Inflation IWF-Chefvolkswirt empfiehlt höhere Lohnabschlüsse

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will Steuern senken. Doch ausgerechnet der neoliberale IWF warnt - und ruft im SPIEGEL die Gewerkschaften zu höheren Lohnabschlüssen auf.
IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld

IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld

Foto: Jose Luis Magana/ AP

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die Steuersenkungspläne von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) skeptisch. Das berichtet der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe. (Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

"Die Bundesregierung wäre schlecht beraten, die Haushaltsüberschüsse nur durch Steuersenkungen abzubauen", sagt IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld. Stattdessen sollte sie das Geld investieren.

Schäubles Argument gegen weitere Staatsausgaben für Straßen und Brücken: Die Bauwirtschaft arbeite schon jetzt an der Kapazitätsgrenze. Das lässt Obstfeld nicht gelten. Zusätzliche Ausgaben machten Deutschland produktiver und übten Druck auf Löhne und Preise aus. "Das würde der EZB helfen, ihr Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen", sagte Obstfeld.

Aus demselben Grund ruft er die Gewerkschaften in Deutschland auf, ihre Zurückhaltung aufzugeben. Die Tarifabschlüsse seien angesichts der guten Wirtschaftslage zu niedrig. "Die Tarifparteien sollten auf höhere Lohnvereinbarungen abzielen", schlägt der Ökonom vor.

Derzeit sei es kein Problem, wenn die Abschlüsse etwas höher lägen als die Produktivitätszuwächse, weil es wichtig sei, dass die Preise im Euroraum wieder um zwei Prozent stiegen. "Deshalb kann die Inflation in Deutschland geringfügig höher sein."

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