Soziale Ungleichheit Inflation verteuert Konsum ärmerer Familien am stärksten

Viele Güter und Dienstleistungen haben sich 2022 deutlich verteuert. Insbesondere Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen müssen hohe Aufschläge hinnehmen.
Lebensmitteleinkauf im Supermarkt: Der typische Konsum von Verbrauchern mit niedrigen und mittleren Einkommen ist überdurchschnittlich teurer geworden

Lebensmitteleinkauf im Supermarkt: Der typische Konsum von Verbrauchern mit niedrigen und mittleren Einkommen ist überdurchschnittlich teurer geworden

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

7,9 Prozent – so hoch wie 2022 war die Inflation in der Bundesrepublik nie zuvor. Allerdings fiel die Teuerung nicht für alle Menschen im Land gleich hoch aus: Ärmere Familien wurden am stärksten durch die Inflation belastet. Der für sie typische Warenkorb verteuerte sich im Jahresschnitt um 8,8 Prozent. Singles mit hohen Einkommen hatten hingegen mit 6,6 Prozent die niedrigste haushaltstypische Inflationsbelastung. Das geht aus dem Inflationsmonitor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Überdurchschnittlich fiel 2022 demnach mit 8,2 Prozent auch die Inflationsrate für Alleinerziehende mit mittlerem Einkommen aus sowie mit jeweils 8,1 Prozent jene für Familien mit mittleren und für Singles mit niedrigen Einkommen. Kinderlose Paarhaushalte mit mittleren Einkommen waren leicht stärker als der Durchschnitt von der Teuerung betroffen.

Das IMK setzt für seinen Inflationsmonitor die typischen Konsummuster verschiedener Haushalte an, die sich aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts ergeben.

Für Dezember zeigen sich dabei die gleichen Muster wie für das gesamte Jahr 2022. Während die allgemeine Inflationsrate in dem Monat bei 8,6 Prozent lag, betrug die Inflationsbelastung für Familien mit niedrigen Einkommen 9,8 Prozent. Singles mit sehr hohen Einkommen mussten für ihren typischen Konsum lediglich 7,1 Prozent mehr bezahlen als im gleichen Monat des Vorjahrs – ihre Teuerungsrate war also um 2,7 Prozentpunkte niedriger.

Diese Differenz fiel allerdings kleiner aus als noch im November. Das lag den IMK-Forschern zufolge vor allem an der staatlichen Übernahme der Abschlagszahlungen für Erdgas und Fernwärme. Auch die sinkenden Rohölpreise sowie die abgeschwächte Teuerung bei Lebensmitteln reduzierten die soziale Spreizung bei der Inflation. Alleinerziehende und Familien mit mittleren Einkommen waren im Dezember mit 9,1 beziehungsweise 9,0 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich belastet; Singles und Familien aus der höheren Einkommensschicht hingegen mit 8,4 beziehungsweise 8,5 Prozent leicht unterdurchschnittlich.

fdi
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