IWF-Chefsuche Mexiko schickt eigenen Kandidaten ins Rennen

Das Rennen um die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn ist um einen Kandidaten reicher: Mexikos Regierung hat ihren Zentralbankchef Agustin Carstens für den IWF-Chefposten nominiert. In Deutschland werden Forderungen nach einem eigenen Anwärter laut.

Mexikos Notenbankgouverneur Carstens: Alle Voraussetzungen, um den IWF anzuführen
REUTERS

Mexikos Notenbankgouverneur Carstens: Alle Voraussetzungen, um den IWF anzuführen


Mexiko-Stadt - Während Europa noch diskutiert, macht Mexiko schon Nägel mit Köpfen: Das Land schlägt seinen Zentralbankchef Agustín Carstens als Nachfolger von Dominique Strauss-Kahn vor. Das teilte Finanzminister Ernesto Cordero am Sonntag in Mexiko-Stadt mit.

Cordero forderte den Internationalen Währungsfonds (IWF) auf, die Entscheidung über den Chef-Posten in einem offenen und transparenten Prozess zu behandeln. Carstens, der sowohl beim IWF als auch in der Weltbank in herausragender Funktion tätig gewesen sei, verfüge über alle Voraussetzungen, um den IWF anzuführen, hieß es in der Mitteilung des Ministers.

Bis Ende Juni will der Internationale Währungsfonds (IWF) einen Nachfolger für den wegen versuchter Vergewaltigung angeklagten Strauss-Kahn gefunden haben. Als Favoritin gilt die französische Finanzministerin Christine Lagarde. Traditionell fällt der IWF-Chefposten an einen Europäer, der Stellvertreterposten geht an einen Amerikaner. Allerdings haben auch die immer wichtiger werdenden Schwellenländer eine Mitsprache beim IWF-Vorsitz angemeldet, darunter China, Brasilien und die Philippinen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ durchblicken, dass sie Lagarde für geeignet halte - das sei aber keine "Bestätigung einer Kandidatur". Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich für Lagarde aus.

Ökonomen kritisieren Merkels Kandidatenkurs

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier warf der Regierung mangelnden Einsatz für einen deutschen Kandidaten vor. "Es ist bemerkenswert, dass es Angela Merkel offenbar überhaupt nicht mehr in den Sinn kommt, einen deutschen Kandidaten ins Spiel zu bringen", sagte er SPIEGEL ONLINE.

Auch Ökonomen warfen Merkel mangelnden Einsatz für einen deutschen Kandidaten vor. Deutschland habe durchaus eine Reihe erfahrener Persönlichkeiten aufzubieten, die man ins Spiel bringen könnte, sagte der Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus Zimmermann, dem "Handelsblatt". Mögliche Anwärter seien Altkanzler Gerhard Schröder, Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber und der Chef der Osteuropa-Bank EBWE, Thomas Mirow.

Für Zimmermann zeigt sich in der deutschen Zurückhaltung in der IWF-Personaldebatte ein Versagen der Politik. "Bei allem wirtschaftlichen Erfolg und der daraus erwachsenden politischen Stärke sind unsere Vorstellungen und Orientierungen zu sehr nach Innen orientiert und deshalb provinziell", sagte der frühere Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Auch der Krisenökonom Max Otte beklagte, dass Deutschland traditionell in den internationalen Institutionen unterrepräsentiert sei. "Die deutschen Regierungen haben selten aktiv deutsche Kandidaten und Interessen durchgesetzt."

ssu/dpa-AFX/dapd

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frubi 23.05.2011
1. .
Zitat von sysopDas Rennen um die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn ist um einen Kandidaten reichen: Mexikos Regierung*hat ihren Zentralbankchef Agustin Carstens für den IWF-Chefposten nominiert. In Deutschland werden Forderungen nach einem eigenen Anwärter lauter. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,764263,00.html
Schade. Laut Pispers wäre es bei einem Kandidaten eine Wahl gewesen. Nun ist es eine KAMPFABSTIMMUNG.
sukowsky, 23.05.2011
2. Sehr ehrenwert Mexikos Kandidat
Sehr ehrenwert Mexikos Kandidat, doch wäre es nicht besser die mexikanische Regierung täte gut daran diesen fähigen Herrn einzusetzen zur Bereinigung für die bekannten innenpolitischen sehr ernsten Schwierigkeiten.
Diomedes 24.05.2011
3. Eigentlich sollte Europa sich hier viel grundsätzlichere Fragen stellen
Die Gelegenheit, sich von diesem amerikanischen Folterinstrument zu befreien, sollte man in Europa nicht ungenützt verstreichen lassen: Denn der IWF gehört zu jenen Teufeleien, die sich die USA gegen Ende des großen Autobahnenkrieges geschaffen haben, um ihre Unternehmen ungestört in der Welt wüten zu lassen; ein Werkzeug zur Durchsetzung des unbegrenzten Freihandels und der unsinnigen Marktherrschaft (sprich der den Markt beherrschenden Großunternehmen und Kartellen)! Eine Einrichtung von den US-Banken, durch die US-Banken und für die US-Banken, um hier einmal die geflügelten Worte des amerikanischen Potentanten Lincoln zu verwenden. Allerdings haben sich die USA hier verrechnet, in ihrer maßlosen Dummheit: Sie glaubten China mittels des Freihandels übertölpeln zu können und haben damit ihren völligen Ruin heraufbeschworen; es ist daher zwingend erforderlich die internationalen Einrichtungen der USA zu zerschlagen, um sowohl deren Todeskampf als zu entgehen auch dem Aufstieg Chinas zur Weltherrschaft wirksam begegnen zu können! Dies ist nun die Gelegenheit: Wird Europa der angestammte Vorsitz verweigert, so läßt sich daraus einen Skandal machen, in deren Folge die europäischen Staaten den IWF verlassen können. Im Übrigen bin ich dafür, dass der despotisch-bürokratische Moloch zu Brüssel und das inflationäre Spielgeld, genannt Euro, zerstört werden müssen!
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