Reaktion auf EU-Embargo Iran stoppt Öllieferungen nach Griechenland

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad kontert. Um dem europäischen Ölembargo zuvorzukommen, stoppt das Land selbst seine Lieferungen an einzelne europäische Länder. Nach Großbritannien und Frankreich ist nun ausgerechnet das gebeutelte Griechenland dran.
Iranisches Ölfeld: Knapp ein Fünftel der Exporte ging bisher in die EU

Iranisches Ölfeld: Knapp ein Fünftel der Exporte ging bisher in die EU

Foto: Vahid Salemi/ ASSOCIATED PRESS

Teheran/Dubai - Geld hat Griechenland erst mal genug, seit das Rettungspaket der Euro-Staaten und des Weltwährungsfonds (IWF) steht. Doch das Land braucht auch Öl, um seine darbende Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Bisher kam der Rohstoff vor allem aus Iran. Aber damit ist nun Schluss. Das Land habe bis auf weiteres die Ölverkäufe an Griechenland gestoppt, sagte der iranische Ölminister Rostam Ghassemi laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA. Die beiden Länder hätten keine Vereinbarung über die Wiederaufnahme der Ölexporte getroffen.

Mit den Lieferstopps reagiert Teheran auf ein Ölembargo, das die EU wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms bereits im Januar verhängt hat und das im Juli in Kraft treten soll. Die lange Übergangsfrist war vor allem gewährt worden, um den ohnehin angeschlagenen Ländern im Süden Europas Zeit zu geben, sich neue Öllieferanten zu suchen. Diesen Plan durchkreuzen die politischen Führer in Teheran jetzt.

Griechenland ist besonders abhängig von iranischem Öl. 2011 bezog der kriselnde Euro-Staat rund ein Drittel seines Öls von dort. Die griechische Regierung hatte deshalb das Embargo lange abgelehnt.

Iran hatte zunächst Großbritannien und Frankreich den Ölhahn abgedreht. Anfang April hatte das Land erklärt, die Lieferungen an zwei griechische Unternehmen gestoppt zu haben, weil diese Rechnungen nicht beglichen hätten.

Das Ölgeschäft ist die wichtigste Einnahmequelle Irans. Normalerweise nimmt das Land mehr als 80 Milliarden Dollar pro Jahr damit ein - das entspricht 80 Prozent der gesamten Exporteinnahmen und 60 Prozent des jährlichen Haushalts. Knapp ein Fünftel der iranischen Ölausfuhren ging bisher in die EU.

Trotzdem verkündete Präsident Mahmud Ahmadinedschad am Dienstag, das Land werde dem geplanten Embargo mehrere Jahre standhalten. "Wir haben so viel gespart, dass wir, selbst wenn wir für zwei oder drei Jahre kein Öl verkaufen, sehr gut über die Runden kommen", sagte Ahmadinedschad im Staatsfernsehen.

Am Samstag sollen die ersten Atomverhandlungen des Iran mit dem Westen seit mehr als einem Jahr in Istanbul stattfinden. Der Iran hat bereits erklärt, keine Vorbedingungen für die Gespräche zu akzeptieren.

stk/dapd/AP/Reuters
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