Inflation im April Verbraucherpreise steigen stärker als erwartet

Die Inflation in Deutschland ist im April wieder kräftig gestiegen - im Vergleich zum Vorjahr legten die Preise um zwei Prozent zu. Das lag vor allem an der Reisezeit zu Ostern.

Szene aus Berliner Innenstadt
Monika Skolimowska/DPA

Szene aus Berliner Innenstadt


Im Ostermonat April haben höhere Preise für Energie und Pauschalreisen die Inflation steigen lassen. Die Verbraucherpreise kletterten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,0 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten mit. Das ist der höchste Stand seit rund einem halben Jahr. Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg von 1,6 Prozent gerechnet.

Im März war die Jahresrate noch überraschend auf 1,3 Prozent gesunken, nachdem sie zuvor bei 1,5 Prozent gelegen hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für die Eurozone mittelfristig einen Wert von knapp zwei Prozent an, den sie als ideal für die Konjunktur ansieht.

Im Vergleich zum Vormonat März stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland im April um ein Prozent. Haushaltsenergie und Kraftstoffe kosteten 4,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Aus den Daten der Statistischen Landesämter geht zudem hervor, dass sich Pauschalreisen zu Ostern teils deutlich verteuerten. Gedämpft wurde die Inflation von den Preisen für Nahrungsmittel, die lediglich 0,8 Prozent mehr kosteten als ein Jahr zuvor.

kko/dpa/Reuters



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spon_7302413 30.04.2019
1. Rätselhafte Lesarten
Bei der Veröffentlichung der Verbraucherpreisentwicklung stelle ich seit Jahren fest, dass die Zahlen an meinem real gelebten Verbraucherleben offenbar weit vorbei gehen. Die Warenkörbe sind unzureichend und zu unspezifisch differenziert. Für Menschen, die sich nicht jährlich ein neues Mobiltelefon (u.ä.) kaufen ist die Preisentwicklung in dieser Kategorie im Grunde völlig unbrauchbar, um die Entwicklung Kosten der Lebensführung abzubilden. Wer kein eigenes Auto besitzt, sondern mit dem ÖPNV fährt, wird von den steigenden oder sinkenden Bezinpreisen schlimmstenfalls mittelbar - und das auch mit Verzögerung - berührt. Ich habe festgestellt, dass Obst und Gemüse sich erheblich verteuert haben. 20-30% Mehrkosten für den täglichen Bedarf im Vergleich zum Vormonat. Einkäufe des gleich, realen Warenkorbs - im wahrsten Sinne - kosten je Einkauf entsprechend mehr. Die Stromabrechnung brachte eine Steigerung zum Vorjahr von rund 10%, trotz leicht gesunkenen Verbrauchs - alleine wegen der Verteuerung der Energielieferungen. Ich habe den Eindruck, dass die Zahlen der Statistik ganz bewusst nicht so differenziert ermittelt werden, dass die Haushaltesinflation für die Einzelnen ersichtlich wird. Die ist aber ganz real, das Raunen über die tatsächliche Verteuerung vieler Dinge des täglichen Bedarfs, und sei es durch die Verkleinerungen der Packungsinhalte bei gleichem Preis, hört man überall. Natürlich interessiert das nur diejenigen, denen ein paar Euronen mehr oder weniger tatsächlich auch auffallen - oder dass am Ende des Geldes immer mehr Monat übrig bleibt...
haarer.15 30.04.2019
2. Verbraucherpreise
Die Inflation war im März mit 1,3 % immer noch niedrig. Ginge es nach der EZB, so sollte sie besser bei 2,0 % liegen. Jetzt aber sinkt die Kaufkraft - nicht wegen Ostern - sondern hauptsächlich wegen höherer Kraftstoff- und Energiepreise. Hingegen sind Nahrungsmittel bei uns verglichen mit den Nachbarländern wirklich noch billig. Kehrseite ist oft die Qualität. Pauschalreisen mit dem Flieger dürfen gerne deutlich teurer werden. Die Schnäppchen-Billigfliegerei sollte ohnehin der Vergangenheit angehören. Problem nur, dass die Lebenshaltungskosten incl. Wohnen und Miete allgemein straff gestiegen sind, was mit marginal steigenden Löhnen/Renten niemals kompensiert werden kann. Wer hier ein bissel Vorsorge getroffen hat, kann wenigstens noch ruhig schlafen.
mvaugusta8 30.04.2019
3. Methodik fraghaft/starke regionale Unterschiede
In den Großstädten und Ballungsräumen ist die Inflation wesentlich höher. In peripheren wirtschaftsschwachen Räumen sind zb. Immobilienpreise gesunken bzw. nur sehr gering gestiegen. D.h. Häuserpreise in Dörfern und Städten, die mit starken Bevölkerungsrückgang kämpfen, relativieren die immensen Steigerungen von Immobilien und Mieten in wirtschaftsstarken Regionen, bezogen auf die Gesamtstatistik. Das gleiche Prinzip gilt bei Gastronomie und Kultureinrichtungen, die Preise in den Ballungsräumen steigen in diesen Bereichen aufgrund der höheren Mieten viel stärker als in wirtschaftsschwachen Regionen. Desweiteren variiert die Inflation sehr stark nach Lebensstil, weil es ein durchschnittlicher Warenkorb ist , die einzelnen Bürger jedoch sehr unterschiedliche Dinge konsumieren. Ein Knackpunkt ist zudem die hedonistische Methode in der Statistikberechnung. Elektronische Geräte, Autos etc. werden bei gleichbleibenden Preisen statistisch billiger wenn die Qualität der Produkte "besser" wird. In der Realität kann der Konsument aber oft keine Waschmaschine, Handy, Auto etc. mehr erwerben, welche nicht haufenweise Features besitzen, die er gar nicht braucht. Ob ein Smartphone einen etwas besseren CPU(Prozessor)hat, der Fernseher 4k statt "nur" FullHD hat oder das Auto, das 20zigste elektronische Unterstützungssystem bereitstellt, bringt einem Großtteil der Konsumenten keinen wirklichen Nutzenvorteil, treibt die Inflationsrate aber deutlich nach unten. Darüber hinausgehend wird das veränderte Nutzungsverhalten bzw. die Lebensdauer und Reperaturfähigkeit der Produkte viel zu wenig mit einbezogen. Ein Smartphone hat meist einen festverbauten Akku und einen anfälligen Bildschirm, der es zu einem Güter macht, welcher nur eine sehr kurze Lebensdauer aufweist. Andere Geräte wie Fernseher, Waschmaschinen usw. sind aufgrund der Konstruktion und Ersatzteilversorgung heutzutage nur noch schwer oder sehr teuer zu reparieren. Diese Phänomene fließen meines Erachtens viel zu wenig in die Statistik ein. Im Endeffekt ist die nominelle Inflationsrate durch regionale Disparitäten, verschiedene Lebensstile und fragwürdiger Methotik für das Individuum nur sehr eingeschränkt aussagekräftig. Die reale Inflation in wirtschaftsstarken Ballungsgebieten liegt wahrscheinlich eher bei 4-6%, weil Mieten, Grundstückspreise, öffentlicher Nahverkehr, Gatronomie, kultuerelle Aktivitäten und Strompreise sehr starke Preistreiber sind.
jufo 30.04.2019
4. Unglaubwürdig
Elektrische Energie und teilweise Lebensmittelpreise sind gestiegen, vor allem aber wurde Wohnen teurer. Elektronische Konsumgüter, bei denen noch eine virtuelle Deflation von wegen "Lustgewinn" unterstellt wird, nehmen bei den meisten Warenkörben ab, sie werden weniger gekauft weil die Entwicklung sich verlangsamt hat (PCs oder Fernseher haben eine hohe Reife, Smartphones auch)
Zukunft3.0 30.04.2019
5.
Mich würde einmal interessieren auf welcher Grundlage der Wert von 2% festgelegt wurde. Wenn das die EZB als Wert heranzieht für die Einleitung zum Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik können wir warten bis zum St.nimmerleinstag. Die Niedrigzinspolitik ist einzig allein dazu da, die Länder zu entschulden, allen voran Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich.
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