches versteuert werden muss. Wer ein höheres Einkommen hat, muss auch mehr von der Zahlung wieder abgeben. Viele Menschen mit geringem Einkommen, etwa Rentner oder Studenten, sind jedoch bisher von der Pauschale ausgeschlossen.

Wie sich die Inflation im Juni in Deutschland entwickelt hat, will das Statistische Bundesamt am Mittwochnachmittag in einer ersten Schätzung bekannt geben. Kräftige Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel hatten die Teuerungsrate im Mai auf den höchsten Stand seit fast 50 Jahren getrieben. Die Verbraucherpreise lagen um 7,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

jlk/dpa
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