Italiens Krise Was Europa nach Berlusconis Abgang droht

Silvio Berlusconis Abgang hat nicht gereicht, das Misstrauen gegenüber Italien hat an den Märkten sogar zugenommen. Wie geht es nun weiter? Wie wirkt sich das Schicksal des Landes auf die gesamte Euro-Zone aus? Drei Szenarien.

Italienische Flagge vor dem Parlament in Rom: Größte Gefahr für die Euro-Zone
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Italienische Flagge vor dem Parlament in Rom: Größte Gefahr für die Euro-Zone

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Hamburg - Der Tag, nachdem das politische Ende von Silvio Berlusconi besiegelt war, sorgte für Entsetzen. Wer glaubte, an den Finanzmärkten würde der bevorstehende Abgang des italienischen Regierungschefs bejubelt, sah sich getäuscht: Statt zu fallen, stiegen die Zinsen, die Italien für neue Schulden bezahlen muss, am Mittwoch rasant an. Zwischenzeitlich lagen sie für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bei mehr als 7,45 Prozent. Bei einer solchen Marke hatten Portugal und Irland die Hilfe des Rettungsfonds in Anspruch genommen.

Italien bleibt also auch nach dem Abgang des Cavaliere die größte Gefahr für die Euro-Zone. Ob der Währungsraum erhalten bleibt, steht und fällt mit seiner drittgrößten Volkswirtschaft. Die Schulden Italiens liegen bei mehr als 1,9 Billionen Euro, das ist 1,2-mal so viel wie das Land in einem Jahr erwirtschaftet. Nur in Griechenland ist diese Quote noch höher.

Dass Anleger dem Land nur noch gegen Rekordzinsen Geld leihen wollen, belastet den Haushalt: Allein im kommenden Jahr muss Italien 300 Milliarden Euro an auslaufenden Schulden refinanzieren. Zudem dümpelt Italiens Wirtschaft, in diesem Jahr wächst sie voraussichtlich nur um 0,5 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland rechnet 2011 mit drei Prozent Plus.

Noch ist unsicher, wie es in Italien nach der Ära Berlusconi weitergeht. Eine von einer breiten Mehrheit getragene Übergangsregierung mit Wirtschaftsfachleuten ist ebenso möglich wie Neuwahlen. Im letzteren Fall droht jedoch eine monatelange Hängepartie, keine Partei dürfte zudem wagen, den Wählern die notwendigen harten Sparmaßnahmen zu erklären. Die Gefahr: Auch eine neue Regierung könnte so instabil sein, dass sie zu einem echten Umbau des Landes nicht in der Lage ist.

Wie könnte es mit Italien - und damit auch mit der Währungsunion - weitergehen? Drei Szenarien sind denkbar: Das Land erholt sich wie von den Euro-Partnern erhofft, der Krisenstaat wurschtelt sich durch - oder löst im schlimmsten Fall mit einem Zusammenbruch das Ende der Euro-Zone aus.

insgesamt 58 Beiträge
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zoon.politicon 10.11.2011
1. Berlusconis Abgang
Zitat von sysopSilvio Berlusconis Abgang hat nicht gereicht, das Misstrauen gegenüber Italien hat an den Märkten sogar zugenommen. Wie*geht es nun weiter? Wie wirkt sich das Schicksal des Landes auf die gesamte Euro-Zone aus? Drei Szenarien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797032,00.html
Zunächst dürfte sich Berlusconis Abgang auf ihn selbst auswirken: Seit Jahren laufen bekanntlich staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen ihn, die durch seine "Immunität" als Staatschef nicht regelrecht durchgeführt werden konnten - sicherlich mit der wichtigste Grund, warum er an seinem Sessel klebt(e). Jetzt muss er schnellstens ein Land zu finden, das ihn im Falle des Falles nicht am Italien ausliefert. Denn in den Knast wird er sicher nicht wollen. Für Italien kann es vermutlich nur besser werden.
Quagmyre 10.11.2011
2. Stabilisierung
Die Euro-Partner werden alles tun, um das Land zu stabilisieren. Ein Euphemismus für: Die Steuerzahler in den Geberländern, insbesondere in Deutschland, werden weiter enteignet. Zurückgezahlt wird das Geld an Deutschland sowieso nie. Entweder, weil des die betreffenden Länder aufgrund ihrer Finanzlage nicht können, oder weil es als Reparationszahlung einbehalten wird.
diwoccs 10.11.2011
3. BWL STUDENT im ersten Semester
woher wissen Sie denn, dass der Verfasser nicht BWL-Student im 1. Monat ist ?
reznikoff2 10.11.2011
4. Oh, vielen Dank!
Zitat von sysopSilvio Berlusconis Abgang hat nicht gereicht, das Misstrauen gegenüber Italien hat an den Märkten sogar zugenommen. Wie*geht es nun weiter? Wie wirkt sich das Schicksal des Landes auf die gesamte Euro-Zone aus? Drei Szenarien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,797032,00.html
Ich freue mich über jedes neue Szenario. Nicht dass ich diese Dinger lese. Bringt ja nichts. Aber es ist ein gutes Gefühl, in einer so aufregenden Zeit mit so vielen Szenarien zu leben. Einfach wunderbar.
wühlmaus_reloaded 10.11.2011
5. Wieso ...
... wozu denn den ollen BWL-Ballast ? Die Aussagen dieses Artikels sind doch von ganz universeller Tragweite: 1. Wenn alles super läuft, läuft's voraussichtlich super. 2. Wenn's so la la dahin dümpelt, weiß man nicht so genau. 3. Wenn's ganz schlecht läuft, ist's am Ende vermutlich voll dumm gelaufen.
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