IWF-Chefposten Schäuble spricht sich für Lagarde aus

Die Chancen der französischen Finanzministerin Christine Lagarde auf eine Kandidatur für den IWF-Chefposten steigen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lobte seine Amtskollegin in höchsten Tönen. Die nach einem eigenen Kandidaten strebenden Schwellenländer mussten einen Dämpfer hinnehmen.
Frankreichs Finanzministerin Lagarde: "Mit ihr hätte Europa beste Chancen"

Frankreichs Finanzministerin Lagarde: "Mit ihr hätte Europa beste Chancen"

Foto: ? Molly Riley / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Während sich Europa und Schwellenländer für ihre Kandidaten in Stellung bringen, drängt der Internationale Währungsfonds ( IWF) auf eine rasche Lösung. Er legte nun den Fahrplan für die Suche nach einem neuen Chef fest: Bis zum 10. Juni können Bewerber nominiert werden, bis zum 30. Juni soll der Nachfolger des am Donnerstag zurückgetretenen Franzosen Dominique Strauss-Kahn feststehen.

Nach Ansicht europäischer Regierungen soll künftig wie üblich ein Europäer an die Spitze der Sonderorganisation der Vereinten Nationen rücken. Als Favoritin gilt immer mehr die französische Finanzministerin Christine Lagarde. Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag ihre Sympathien für Lagarde bekundet hatte, sprach sich auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für die Französin aus.

"Mit Christine Lagarde, so sie sich dann entscheidet zu kandidieren, hätte Europa beste Chancen, den Posten wieder zu besetzen", sagte er der "Bild am Sonntag". Entscheidend sei jetzt aber vor allem, dass Europa in dieser Frage mit einer Stimme spricht.

Die USA bleiben bislang neutral

Schäuble lobte die Qualifikationen Lagardes: "Christine Lagarde ist in der Sache und als Person hervorragend geeignet. Sie wird in der gesamten Finanzwelt überaus respektiert und geschätzt." Schäuble bekräftigte den Anspruch der Europäer auf den Posten des IWF-Direktors: "Die USA und Europa zahlen schließlich mit weitem Abstand den größten Teil der Beiträge."

Die USA als größter Anteilseigner haben sich in der Nachfolge-Diskussion bislang neutral geäußert. Die amerikanische Regierung unterstütze Kandidaten, die in einem offenen Auswahlprozess gefunden würden und eine Mehrheit hinter sich versammeln könnten, teilte das Finanzministerium am Freitag mit.

Allerdings melden auch Schwellenländer wie China und Indien ihren Anspruch an. Sie wollen sich auf einen gemeinsamen Personalvorschlag einigen. Dies machten Diplomaten aus Asien, dem Nahen Osten und Afrika in der IWF-Zentrale in Washington deutlich.

Justizfall könnte Lagarde zum Verhängnis werden

Einen Dämpfer erhielten ihre Bemühungen, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken, allerdings durch die Absage eines wichtigen potentiellen Anwärters. Der frühere türkische Wirtschaftsminister Kemal Dervis schloss eine Kandidatur aus. Einem Bericht der "New York Times" zufolge hatte Dervis in seiner Zeit als hochrangiger Manager der Weltbank eine Affäre mit einer untergebenen Mitarbeiterin. Nach Angaben seines Büros in Washington wollte sich Dervis dazu nicht äußern.

Für eine Kandidatur Lagardes hatten sich bereits der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, und Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi ausgesprochen. Lagarde wäre die erste Frau an der IWF-Spitze. Diplomatenkreisen zufolge hegen allerdings einige EU-Länder Bedenken wegen eines Justizfalles in Frankreich. Lagarde sieht sich mit dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs konfrontiert. Ein französisches Gericht soll Mitte Juni entscheiden, ob Ermittlungen gegen die Ministerin aufgenommen werden.

Diplomaten innerhalb der EU zufolge könnte auf dem G-8-Gipfel die Frage eines europäischen Kandidaten geklärt werden. Bei dem Treffen kommende Woche im französischen Deauville werde es ein "Signal" geben, hieß es am Freitag aus gut informierten Kreisen in Brüssel.

Dominique Strauss-Kahn war am Donnerstag als IWF-Chef zurückgetreten. Er ist in New York angeklagt, weil er versucht haben soll, ein Zimmermädchen in einem Hotel zu vergewaltigen. Der 62-jährige Franzose beteuert seine Unschuld. Am Freitag wurde er gegen eine millionenschwere Kaution und unter strengen Sicherheitsauflagen aus der Untersuchungshaft in einen Hausarrest entlassen. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu 25 Jahren.

bim/Reuters/dpa