Gefahr für die Wirtschaft Internationaler Währungsfonds warnt vor "exzessiver Ungleichheit"

Der Internationale Währungsfonds kritisiert das zunehmende Wohlstandsgefälle im Westen. Es unterhöhle den sozialen Zusammenhalt, gefährde die Globalisierung und senke "letztlich das Wachstum".

Schriftzug am Hauptquartier des IWF
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Schriftzug am Hauptquartier des IWF


Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet, zunehmende wirtschaftliche Ungleichheit könnte in westlichen Industriestaaten den Rückhalt von Marktwirtschaft und Globalisierung schwächen.

Das geht aus einer von der Organisation veröffentlichten Studie hervor. "Tackling Inequality" ist das Papier überschrieben, übersetzt heißt das: "Ungleichheit angehen". Die Autoren der Analyse betonen zwar, dass "etwas Ungleichheit" notwendig sei für das Funktionieren einer Volkswirtschaft.

Zugleich warnen sie aber vor zu großen Einkommensunterschieden. "Exzessive Ungleichheit kann den sozialen Zusammenhalt aushöhlen, zu politischer Polarisierung führen und letztlich das Wachstum senken", schreiben die Verfasser.

Besonders im Fokus stehen dabei offenbar die westlichen Industriestaaten, allen voran die Vereinigten Staaten von Amerika. Weltweit sei die Ungleichheit zwischen Ländern zwar zurückgegangen, vor allem aufgrund der rasanten Entwicklung von Ländern wie China und Indien. Innerhalb westlicher Gesellschaften habe die Ungleichheit hingegen zugenommen.

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Der IWF: Struktur des Währungsfonds

Die in zahlreichen Industriestaaten zunehmende Ungleichheit habe zu einer "Gegenreaktion gegen die Globalisierung" geführt. Als ein Gegenmittel empfiehlt der IWF besseren Zugang zu Bildung. Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass Sprösslinge aus Familien mit schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen es schwerer haben, Zugang zu Bildungsinstitutionen zu haben.

Mehr noch: Selbst wenn Studenten aus benachteiligten Familien es an Hochschulen schaffen, erzielen sie "substanziell schlechtere Lernerfolge als solche mit einem wohlhabenden Hintergrund", so der IWF.

Hier geht's zur IWF-Analyse "Tackling Inequality"

beb



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dieter-ploetze 15.10.2017
1. eine folge der ungeregelten globalisierung
diese zunehmende ungleichheit in den industrienationen ist ja nun eine direkte folge der ungehemmten globalisierung. der endgueltige siegeszug des kapitalismus wurde nach dem zusammenbruch des konkurrenzmodells, des kommunismus, ausgerufen und damit auch alles klar ist, wurden leitplanken und beschraenkungen, die sozialen zusammenhalt gewaehren sollten, abgeschafft. an vorderster front dabei schroeder und blair, zwei angebliche sozialdemokraten. nun wird das, natuerlich mit recht, bemaengelt. allerdings scheint es schwer bis fast unmoeglich, den ungeist wieder in die flasche zu bekommen. ich wage zu behaupten, dass es eine globale soziale verantwortung mit entsprechenden folgen nicht geben wird, nicht geben kann. eine soziale gesellschaft kann nur im ueberschaubaren rahmen bestehen, denn man muss schon bezug haben zu den mitgliedern dieser gesellschaft. ohne diesen bezug gibt es, wie bisher, spendenaktionen fuer vernachlassigte oder in besondere not geratene in anderen regionen der welt. weiter wird das nicht gehen, es ist niemand vermittelbar dauerhaft fuer sozialen ausgleich in fernen erdregionen zu sein.
Chilango 15.10.2017
2. Eigentlich eine einfache Lösung
Politiker werden verpflichtet öffentliche Infrastruktur zu nutzen. Privatkrankenhäuser, Schulen etc sind ihnen verboten. Soweit ich weiss müssen sie in Schweden öffentliche Krankenhäuser nutzen. Öffentliche Infrastruktur wird zuallererst in Problemvierteln verbessert und ganz zum Schluss, wenn dann noch Geld da ist in den "gut situierten".
quark2@mailinator.com 15.10.2017
3.
Man kann es immer und immer wieder beobachten - je älter Staaten werden, desto unsinniger wird alles. Die Ideale mit denen man startete gehen langsam verloren, dafür bekommt man immer mehr unproduktive Bürokratie, Seilschaften, Hinterzimmerdiplomatie und vor allem immer mehr Geiz, Egoismus, Klüngelbildung. Jeder normale Bürger könnte eine Liste mit grundlegenden Problemen machen. Die Liste wäre nicht bei allen die gleiche, aber wenn man die von 100 Leuten nähme, die nicht auf Sylt wohnen, dann hätte man es schon. Aber die Politik ist mittlerweile unfähig, diesen Strömungen noch nennenswert etwas entgegen zu setzen. Es wird Zeit für einen Neuanfang.
freigeistiger 15.10.2017
4. Abkehr vom Wirtschaftspopulismus
In Deutschland war dass von SPD und Grünen so gewollt und eingeführt mit dem Wirtschafts- und Finanzneoliberalismus in 1990er Jahren. Nachgeredete Pseudoargumentation war "Von den hohen Einkommen fällt für die niedrigeren Einkommensgruppen dann etwas ab." Diese Parteien postulieren für sich, dass sie wirtschaftskompetent wären. Dabei schließen sie sich nur dominanten Stimmen an, etwa aus Unternehmens-Lobbyverbänden und Medien, die dass wiedergeben. Beide Parteien haben einen hohen Frauenanteil. Notwendig ist seit Jahrzehnten, sich wieder mit der gesamten Gesellschaft zu beschäftigen, nicht nur mit Unternehmen. Ökonomie ist für alle da.
g.eliot 15.10.2017
5. Ein Sinneswandel...?
...nachdem es bisher gerade der IWF war, der schon seit weit über 20 Jahren neoliberale aka marktradikale Trickle-down Wirtschaftspolitik postuliert. Den notleidenden asiatischen Ländern wurden nach der Asien-Krise knallharte antisoziale Maßnahmen verordnet, unter welchen die ärmeren Bevölkerungsschichten am Meisten zu leiden hatten. Dto. Griechenland, ein besonders krasses Beispiel unter den europäischen Ländern, mit einer verarmten Mittelschicht, dessen Gesundheitssystem zusammengebrochen ist und bis heute nicht wieder hergestellt wurde. Wäre ja schön, wenn diesen Worten Taten folgen würden, allein der Glaube fehlt mir. Besonders, weil das dominanteste Mitgliedsland des IWF die USA sind, welches wirtschafts- und finanzpolitisch aktuell quasi direkt von Goldman Sachs Bossen gemanegt wird, von welchen keine sozialen Wohltaten zu erwarten sind, im Gegenteil. Deren erster Etatvorschlag belegt das deutlich.
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