IWF-Aufstockung Schäuble schreibt Geld aus den USA ab

Die Europäer setzen bei der Bewältigung der Schuldenkrise offenbar nicht mehr auf Geld aus den USA: Er sehe derzeit keine Chance, dass die USA dem Internationalen Währungsfonds (IWF) einen bilateralen Kredit zur Verfügung stellten, sagte Finanzminister Schäuble.

Frankreichs Finanzminister Baroin (links), EZB-Chef Draghi und Schäuble: Die Zeit drängt
DPA

Frankreichs Finanzminister Baroin (links), EZB-Chef Draghi und Schäuble: Die Zeit drängt


Berlin - Viel Zeit bleibt den Euro-Rettern nicht mehr: An diesem Montag läuft ihre selbstgesetzte Frist zur Aufstockung der Gelder für den Internationalen Währungsfonds (IWF) ab. Damit wollen die Krisenmanager Investoren besänftigen. Doch welche Summe aus welchem Land kommen soll, darüber wird noch immer verhandelt. Die USA jedoch spielen dabei offenbar keine Rolle mehr. Finanzminister Wolfgang Schäuble geht jedenfalls nicht davon aus, dass sich die USA an der geplanten Aufstockung der IWF-Mittel zur Bekämpfung der Schuldenkrise beteiligen werden.

Angesichts der Mehrheitsverhältnisse im US-Kongress gebe es derzeit keine Chance dafür, dass die USA dem IWF einen bilateralen Kredit zur Verfügung stellten, sagte Schäuble am Montag im Deutschlandfunk. Dies habe die Regierung in Washington schon deutlich gemacht. Der Minister setzt aber auf Geld aus Peking. "Mit China sind wir auch im Gespräch", sagte Schäuble. Auch Großbritannien habe sich als Nicht-Euro-Mitglied dazu bereit erklärt, sich an der Aufstockung der IWF-Mittel zu beteiligen.

Der britische "Telegraph" berichteteaber, in Großbritannien gebe es große Vorbehalte gegen weitere Zahlungen oder Garantien für die Euro-Rettung. Die Zeitung zitierte Euro-Skeptiker der britischen Konservativen, die Premier David Cameron aufforderten, für die "nationalen Interessen" des Landes einzustehen.

Die IWF-Gelder sollen um bis zu 200 Milliarden Euro aufgestockt werden, um Programme für Krisenländer zahlen zu können. Dazu wollen die Euro-Länder dem IWF über ihre Notenbanken zusätzliche Mittel von rund 150 Milliarden Euro bereitstellen. Dieser Betrag sei bereits im Grundsatz vereinbart, sagte Diplomaten in Brüssel. "Laut "Financial Times" ist aber noch nicht sicher, ob die restlichen 50 Milliarden Euro von Nicht-Euro-Staaten der EU zusammenkommen.

Am Montagnachmittag wollen die EU-Finanzminister in einer Telefonkonferenz über die IWF-Darlehen und die neuen EU-Haushaltsregeln sprechen.

Schäuble will schon 2012 in ESM einzahlen

Schäuble erwägt laut einem Bericht der "Rheinischen Post", den deutschen Anteil am dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM bereits im kommenden Jahr vollständig bereitzustellen. "Klar ist, je schneller und je mehr der ESM an eingezahltem Eigenkapital hat, umso mehr gewinnt er Vertrauen an den Finanzmärkten. Vertrauen schaffen hat für mich Priorität", zitierte die Zeitung Schäuble.

Ein Sprecher des Ministers sagte, es sei "nicht sehr wahrscheinlich" dass Deutschland seinen vollen Anteil von 21,5 Milliarden auf einen Schlag im kommenden Jahr zahlen werde. "Wenn man zunächst etwas mehr als die ursprünglich verabredete Summe zahlt, ist dies sicher nicht gegen die Interessen des Finanzministeriums", sagte er zugleich.

Der ESM soll den bisherigen Rettungsschirm EFSF ablösen und erfordert von den teilnehmenden Staaten eine reale Einlage und nicht nur Garantien. Die erste deutsche Zahlung soll 4,3 Milliarden Euro betragen. Der gesamte deutsche Anteil an dem ESM-Kapitalstock von 80 Milliarden Euro beläuft sich auf 21,5 Milliarden Euro. Ursprünglich sollte dieser Betrag mit Blick auf die Schuldenbremse in fünf Jahrestranchen von 4,3 Milliarden Euro ab 2013 überwiesen werden.

Schäuble räumte ein, dass die zähen Verhandlungen innerhalb der EU bei der Lösung der Krise strategische Nachteile mit sich bringen. "Wir haben über einen längeren Zeitraum Vertrauen bei den Investoren in der Welt verloren, weil die europäischen Entscheidungsprozesse sehr kompliziert sind", sagte der CDU-Politiker. "Das versteht man in Asien oder auch in Kalifornien nicht so richtig, und dieses Vertrauen gewinnen wir nicht über Nacht zurück."

Die Irritationen seien zwar nachvollziehbar, aber kaum zu vermeiden, sagte Schäuble. Europa sei eben "nicht nach dem Prinzip der Effizienz gebaut worden". Die Gemeinschaft sei der ehrgeizige Versuch, die Vielfalt der europäischen Nationen demokratisch zusammenzuführen.

mmq/dpa/Reuters



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Seite 1
tailspin 19.12.2011
1. Das wundert mich jetzt schon ein bisschen
Zitat von sysopDie Europäer setzen bei der Bewältigung der Schuldenkrise offenbar nicht mehr auf Geld aus den USA: Er sehe derzeit keine Chance, dass die USA dem Internationalen Währungsfonds (IWF) einen bilateralen Kredit zur Verfügung stellten, sagte Finanzminister Schäuble. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804535,00.html
Auf die paar Trillionen $ kommt es nun auch nicht mehr an. Immerhin ist Gelddrucken Bernankes Lieblingsbeschaeftigung und das, was er einfach am besten kann.
MütterchenMüh 19.12.2011
2. keine Überraschung
Zitat von sysopDie Europäer setzen bei der Bewältigung der Schuldenkrise offenbar nicht mehr auf Geld aus den USA: Er sehe derzeit keine Chance, dass die USA dem Internationalen Währungsfonds (IWF) einen bilateralen Kredit zur Verfügung stellten, sagte Finanzminister Schäuble. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804535,00.html
...........keine wirkliche Überraschung. Die USA wollen und müssen (erleichtert eigene Refinanzierung) zum einen ihren Dollar als Leitwährung verteidigen zum anderen haben die Schulden- und Budgetmässig keinen nennenswerten Spielraum mehr.
porky1 19.12.2011
3. vielleicht
Zitat von MütterchenMüh...........keine wirkliche Überraschung. Die USA wollen und müssen (erleichtert eigene Refinanzierung) zum einen ihren Dollar als Leitwährung verteidigen zum anderen haben die Schulden- und Budgetmässig keinen nennenswerten Spielraum mehr.
waere es aber sinnvoll gewesen, vorher die ganze Sache mit der 200 Mio. Aufstockung der IWF-Mittel abzutimmen, anstatt sie stolz bekannt zu geben, ohne genau zu wissen, wo die Mittel herkommen. Da hat man den gleichen Fehler wie mit der Billion des Rettungsfonds gemacht - nicht gerade lernfaehig, diese Leute!
nudelsuppe 19.12.2011
4.
Zitat von sysopDie Europäer setzen bei der Bewältigung der Schuldenkrise offenbar nicht mehr auf Geld aus den USA: Er sehe derzeit keine Chance, dass die USA dem Internationalen Währungsfonds (IWF) einen bilateralen Kredit zur Verfügung stellten, sagte Finanzminister Schäuble. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804535,00.html
Die USA haben doch genug eigene Probleme. Wundert mich nicht. Warum dem Sündenbock helfen? Die wirtschaftlichen Probleme kann man schön auf die Europäer schieben. Klasse Situation für die USA.
Becks0815 19.12.2011
5. Effizient...
Man darf mich gerne korrigieren, aber ich glaube das waren so die Eckdaten des "effizienten USA": 100% Verschuldung BIP (15 Billionen), Einnahmen 1 Billion, Ausgaben 3.5 Billionen, macht eine Neuverschuldung 2.5 Billionen (16.7% BIP). 8.6% Arbeitslose nach U-3 (der reine Augenwischerei ist), real irgendwo zwischen 11 und 20% Arbeitslosenquote. Die Inflationsrate wird mittels "geometrischer" und "hedonischer" Augenwischerei niedrig gehalten, real sieht es anders aus. 100 Mio Einwohner (1/3) leben unter der Armutsgrenze, 50 Mio (16.7 % der Bevölkerung) benötigt Lebensmittelmarken, um zu überleben. Der Kongress schafft es nicht trotz "Superkomitee", die Ausgaben um 1.5 Billionen in 10 Jahren(!) zu senken, was bei dem jetzigen Haushalt eine Reduktion der Neuverschuldung von 2.5 auf 2.4 Billionen senken würde. Innerhalb von einem Jahr wird die Schuldenobergrenze erreicht und nur 24h vor Ultimatumsablauf durch eine Erhöhung der "Bankrott" abgewendet. Dann stehen Wahlen an und irgendwann so Mitte 2012 muss ein erneuter Bankrott abgewendet werden. ... Da sage noch einer hier hätten wir Probleme.
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