Ehemaliger Euro-Gegner Italienischer Minister Savona nennt Euro "unverzichtbar"

Er galt bisher als strikter Eurogegner, nun hat Paolo Savona ein Bekenntnis zur Gemeinschaftswährung abgelegt. Er halte den Euro für "unverzichtbar", sagte der italienische Europaminister - und lobte sogar Deutschland.
Paolo Savona

Paolo Savona

Foto: TIZIANA FABI/ AFP

Italiens umstrittener neuer Europa-Minister Paolo Savona hat eine Kehrtwende mit Blick auf den Euro hingelegt. Der 81-jährige ehemalige Professor für Wirtschaftswissenschaften bezeichnete die europäische Gemeinschaftswährung als "unverzichtbar". Die Währungsunion müsse mit Reformen perfektioniert werden. Savona hatte den Euro einst einen "historischen Fehler" genannt. Umfragen zufolge will die Mehrheit der Italiener die Gemeinschaftswährung behalten.

Als Universitätsprofessor hatte sich Savona für einen "Plan B" zum Austritt Italiens aus der Eurozone starkgemacht. Ursprünglich sollte er sogar zum Wirtschaftsminister berufen werden. Das hatte Italiens Präsident Sergio Mattarella zu einem Veto bewogen. Savona wurde in der neuen italienischen Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega nun Minister für Europäische Angelegenheiten.

Savona, der über Erfahrungen im Finanzsektor, in der Wissenschaft aber auch als Minister verfügt, hat die Finanzmärkte wiederholt mit euroskeptischen Ansichten verschreckt. In seinem jüngsten Buch schrieb er, Deutschland versuche, nach dem militärischen Scheitern im Zweiten Weltkrieg Europa jetzt wirtschaftlich zu dominieren.

Savona kritisiert EZB

Nun sagte Savona, er habe sich niemals für einen Austritt seines Landes aus der Währungsgemeinschaft ausgesprochen. Zudem lobte er Deutschland - es sei ein großartiges Land, kulturell, wirtschaftlich und politisch.

Zugleich nahm er die Europäische Zentralbank (EZB) ins Visier: Die Regeln der EZB müssten verändert werden, um die Währungsunion zu verbessern, verlangte Savona. Die EZB müsse eine größere Kontrolle über die Devisenpolitik erhalten.

Anleger reagieren erleichtert auf das Bekenntnis des italienischen Ministers zum Euro. Die Renditen bei italienischen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sanken von 2,87 auf 2,77 Prozent. Der Leitindex der Mailänder Börse stieg gegen den europäischen Trend um 0,5 Prozent.

Von anderen Regierungsmitgliedern wären solche Aussagen wenig überraschend, von Savona dagegen bemerkenswert, sagte Commerzbank-Anlagestratege Christoph Rieger. "Vielleicht haben sie erkannt, dass sie mehr von der EU bekommen, wenn sie sich zumindest an ein paar Grundprinzipien halten", sagte der Analyst mit Blick auf die italienische Regierung. Ohne eine strikte Haushaltsdisziplin müsse diese allerdings langfristig mit steigenden Anleiherenditen und höheren Finanzierungskosten rechnen.

mmq/Reuters
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