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21. März 2016, 15:14 Uhr

Infrastruktur

Hier baut Deutschland in den nächsten Jahren

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Bis 2030 investiert die Bundesregierung so viel in Straßen und Schienen wie noch nie. Wo wird was gebaut? Und welche Orte profitieren besonders? Alle Infos in unserer interaktiven Grafik.

Deutschland wird in den kommenden Jahren zu einer gigantischen Dauerbaustelle. Für die Sanierung und den Ausbau der Infrastruktur steht so viel Geld zur Verfügung wie noch nie. Das geht aus dem Verkehrswegeplan 2030 des Bundes hervor. Er umfasst Projekte mit einem Gesamtvolumen von mehr als 260 Milliarden Euro.

Allerdings wird diese Summe nicht komplett in den kommenden 15 Jahren verbuddelt. Einige Projekte starten erst im nächsten Jahrzehnt und werden erst nach 2030 beendet sein. Fast 90 Prozent der Gesamtsumme sollen aber tatsächlich bis 2030 ausgegeben werden - und zwar in der wichtigsten Kategorie des Verkehrswegeplans, dem sogenannten "vordringlichen Bedarf". Im Vergleich zum aktuellen Plan, der noch bis Ende des Jahres läuft, entspricht das einem Investitionsplus von mehr als 50 Prozent. Somit stehen auch nach Abzug der Inflation mehr Mittel denn je zur Verfügung.

Anders als früher soll das viele Geld allerdings nicht dazu genutzt werden, es allen irgendwie recht zu machen. Vielmehr - und das ist in der Politik keine Selbstverständlichkeit - sollen die Mittel möglichst sinnvoll ausgegeben werden. Deshalb wurden die von den Bundesländern angemeldeten Projekte vom Bundesverkehrsministerium nach bestimmten Kriterien priorisiert. Von den mehr als 2000 Vorschlägen soll nun die Hälfte realisiert werden.

Das wichtigste Prinzip lautet: Erhalt vor Neubau. Rund die Hälfte des Geldes wird aufgewendet, um die bestehende Infrastruktur in Schuss zu bringen. Die verbleibenden Mittel werden zunächst dafür genutzt, um Engpässe im vorhandenen Netz zu beheben - etwa indem Autobahnen von vier auf sechs Streifen erweitert oder auf bestimmten Abschnitten zusätzliche Gleise verlegt werden. Erst mit dem Geld, das dann noch übrig ist, werden neue Autobahnen oder Schienenwege gebaut.

Weil der komplette Neubau einer Strecke in der Regel sehr teuer ist, hält sich die Anzahl dieser Projekte in Grenzen. Das gilt vor allem für die Schiene. Die Zeit der ganz großen Milliardenprojekte wie Stuttgart 21 ist eh vorbei. Vielmehr gibt es selektive Verbesserungen.

So können sich Reisende in Nordrhein-Westfalen darüber freuen, dass der seit Langem geplante Rhein-Ruhr-Express zwischen Köln und Dortmund nun tatsächlich realisiert wird, wenn aller Voraussicht nach auch in abgespeckter Form. Auch einige ICE-Strecken - etwa zwischen Hannover und Bielefeld sowie Hanau und Erfurt - werden aus- und neugebaut, sodass sich die Reisezeiten verkürzen.

Bei den Straßen ist das Ziel, die Engpässe im bestehenden Netz zu beseitigen, besonders sichtbar. Zählt man alle Projekte zusammen, die bereits im Bau sind oder in den kommenden 15 Jahren starten sollen, werden auf rund 1700 Kilometern Autobahnen erweitert - aber nur halb so viele Kilometer neu gebaut.

Allein im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen werden auf 300 Kilometer Autobahn zusätzliche Spuren gebaut. Zu den teuersten Projekten gehören dabei unter anderem der achtspurige Ausbau der A3 zwischen Leverkusen und Hilden sowie der A4 bei Köln.

Ähnlich sieht es auch in anderen westlichen Bundesländern aus: In Baden-Württemberg wird etwa die stauanfällige A5 auf rund 40 Kilometern auf sechs Spuren erweitert.

In Bayern fließen Hunderte Millionen Euro in die Erhöhung der Kapazitäten auf dem Münchner Ring und den Ausbau der stauanfälligen A8 zwischen München und Traunstein.

In Hessen wird die A67 zwischen dem - aus dem Verkehrsfunk auch überregional bekannten - Mönchhof-Dreieck (bei Frankfurt) und Lorsch (nahe Mannheim) auf sechs Spuren erweitert. Kostenpunkt: über eine halbe Milliarde Euro.

Niedersachsen wiederum profitiert gleich von zwei der seltenen Neubauprojekte. So soll die Küstenautobahn A20 um rund 160 Kilometer verlängert werden. Außerdem ist der Lückenschluss der A39 zwischen Lüneburg und Wolfsburg fest eingeplant.

Zugleich erhalten auch künftig Hunderte Orte das Lieblingsgeschenk von Lokalpolitikern: eine Ortsumgehung. Im Vergleich zum Aus- und Neubau von Autobahnen sind die einzelnen Beträge allerdings mickrig.

Dass sich die östlichen Bundesländer in den kommenden Jahren bescheiden müssen, ist keine böse Absicht, sondern erklärtes Ziel. In den vergangenen 25 Jahren wurde die Infrastruktur dort modernisiert, inzwischen ist sie in vielen Teilen deutlich besser als in den alten Bundesländern. Bis 2030, so die Hoffnung der Verkehrsplaner, lässt sich im Westen dann wieder genauso entspannt Autofahren wie im Osten.

Mitarbeit: Maximilian Schäfer, Philipp Seibt, Louisa Schmidt, Florian Müller und Ann-Kathrin Terfurth

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