Italien Forderung nach Schuldenerlass lässt Euro abstürzen

In einem Koalitionspapier der Parteien Lega Nord und Fünf Sterne steht die Forderung nach einem Staatsschuldenerlass für Italien in Höhe von 250 Milliarden Euro. Die Finanzmärkte reagieren nervös.
Lega Nord Vorsitzender Matteo Salvini und Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung

Lega Nord Vorsitzender Matteo Salvini und Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung

Foto: ALBERTO PIZZOLI/ AFP

Die sich abzeichnende Bildung einer populistischen Regierung in Italien hat am Mittwoch für Turbulenzen an den Finanzmärkten gesorgt. Vor allem ein sehr euroskeptischer Entwurf des Koalitionsvertrages zwischen den Parteien Fünf Sterne und Lega brachte italienische Anleihen und Aktien unter Druck. Der Eurokurs sank auf den tiefsten Stand seit Dezember 2017.

Ausgelöst wurden die Turbulenzen durch einen Entwurf des Koalitionsvertrages. In dem Dokument, das an die "Huffington Post " durchgestochen wurde, ist unter anderem von Szenarien eines Euro-Ausstiegs und von Forderungen nach einem Schuldenerlass die Rede. Es geht um 250 Milliarden Euro, die Italien bei der Europäischen Zentralbank (EZB) geliehen hat. Laut Sterne-Chef Luigi Di Maio wurde der Entwurf an wichtigen Punkten überarbeitet.

Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen legten kräftig zu

Der italienische Ökonom Carlo Cottarelli sprach von einem "so unrealistischen Vorschlag, dass ich mich frage, wieso er überhaupt schwarz auf weiß niedergeschrieben wurde". Andere Ökonomen warnen, dass europäische Verpflichtungen nicht eingehalten werden könnten und das Koalitionsprogramm nicht finanzierbar sei. Der Schuldenstand Italiens lag Ende 2017 bei 134,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Dies ist der zweithöchste Wert in der Eurozone nach Griechenland.

Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen legten am Mittwoch deutlich zu. Die Rendite von zehnjährigen Papieren stieg um 14 Basispunkte auf 2,086 Prozent. Damit wird die Kreditwürdigkeit Italiens als deutlich riskanter eingestuft als beispielsweise die Spaniens oder Portugals. Auch der Euro   verlor stark an Wert. Am Nachmittag notierte die Gemeinschaftswährung nur noch bei 1,1767 Dollar. Immerhin ist Italien die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone.

Deutsche Bankaktien auch betroffen

Am deutschen Markt gab der Kurs der Commerzbank   um 5,1 Prozent nach, Wertpapiere der Deutschen Bank   sanken um 3 Prozent. "Wenn jetzt mit Schuldenerlassen begonnen wird, dürfte es nicht lange dauern bis andere Länder wie Griechenland und Spanien das Gleiche verlangen", sagte ein Händler. Für Banken könne das hohe Abschreibungen nach sich ziehen.

An der Börse in Mailand sank der Leitindex FTSE MIB um 2,58 Prozent auf 23.671,53 Punkte. Einen so kräftigen Kursverlust hatte er zuletzt Anfang Februar erlitten. Zudem verloren Bankaktien in ganz Europa.

ans/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.