Höchster Wert seit 24 Jahren Inflation in Polen steigt auf 13,9 Prozent

Die Verbraucher in Polen haben mit einer drastischen Teuerung zu kämpfen. Auch in der Eurozone ist die Inflation auf einen Rekordwert gestiegen. Der Druck auf die Europäische Zentralbank wächst.
Supermarkt in Krakau: Polen verzeichnet Rekordwert bei Inflation

Supermarkt in Krakau: Polen verzeichnet Rekordwert bei Inflation

Foto: Jakub Porzycki / NurPhoto / IMAGO

In Deutschland sorgt die aktuelle Inflationsrate von 7,9 Prozent für Unruhe bei den Verbrauchern. Im Nachbarland Polen jedoch fällt die Teuerung noch dramatischer aus. Dort hat sich der Preisauftrieb im Mai weiter beschleunigt.

Nach einer ersten Schätzung stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vormonat um 1,7 Prozent und zum Vorjahresmonat um 13,9 Prozent, wie die zentrale Statistikbehörde in Warschau mitteilte. Dies ist der höchste Wert seit 24 Jahren.

Besonders gestiegen sind die Preise für Lebensmittel und Benzin. Bis zum Ende des Jahres werde die Inflationsrate zweistellig bleiben, sagte Marcin Klucznik vom Polnischen Wirtschaftsinstitut der Nachrichtenagentur PAP. Der Höhepunkt sei im August zu erwarten.

Um die Folgen der Inflation für die Verbraucher abzumildern, hat die polnische Regierung seit Februar die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel ausgesetzt und den Steuersatz für Benzin und Dieselkraftstoff von 23 auf 8 Prozent gesenkt. Die Regelung soll sechs Monate lang gelten.

Inflation in Eurozone steigt auch ohne Energiekosten

Auch in der Eurozone ist bei der Inflation keine Entspannung in Sicht. Die Teuerung schoss im Mai auf 8,1 Prozent nach oben, wie das Statistikamt Eurostat nach einer ersten Schätzung mitteilte. Die Inflationsrate ist inzwischen mehr als viermal so hoch wie das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die 2,0 Prozent als optimales Niveau für die Wirtschaft anstrebt. Im März und April hatte die Teuerung im Währungsraum jeweils bei 7,4 Prozent gelegen.

In Deutschland, der größten Volkswirtschaft im Euroraum, kletterten die Preise gemäß dem nach europäischem Standard berechneten Index im Mai sogar um 8,7 Prozent, nach 7,8 Prozent im April. In Frankreich stieg die Teuerungsrate auf 5,8 Prozent von 5,4 Prozent im Vormonat.

Energie verteuerte sich laut Eurostat im Mai zum Vorjahr um 39,2 Prozent, nach einem Anstieg von 37,5 Prozent im April. Die Preise für unverarbeitete Lebensmittel zogen um 9,1 Prozent an, nach zuletzt 9,2 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich im Mai um 3,5 Prozent.

Ein Indikator dafür, dass die Preise auf breiter Front ansteigen, ist die sogenannte Kernrate, bei der die Preise für Energie und unverarbeitete Lebensmittel herausgenommen werden. Nach dieser Messung nahm die Inflation im Mai auf 4,4 Prozent zu, nach 3,9 Prozent im April.

»Wieder ein neuer Höchststand bei der Inflation, wieder ist die Inflation auch jenseits der teureren Energie- und Nahrungsmittel gestiegen«, kommentiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer die Daten. »Ich verstehe nicht, warum die EZB mit der Abschaffung ihrer Negativzinsen bis Ende des dritten Quartals warten möchte.« EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte kürzlich in Aussicht gestellt, dass die Währungshüter voraussichtlich bis Ende September die Ära der Minuszinsen beenden werden.

Andere große Notenbanken wie die Fed in den USA haben angesichts des starken Preisauftriebs bereits ihre Zinsen erhöht. Experten gingen zuletzt davon aus, dass die EZB auf ihrer Zinssitzung am 9. Juni zunächst das Ende ihrer Staatsanleihenkäufe beschließen wird und dann im Juli erstmals die Zinsen erhöht. Es wäre die erste Zinsanhebung seit 2011.

Bundesbankpräsident Joachim Nagel hatte bereits wiederholt ein schnelles Handeln der EZB gefordert, damit die Inflationserwartungen nicht zu sehr ausbrechen.

mmq/Reuters/dpa
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