Nach Lagardes EZB-Nominierung Vizechef Lipton soll IWF kommissarisch leiten

Christine Lagarde ist als EZB-Präsidentin nominiert, deshalb lässt sie ihren bisherigen Chefposten beim Internationalen Währungsfonds ruhen. Nun ist bekannt, wer ihr dort vorerst nachfolgen soll.

David Lipton war bisher Stellvertreter von IWF-Chefin Christine Lagarde - nun übernimmt er ihren Posten kommissarisch
ALEX HOFFORD/EPA-EFE/REX

David Lipton war bisher Stellvertreter von IWF-Chefin Christine Lagarde - nun übernimmt er ihren Posten kommissarisch


Nach der Nominierung von IWF-Chefin Christine Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) übernimmt ihr Stellvertreter David Lipton vorübergehend die Leitung des Internationalen Währungsfonds. Der US-Amerikaner sei zum Interimsgeneraldirektor ernannt worden, erklärte die Finanzinstitution mit Sitz im Washington.

Lagarde war am Dienstag beim EU-Sondergipfel in Brüssel als künftige EZB-Präsidentin nominiert worden. Die 63-Jährige erklärte daraufhin, sie lasse ihren Posten an der IWF-Spitze während der Nominierungsphase ruhen.

Lagarde war seit 2011 IWF-Chefin und die erste Frau auf dem Führungsposten der wichtigen Finanzorganisation. Ihre zweite Amtszeit endet eigentlich Mitte 2021. Traditionell steht ein Europäer an der Spitze des Internationalen Währungsfonds.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte Lagarde als geeignete Kandidatin für den Posten der EZB-Präsidentin. An der Spitze des IWF habe die Französin "viel Erfahrung gesammelt", sagte Merkel. Dadurch habe sie sich nach "allgemeiner Meinung" der Staats- und Regierungschefs als EZB-Chefin qualifiziert. Sie werde ihr Amt "mit Umsicht und großem Engagement" ausfüllen.

Auch der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hält Lagarde für eine gute Wahl. "Christine Lagarde ist eine sehr gute Besetzung für die Position der EZB-Präsidentschaft", sagte Fuest dem "Handelsblatt". Sie sei "sicherlich in der Lage, die unterschiedlichen nationalen Interessen und Perspektiven in der Währungsunion auszubalancieren".

Lagarde habe außerdem "genug politisches Gewicht, um die Unabhängigkeit der EZB gegen politische Übergriffe zu verteidigen", so Fuest. Vor allem in Deutschland werde es allerdings eine Debatte darüber geben, warum man sich gegen Bundesbankchef Jens Weidmann entscheide, obwohl mit ihm ein kompetenter Kandidat verfügbar sei. "Es wäre eigentlich naheliegend, dass nach den Niederlanden, Frankreich und Italien nun Deutschland den EZB-Präsidenten stellt."

Christine Lagarde: "Sehr geehrt" durch die EZB-Nominierung
YOAN VALAT/EPA-EFE/REX

Christine Lagarde: "Sehr geehrt" durch die EZB-Nominierung

Nach dreitägigen harten Verhandlungen hatten sich die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel in Brüssel auf ein Paket für die Neubesetzung europäischer Spitzenposten geeinigt. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wurde als Nachfolgerin von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vorgeschlagen. Der belgische Regierungschef Charles Michel soll künftiger EU-Ratspräsident werden. Als EU-Außenbeauftragter wurde der spanische Außenminister Josep Borrell nominiert.

aar/AFP/Reuters



insgesamt 5 Beiträge
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marcaurel1957 03.07.2019
1.
Lagarde ist eine erstklassige Wahl, Ihre Erfahrungen in der Politik und als IWF Chefin sind eine Empfehlung
Wütender_Bürger? 03.07.2019
2. EZB-Vorsitz als politisches Amt?
Als IWF-Chefin scheint Frau Lagarde einen guten Job gemacht zu haben - wohlgemerkt auf einem politischen Posten. Aber seit wann sollen Notenbankchefs Politiker sein statt einfach nur kompetente Technokraten? Ein weiterer Puzzelstein auf dem Weg zur Weichwährung...
cash.jonni 03.07.2019
3.
Wieder einmal hat Marcon die nationalen Interssen Frankreichs durchgesetzt. Mit Frau Lagarde, die sich als franz. Finansministerin rühmte den Maastrich Vertrag gebrochen zu haben, wird verhindert, dass ein Deutscher in der EZB etwas zu sagen hat. Es wäre wünschenswert, wenn das Parlament durch Nichtwahl von der Leyen diesen Plan durchkreuzt.
gersois 03.07.2019
4. Lagarde nicht akzeptabel
Am 19. Dezember 2016 wurde Lagarde durch das Gericht des fahrlässigen Umgangs mit öffentlichen Geldern schuldig gesprochen. Eine Strafe verhängte das Gericht allerdings nicht. Damit ist sie an der Spitze der EZB nicht akzeptabel! Bereits mit Trichet hatte Frankreich einen zweifelhaften Kandidaten für die EZB benannt, dem Verschleierung von Unregelmäßigkeiten bei der damaligen Großbank Crédit Lyonais vorgeworfen wurde. Trichet wurde wenigstens freigesprochen im Gegensatz zu Lagarde!
lupo44 03.07.2019
5. Sollte Frau Lagarde die EZB übernehmen wäre es ein schlechter Deal....
für alle Sparer,Versicherungen.Freuen können sich die Kreditnehmer und nur etwas bescheiden die Banken.Die Südeuropäischen Staaten werden auf Grund der hünstigen Kreditvergaben Lagarde begrüßen. Wir,die Sparer werden weiterhin zusehen müssen wie unsere Ersparnisse immer weniger wert haben werden. Im Gegenteil wir werden gegenüber den Banken einen hören Beitrag zahlen müssen für die Verwaltung unseres Geldes. Die Banken selbst werden weiterhin Niederlassungen schließen müssen,weil die Finanzierung nicht gegeben ist.Für uns keine Zinsen.Eine unmögliche Situation.Die zukünftigen Generationen müssten dafür auf die Straße gehen ,denn sie wären zum Einen die Erben von Oma und Opas Sparstrumpf der dann kaum etwas übrig lassen wird für die Enkel und Sie selbst werden die weiter Geldentwertung für dauerhaftes drucken von Milliarden tragen müssen.Herr Draghi hätte unter diesen Umständen ruhig bleiben können.Aber Herr Marcon hat die Fäden gezogen für Frau Lagard.Wir werden alle noch überrascht werden.
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