Deutschland in Zahlen Steckt der Staat genug Geld in die Infrastruktur?

Schlaglöcher, bröckelnde Brücken, geschlossene Bahnhöfe: Deutschlands Infrastruktur scheint marode. Investiert der Staat zu wenig - oder ist das Bild verzerrt?
Autobahnbaustelle (auf der A8 in Bayern)

Autobahnbaustelle (auf der A8 in Bayern)

Foto: Stefan Puchner/ picture alliance / dpa

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen findet, dass der Bund zu wenig Geld in die Infrastruktur steckt. Auf die Frage: "Investiert der deutsche Staat Ihrer Meinung nach eher zu viel oder zu wenig in Infrastruktur?", antworteten im SPON-Wahltrend im Juli 2017 86,1 Prozent der Befragten, es werde "(eher) zu wenig" getan. Lediglich 9,8 Prozent sind zufrieden mit dem derzeitigen Ausmaß und nur 2,3 Prozent halten die Investitionen derzeit für zu hoch.

Tatsächlich sind Straßen, Schienennetz, Brücken und Wasserwege in Deutschland in einem insgesamt sehr guten Zustand - noch. Denn die öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur gehen seit Jahren zurück, wenn man den Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung misst: Steckte der Staat laut Bundesverkehrsministerium im Jahr 1992 noch 0,73 Prozent der Wirtschaftsleistung in die Infrastruktur, lag der Anteil im Jahr 2015 bei nur noch 0,41 Prozent.

Die Länge des Schienennetzes ist von 38.100 Kilometern (1998) auf 33.300 Kilometer geschrumpft, bei den Straßen sank die Zahl von 230.700 auf 230.100 Kilometer. Das Autobahnnetz verlängerte sich dagegen von 11.427 auf knapp 13.000 Kilometer. Auch die Zahl der Bahnhöfe ist entgegen der öffentlichen Wahrnehmung in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Waren es im Jahr 2003 nur noch 5046, stieg die Zahl bis 2015 auf 5681.

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Klar ist: Deutschland steckt mehr Geld in Straßen als in den Ausbau des Schienennetzes. Der Interessenvertretung "Allianz pro Schiene" zufolge investiert der deutsche Staat jährlich 64 Euro pro Einwohner in die Bahninfrastruktur und liegt damit in Europa auf dem drittletzten Platz, nur noch gefolgt von Spanien und Frankreich. Die Niederlande investieren 133 Euro pro Einwohner - mehr als das Doppelte.

Insgesamt steht Deutschland mit seinen Infrastrukturausgaben im internationalen Vergleich nur mittelmäßig da. Im Jahr 2015 gab Deutschland Daten der Industrieländerorganisation OECD zufolge 239 Dollar je Einwohner aus. Zum Vergleich: Frankreich kam auf 283 Dollar, Großbritannien auf 392 Dollar, China investierte sogar 426 Dollar je Einwohner.

Heißt das, Deutschland lässt seine Straßen, Schienen, Brücken und Kanäle verrotten? Internationale Studien zeigen, dass sich die sinkenden Investitionen bisher noch nicht ausgewirkt haben: Die Weltbank beispielsweise setzt die deutsche Transportinfrastruktur im weltweiten Vergleich immer noch an die Top-Position.

Deutschland lebt also von der hervorragenden Substanz, die aber langsam zu bröckeln beginnt. Eines der größten Hindernisse für höhere Ausgaben dürften allerdings nicht die fehlenden Finanzmittel sein, sondern die langwierigen Planungsprozesse, die effektives Geldausgeben zuweilen arg behindern.

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