Italien Schuldenpläne lösen Turbulenzen an Finanzmärkten aus

Italiens Regierung hält an ihrer Finanzplanung fest: Das Bündnis aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung will das Haushaltsdefizit in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Die Märkte reagieren nervös.

Sinkendes Liniendiagramm auf Aktienmarkt-Bildschirm (Symbolbild)
imago / Ikon Images

Sinkendes Liniendiagramm auf Aktienmarkt-Bildschirm (Symbolbild)


Die neuen Schuldenpläne der italienischen Regierung sind umstritten - und wirken sich negativ auf die Finanzmärkte aus: Am Vormittag kam es bei italienischen Staatsanleihen zu einem kräftigen Kurssturz, während die Renditen für die Staatspapiere im Gegenzug deutlich stiegen. Das bedeutet, dass Investoren italienische Staatsanleihen als riskanter einstufen - und deshalb einen höheren Risikoaufschlag erwarten. Auch an der Aktienbörse in Mailand zeigten sich im frühen Handel starke Kursverluste.

Zuvor hatte die Regierung in Rom ihre Finanzplanung verkündet, die ein Haushaltsdefizit für die kommenden drei Jahre von 2,4 Prozent vorsieht. Die Regierungsparteien Lega und Fünf Sterne setzen damit auf eine höhere Neuverschuldung als zunächst vom parteilosen Finanzminister Giovanni Tria vorgesehen. Dieser wollte die Neuverschuldung auf 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts begrenzen.

Starke Kursverluste auch am Aktienmarkt

Besonders deutlich fiel die Reaktion auf die neuen Schuldenpläne am Markt für Staatsanleihen aus. Im frühen Handel kam es zu starken Kursverlusten. Im Gegenzug stieg die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen um 0,22 Prozentpunkte auf 3,10 Prozent. Für den Anleihemarkt ist dies eine ungewöhnlich heftige Kursreaktion und erinnert Beobachter an die Zeit der Bildung der jetzigen Regierung im Frühjahr. Erstmals seit Anfang September liegt die Rendite im zehnjährigen Bereich wieder über der Marke von drei Prozent.

Während die politische Entwicklung die italienischen Papiere unter Druck setzte, konnten die vergleichsweise sicheren deutschen Anleihen profitieren. Die Kurse von Bundesanleihen legten im frühen Handel zu.

Starke Kursverluste zeigten sich am Morgen auch am italienischen Aktienmarkt. An der Börse in Mailand verlor der Leitindex FTSE MIB zum Auftakt zwei Prozent. Bei den einzelnen Werten gab es starke Verluste bei den Bankwerten. So verloren die Aktien von Intesa Sanpaolo und von Unicredit mehr als vier Prozent.

bam/dpa



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Tomix 28.09.2018
1. 5*
Das ist den 5-Sterne-Bewegungs-Wählern alles schnurz egal. Die wollen vor allem der Partito Democratico und Matteo Renzi eins auswischen und verstehen gar nicht, was das für Konsequenzen mit sich bring. Unterdessen hat diese Regierung aus Kasperln und Neofaschisten auch nicht nur ansatzweise einen Plan, wie die Wirtschaft angekurbelt und neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollen. Das gibt schon bald ein ganz böses Erwachen.
knok 28.09.2018
2.
Investitionen bringen sicherlich mehr als die Schäuble-Sparpolitik der letzten Jahre. Einstürze von Brücken wie in Genau, kaputte Schulen und Krankenhäuser sind sonst die Folge, ebenso die Spaltung der Gesellschaft, wenn Arbeitslose, Rentner, Studenten und Gerigverdiener nicht unterstützt werden. Wenn dies auf dem Rücken von Minderheiten geschieht, ist das allerdings schändlich. Schade, dass M5S mit ihrer etwas schrillen, aber vernünftigen Politik mit den Spaltern und Schreihälsen der Lega ins Bett gestiegen ist.
d45gts 28.09.2018
3. keine Bedeutung
Die Renditen von Staatsanleihen werden überschätzt. Durch Merkels nachgeben gleichen wir das über indirekte Transfers (Target II-Salden, die nie fällig gestellt werden, ...), wieder aus. "Während die politische Entwicklung die italienischen Papiere unter Druck setzte, konnten die vergleichsweise sicheren deutschen Anleihen profitieren. Die Kurse von Bundesanleihen legten im frühen Handel zu."
Celegorm 28.09.2018
4.
Zitat von knokInvestitionen bringen sicherlich mehr als die Schäuble-Sparpolitik der letzten Jahre. Einstürze von Brücken wie in Genau, kaputte Schulen und Krankenhäuser sind sonst die Folge, ebenso die Spaltung der Gesellschaft, wenn Arbeitslose, Rentner, Studenten und Gerigverdiener nicht unterstützt werden. Wenn dies auf dem Rücken von Minderheiten geschieht, ist das allerdings schändlich. Schade, dass M5S mit ihrer etwas schrillen, aber vernünftigen Politik mit den Spaltern und Schreihälsen der Lega ins Bett gestiegen ist.
Grundsätzlich richtig, bloss hat das nicht viel mit der jetzigen Entscheidung oder der generellen Situation in Italien zu tun. Italien leidet nicht so sehr an einem Mangel an zur Verfügung stehenden Geldern, wie u.a. die Abermilliarden an EU-Geldern, die Italien gar nicht erst aberufen hat, eindrücklich zeigen, sondern eher an Inkompetenz, Ineffizienz und Korruption bei der Umsetzung von Investitionen. Bei dem jetzigen Haushaltsentwurf geht es auch nicht darum, in Infrastruktur oder Wirtschaft zu investieren oder effektiv etwas für die soziale Gerechtigkeit zu tun. Vielmehr werden halt nun die versprochenen Wahlgeschenke verteilt mittels Steuersenkungen und "Bürgergeld" per Giesskanne. Das dürfte volkswirtschaftlich wenig bis nichts nutzen, aber halt sehr viel kosten, und das natürlich auf Pump. Ob das Italien gross nach vorne bringt, darf man durchaus bezweifeln, und zwar auch als expliziter Kritiker der Austeritätspolitik à la Schäuble..
#besserwisser 28.09.2018
5. @knok
Entschuldigen Sie bitte, aber die "einstürzende(n) Brücke(n)" (wieso eigentlich Plural???) geht doch wohl auch, wenn auch nicht zuletzt, auf das Konto der amtierenden Regierung?! Deren Politiker haben doch noch im vergangenen Jahr Gelder für die Renovierung zurückgehalten, mit der Begründung, dass die Brücke auch so "noch 100 Jahre" halten würde. Ein bisschen Quellenstudium ist nicht verkehrt ....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.