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08. Oktober 2018, 14:36 Uhr

Haushaltsstreit mit EU-Kommission

Investoren stoßen italienische Staatsanleihen ab

Die Ausgabenpläne der Regierung in Rom sorgen für Unruhe an den Finanzmärkten. Die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen sind so hoch wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr.

Der Streit zwischen der Regierung in Rom und der EU-Kommission über den italienischen Haushalt für 2019 macht Anleger skeptisch. Sie verkaufen massenhaft italienische Staatsanleihen. Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen stieg auf den höchsten Stand seit Anfang 2014. Damit wird es für Italien teurer, sich Geld an den Finanzmärkten zu beschaffen.

Die EU-Kommission hatte sich besorgt über die Finanzpläne der Regierung Italiens gezeigt. Diese aber will von ihrem Vorhaben einer Neuverschuldung von 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung nicht abrücken.

Die Brüsseler Behörde moniert vor allem, dass im aktuellen italienischen Haushaltsentwurf das strukturelle Defizit, bei dem Einmal-Effekte und Konjunkturschwankungen herausgerechnet werden, um 0,8 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung steigt. Sie hatte eine Reduzierung dieses Fehlbetrags um 0,6 Prozent gefordert.

Zudem bezeichnete Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici als Feinde Europas. "Es sind Juncker und Moscovici, die Europa Angst und Arbeitsplatzunsicherheit gebracht haben", sagte Salvini auf einer Pressekonferenz mit der Chefin von Frankreichs Rechtspopulisten, Marine Le Pen.

Die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's wollen Ende Oktober darüber urteilen, wie die Haushaltspläne die Kreditwürdigkeit Italiens beeinflussen.

Salvinis markige Worte zeigten auch an der Mailänder Börse Wirkung. Der dortige Leitindex verlor bis Montagmittag 2,4 Prozent und fiel auf den niedrigsten Stand seit April vergangenen Jahres. Der italienische Bankenindex rutschte mit 4,2 Prozent ins Minus.

Auch griechische Banken bekommen Misstrauen zu spüren

Die wachsende Skepsis von Anlegern gegenüber Wertpapieren aus südeuropäischen Staaten zeigte sich auch bei Aktien griechischer Banken. Der Athener Branchenindex fiel am Montag um bis zu acht Prozent.

Auslöser dieser Entwicklung sei der Ausverkauf italienischer Staatsanleihen, der in ganz Südeuropa Risikoscheu schüre, sagte ein Börsianer. "Wir sind vom italienischen Virus befallen."

Italien sitzt in der Eurozone hinter Griechenland auf dem größten Schuldenberg. Die vom italienischen Staatshaushalt ausgehenden Risiken machen dem gesamten europäischen Bankensektor zu schaffen. Aktien der Deutschen Bank verloren 2,2 Prozent, Papiere der Commerzbank 5,5 Prozent.

mmq/dpa/Reuters

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