Inflationsrate "Hurra, die Preise steigen wieder"

Erstmals seit 2015 ist die Inflationsrate wieder auf 0,7 Prozent gestiegen. Sorge vor einer Geldentwertung muss niemand haben. Experten jubeln sogar.

Kunde im Supermarkt
DPA

Kunde im Supermarkt


Die Preise in Deutschland sind im September so stark gestiegen wie seit Mai 2015 nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 0,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das geht aus vorläufigen Berechnungen hervor, die das Statistische Bundesamt am Donnerstag veröffentlichte. Immerhin sind das 0,1 Prozentpunkte mehr als die Ökonomen erwartet hatten, und gleich 0,3 Prozentpunkte mehr als im August.

Dennoch bleibt die Inflation weit unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die Werte von knapp unter zwei Prozent als ideal für die Konjunkturentwicklung ansieht. Dämpfend auf den Preis des Warenkorbs wirkten sich wieder einmal die Kosten für Energie aus, die sich zum Vorjahr um 3,6 Prozent verbilligte. Die Preise für Nahrungsmittel stiegen hingegen um 0,4 Prozent.

Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB geht davon aus, dass die EZB im Dezember ihr bis März 2017 laufendes Wertpapier-Ankaufprogramm zum Anheizen der Inflation ausweiten wird: "Und zwar wohl um sechs Monate und möglicherweise darüber hinaus. Denn für die EZB bleibt die Kernrate - also ohne Energie und Lebensmittel - noch deutlich unterhalb dessen, was sie sich vorstellt." Die Zentralbank hat dabei nicht nur Deutschland im Blick, sondern richtet ihre Geldpolitik an der gesamten Eurozone aus.

Kampf gegen die Abwärtsspirale

Die aktuellen Inflationsdaten aus Spanien dürften die Sorgen der Währungshüter dabei ein wenig gemildert haben: Dort stiegen die Preise im September erstmals seit Juli 2015 wieder - um 0,3 Prozent.

Die EZB kauft seit März 2015 im großen Stil Staatsanleihen der Euroländer, um für mehr Wachstum und Inflation zu sorgen. Sie will damit eine durch fallende Preise ausgelöste Deflation verhindern - also eine für die Konjunktur gefährliche Abwärtsspirale bei Löhnen, Preisen und Investitionen. Seit dem Frühjahr 2013 ist der als optimal geltende Wert von 2,0 Prozent aber nicht einmal mehr annähernd erreicht worden.

Daher sind höhere Lebenshaltungskosten in Deutschland aus volkswirtschaftlicher Sicht durchaus ein Grund zum Jubeln: "Hurra, die Preise steigen!", erläuterte KfW-Chefökonom Jörg Zeuner: "Das klingt verrückt, trifft es aber. Denn die aktuelle Preisentwicklung unterstreicht, dass Deflationsgefahren erst einmal abgewendet sind."

mik/Reuters



insgesamt 1119 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kontrastprogramm 02.03.2010
1.
Zitat von sysopIn der Finanzkrise haben die Regierungen Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, gleichzeitig hält die Europäische Zentralbank die Zinsen auf einem extrem niedrigen Niveau. Wie lange kann das noch gut gehen? Droht Europa eine Mega-Inflation - mit negativen Folgen für den Euro?
Die Zockerei gegen den Euro provoziert geradezu die Verknappung der Geldmenge M3 sowie eine Zinserhöhung. Inflation wohl zwangsläufig - aber keine Megainflation.
TvanH 02.03.2010
2.
Zitat von sysopIn der Finanzkrise haben die Regierungen Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, gleichzeitig hält die Europäische Zentralbank die Zinsen auf einem extrem niedrigen Niveau. Wie lange kann das noch gut gehen? Droht Europa eine Mega-Inflation - mit negativen Folgen für den Euro?
Das sind aber auch Themen, so schön apokalyptisch.
Volker Gretz, 02.03.2010
3.
Zitat von sysopIn der Finanzkrise haben die Regierungen Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, gleichzeitig hält die Europäische Zentralbank die Zinsen auf einem extrem niedrigen Niveau. Wie lange kann das noch gut gehen? Droht Europa eine Mega-Inflation - mit negativen Folgen für den Euro?
Was soll uns denn noch passieren? Uns hat's nicht gestört als die 1-DM-Läden in 1-euro-Läden umbenannt wurden, die Brötchen plözlich 90 Pfennig und der Liter Benzin 3,20 DM kostete. Nach dem Euro kann uns doch nichts mehr erschüttern :-) Zahlen und rechnen wir halt in 1/100 Feinunzen oder alternativ: Kleibeträgen werden mit Schweizer Taschenmessern, Zigaretten, Alkohol - größere Anschaffungen mit Rolexmodellen bezahlt. ;-)
Astir01 02.03.2010
4.
Bis ein Kind in die grüblerische Stille hinein ruft: "Aber, der König hat ja gar nichts an!" bleibt alles mehr oder weniger beim Alten. Schon heute übersteigt der "Wert" aller Guthaben den aller Waren und Dienstleistungen um einen bedeutenden Faktor. (etwa 10) Durch die exzessive Kreditvergabe zum Nulltarif vergrößert sich diese Diskrepanz immer weiter. So wie eine Bank bankrott geht, wenn alle Einleger gleichzeitig kommen und ihre Guthaben abheben wollen, so würde auch der Wert der Guthaben selbst verfallen, wenn alle Menschen gleichzeitig ihr Geld würden in Waren und Dienstleistungen umtauschen wollen. Bis es soweit ist, verfressen und versaufen die Bürger der USA aber auch die Griechenlands das Geld das wir Deutschen und die Chinesen sparen. Die Griechen haben z.B. eine "Sparquote" von -5%, d.h. sie geben 5 % mehr Geld aus als sie verdienen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, und den letzten beißen die Hunde.
Oskar ist der Beste 02.03.2010
5.
Zitat von sysopIn der Finanzkrise haben die Regierungen Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, gleichzeitig hält die Europäische Zentralbank die Zinsen auf einem extrem niedrigen Niveau. Wie lange kann das noch gut gehen? Droht Europa eine Mega-Inflation - mit negativen Folgen für den Euro?
Inflation zerstört die Demokratie http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,681172,00.html was fuer ein Beitrag im Jahre eins nach dem neoliberalen Supergau. Das waere so, wenn man 1990 behauptet haette, dass der Wegfall der Mauer im 3. Weltkrieg enden wuerde. Natuerlich darf man eine Inflation nicht ungezuegelt sich ausbreiten lassen, andererseits sind 5% Inflation immer noch besser als 5% Arbeitslosigkeit (so Helmut Schmidt). Und die "Buerger", damit sind natuerlich nur die gemeint, die bereits Vermoegen haben, diejenigen aber, die aus welchen Gruenden von Transferleistungen leben, koennen sehr wohl davon leben, dass es eine hoehere Inflation in Folge eines hoeheren Wachstums gibt, denn in dem Szenario haben diese "Empfaenger" naemlich eher wieder einen ertraeglich bezahlten Job. Und mit Hohngelaechter denken wir noch an den famousen Steinbrueck, der doch tatsaechlich von Inflationsgefahren faselte in 2009 als die deutschen Unternehmen zu 70-80% ausgelastet gewesen sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.