Folgen der Inflation Warum weltweit immer mehr Hunde im Tierheim landen

Futter und andere Produkte für Haustiere sind in Australien um fast zwölf Prozent teurer geworden. Tierheime stoßen an ihre Grenzen, weil Besitzer sich ihre Lieblinge nicht mehr leisten können. Tierschützer sehen ein globales Problem.
Neapolitanische Dogge (Symbolbild): Futterkosten von rund 1030 Euro pro Jahr

Neapolitanische Dogge (Symbolbild): Futterkosten von rund 1030 Euro pro Jahr

Foto: Josh Edelson / AFP

»Charcoal« gibt der Haustierkrise in Australien einen Namen. Die vierjährige neapolitanische Dogge sei von ihren Besitzern an das Tierheim »The Lost Dogs’ Home«  in Melbourne abgegeben worden, berichtet die BBC (hier geht es zum Artikel ). Begründung: Sie könnten sich den Hund nicht mehr leisten.

Allein die Fütterung des 63 Kilogramm schweren Vierbeiners koste jährlich etwa 1600 australische Dollar, rechnet Tierheim-Sprecherin Suzana Talevski vor. Umgerechnet rund 1030 Euro. Hinzu kommen noch weitere Ausgaben, etwa für den Tierarzt.

»Es ist ein trauriger Tag, an dem Menschen vor die Wahl gestellt werden, entweder ihre Tiere oder ihre Kinder zu ernähren. Für manche Menschen ist es leider so weit gekommen«, sagt Talevski.

»Charcoal« sei kein Einzelfall. 500 Tiere seien allein bei »The Lost Dogs’ Home« derzeit untergebracht.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Und auch die Tierretter kommen an ihre Grenzen. »Wir müssen Vorräte kaufen, uns mit Tierfutter versorgen und sicherstellen, dass alle unsere Tiere gesund sind«, sagt Talevski.

Zwei Gründe für die Haustierkrise

Auch Amanda Doelle von der Organisation »Canberra Pet Rescue«  nimmt einen extremen Zulauf wahr. »Es ist absolut unüberschaubar«, sagte die Tierschützerin der BBC.

Angesichts der vielen Anfragen und der steigenden Kosten auch für das Tierheim habe sie die Regierung gebeten, ihre Initiative zu finanzieren. Sie habe dennoch Tiere abweisen müssen.

Zwei Faktoren sind laut den Tierschützern für die aktuelle Situation ausschlaggebend:

  • Während der Pandemie haben sich viele Menschen Tiere angeschafft und haben nun entweder das Interesse verloren oder können sich den Unterhalt nicht mehr leisten.

  • Denn die laufenden Kosten sind extrem gestiegen. Die Inflation kommt auch bei Haustierbesitzern an. Die Kosten für Heimtierprodukte in Australien seien bis Ende Juni innerhalb eines Jahres um fast zwölf Prozent gestiegen, berichtet BBC unter Berufung auf offizielle Zahlen. Das sei doppelt so viel wie der Preisanstieg bei Lebensmitteln und Getränken.

Tierschützer sehen ein globales Problem. Demnach sind in den USA die Kosten für Haustierfutter um 10,3 Prozent gestiegen, in der Europäischen Union um 8,8 Prozent und im Vereinigten Königreich um 8,4 Prozent.

Im Tierfutter landen Fleisch, Getreide und Mikronährstoffe – alles Zutaten, die in den vergangenen Monaten teurer geworden sind.

Experte sieht keine rasche Entspannung

Vor allem die Energiekosten machten die Produktion teurer, sagte Professor William Chen von der Nanyang Technological University in Singapur der BBC. »Die Unsicherheiten bei der Lebensmittelproduktion bleiben aufgrund des Klimawandels, der Covid-19-Pandemie und geopolitischer Spannungen bestehen«, sagte er.

Da Heimtiernahrung im Vergleich zu Verbrauchernahrung als weniger kritisch angesehen werde, rechne er nicht damit, dass die Preise für Tierprodukte in nächster Zeit fallen.

Auch das »Blaue Kreuz« , eine Tierrettungsorganisation in Großbritannien, berichtet von einem sprunghaften Anstieg der Zahl der Tiere, die in ihre Tierheime gebracht werden, da Besitzer finanziell überfordert sind.

»Viele berichten unseren Teams, dass sie selbst auf Lebensmittel verzichten müssen, um sich das Futter und die tierärztliche Versorgung ihrer Haustiere leisten zu können«, sagte Alyson Jones vom »Blauen Kreuz« der BBC. »Wir tun, was wir können, um Menschen und ihre Haustiere zusammenzuhalten, aber leider müssen wir feststellen, dass immer mehr Tiere in unsere Obhut kommen.«

Ein weiteres Beispiel für die globale Haustierkrise kommt aus Thailand. Dort hätten seit Beginn der Pandemie Anfragen von Menschen zugenommen, die Thailand verlassen wollen, weil sie ihren Job verloren haben oder aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten weniger Einkommen haben, berichtet Jacob Thomas von »Rescue Paws« .

Hund mit Hobbys

In Australien wartet Dogge »Charcoal« nun auf ein neues Zuhause. Seine Lieblingsbeschäftigungen: Ball spielen und dann wieder auf dem Sofa liegen.

mmq
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.