IWF-Chefin Lagarde Deutschland soll Exportüberschuss investieren

IWF-Chefin Lagarde hat Deutschland für seine hohen Exportüberschüsse kritisiert und erneut gefordert, in die Infrastruktur zu investieren. Der eingeschlagene Weg sei aber richtig.

IWF-Chefin Lagarde
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IWF-Chefin Lagarde


Die hohen Exportüberschüsse Deutschlands werden weltweit kritisiert, vor allem von US-Präsident Donald Trump. Nun hat sich auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) erneut kritisch geäußert und die Bundesregierung dazu aufgefordert, die Überschüsse für Investments in die Infrastruktur zu nutzen.

Es sei legitim für ein Land wie Deutschland mit alternder Bevölkerung, nach einem Überschuss zu trachten, sagte Lagarde in einem Interview von Journalisten der Zeitungen "Le Figaro", "Le Soir" und "El País". "Vier Prozent wären vielleicht gerechtfertigt, acht Prozent sind es nicht", sagte Lagarde. Zuletzt hatte sich auch der französische Präsidentschaftsbewerber Emmanuel Macron kritisch geäußert und die deutsche Exportstärke als "nicht mehr tragbar" bezeichnet.

"Die gute Nachricht ist: Deutschland hat bereits begonnen zu investieren, auch durch die Finanzierung von Flüchtlingen", sagte Lagarde in dem Interview. Sie hob hervor, dass Deutschland sich als eines von wenigen Ländern zu einer Entwicklungsförderung in Höhe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bekenne. "Es ist aber ein langsamer Prozess und wir empfehlen noch immer mehr", sagte Lagarde. Als Beispiele nannte sie den möglichen Ausbau von Breitbandkabeln in Deutschland.

"Wenn es zu exzessiven Ungleichgewichten kommt, wenn es ausufernde Ungleichheit gibt oder Instabilität im Finanzsystem, das alles ist schlecht für die Stabilität und für nachhaltiges Wachstum. Wir zögern nicht, das auch zu sagen", so Lagarde.

Die Französin wird an diesem Donnerstag mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zusammentreffen. Dann startet der IWF in Washington seine Frühjahrstagung, in deren Rahmen auch ein Treffen der G20-Finanzminister stattfindet.

nck/dpa

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swerd 18.04.2017
1. Made in Germany
ist halt gefragt in der Welt, vielleicht sollten die Kritiker und vor allem die Schuldner mal darueber nachdenken warum das so ist und weniger darüber, wad Deutschland mit den Ergebnissen aus guten Geschäften macht.
ackergold 18.04.2017
2.
Dass selbst die IWF-Chefin nicht in der Lage ist, zu verstehen, dass die Überschüsse in Deutschland am internationalen Markt von Firmen und nicht vom Staatsgebilde erwirtschaftet werden, ist schon mehr als erbärmlich. Man kann Firmen daher allenfalls bitten, in Deutschland zu investieren, oder man könnte sie dazu verdonnern, höhere Löhne zu bezahlen, aber das war es dann auch schon mit möglichen Markteingriffen. Es gibt weltweit keinen Investitionszwang, zumindest nicht in freien westlichen Marktwirtschaften. Das muss doch endlich auch mal ein Herr Trump und seine Entourage zu verstehen in der Lage sein. Am besten wären natürlich Investitionen in Bildung, denn Bildung ist die Zukunft, aber das meint Frau Lagarde ja wohl eher nicht. Mit mehr Bildung wird der Überschuss eher noch steigen. Wenn die USA übrigens in mehr Bildung investieren würden, dann würde auch deren Defizit vermutlich abbaubar sein. Aber auch das wird eine populistische Regierung, der Bildung natürlich ein Dorn im Auge ist, niemals verstehen.
rrippler 18.04.2017
3. Dafür müsste Deutschland ...
... erst einmal das Geld davon bekommen! Solange wir 800 Milliarden Target-Saldo, eine unsägliche Last an diversen RettungspaketEtc-Verpflichtungen haben, und Länder wie Türkei mit dem Bezahlen der exportierten Güter säumig sind oder sogar einen Totalausfall verbuchen müssen, ist aus dem Handelsüberschuss kein Geld da zum Investieren.
G. Seiters 18.04.2017
4. Investitionen
in die "Finanzierung von Flüchtlingen" sind vermutlich äußerst renditeschwach - um es vorsichtig zu formulieren. Man erkennt das leicht daran, dass es fast keinem DAX-Unternehmen in den Sinn kommt überhaupt in die Ausbildung von "Flüchtlingen" zu investieren. Erst recht nicht in kulturelle und sprachliche Integration. Das war wohl eher ein politisch-diplomatischer Satz. Aber allgemein ist es nicht direkt möglich den Exportüberschuss staatlich zu investieren, das müssen die Unternehmen machen, die die Umsätze generieren. Die 800 Mrd. Target-Guthaben wären damit u.a. eigentlich gemeint, aber die sind dort verbucht, weil sie eben nicht eingetrieben werden können. Die deutschen Investitionen werden zur Zeit also zu einem großen Teil von den anderen EU-Ländern konsumiert.
mantrid 18.04.2017
5. Lagardes wirre Gedanken
Dumm nur, das der Exportüberschuss in der Kasse von Unternehmen landet und eben nicht in der Kasse der öffentlichen Hand. Und die öffentlichen Kassen sind mit etwa 3 Billionen Euro verschuldet! Damit liegt D deutlich über der vereinbarten Verschuldungsgrenze von 60% des BIP. Largade fordert also zun nachhaltigen Vertragsbruch auf. das ist völlig unseriös.
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