Drohende Kapitalflucht USA sollen Rücksicht auf Schwellenländer nehmen

Weil in den USA die Zinsen steigen könnten, ziehen viele Anleger ihr Kapital aus Schwellenländern ab. Das sorgt den IWF. Er fordert von den Währungshütern in Industriestaaten eine bessere Kommunikation.

Zentrale der US-Notenbank Fed: "Raum für eine bessere Zusammenarbeit"
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Zentrale der US-Notenbank Fed: "Raum für eine bessere Zusammenarbeit"


Berlin - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die USA und andere Industriestaaten zu einer verantwortungsvollen Geldpolitik gemahnt. In einem Papier für den G20-Gipfel forderte er "eine klare Kommunikation über die Intentionen der Zentralbank". Diese sei "lebenswichtig, um dabei zu helfen, neue finanzwirtschaftliche Exzesse oder abrupte Umsteuerungen des Kapitalflusses zu verhindern".

Hintergrund der Warnung sind die sich mehrenden Anzeichen für eine Kapitalflucht aus aufstrebenden Schwellenländern. Als Hauptgrund gilt eine erwartete Zinserhöhung der US-Notenbank Fed. In der Vergangenheit hatte die Niedrigzinspolitik der Amerikaner zu großen Kapitalzuflüssen in Schwellenländer geführt. Nun könnte auch das Einbremsen von Staatsanleihekäufen der Fed dem IWF zufolge "Wechselkurs- und Finanzmarkt-Übertreibungen in den Volkswirtschaften von Schwellenländern auslösen, während diese gerade dabei sind, mit eigenen hausgemachten Schwächen und einem langsameren Wachstum umzugehen".

Es gebe "durchaus Raum für eine bessere Zusammenarbeit beim Rückführen von unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen", schreibt der IWF weiter, "insbesondere durch breitere Zentralbank-Diskussionen von Exit-Plänen." Als Betroffene nennt der Fonds Brasilien, Indien, Indonesien, die Türkei und Südafrika.

Diese Länder stünden gleich doppelt unter Druck: durch die Ankündigung eines baldigen Zurückfahrens der ultra-lockeren Fed-Geldpolitik sowie durch schlechtere Fundamentaldaten in der eigenen Volkswirtschaft. In dem IWF-Papier ist von einer wachsenden Überzeugung an den Märkten die Rede, dass die USA auf den Wendepunkt in ihrer Geldpolitik zusteuern. Teilweise werde bereits für September damit gerechnet, dass die Fed ihre Anleihekäufe drosselt. In der Folge seien die Renditen für US-Anleihen bereits anstiegen. Zudem fließe Kapital wieder in die Industrieländer und verlasse die Schwellenländer.

Der Fonds riet den Schwellenländern, Schwankungen ihrer Wechselkurse als Folge schwächere Fundamentalentwicklungen in der Wirtschaft zuzulassen. Sie sollen sich aber auch gegen übermäßige und ungeordnete Wechselkursbewegungen wappnen. Dabei hält der IWF in solchen Fällen auch Devisenmarkt-Interventionen von solchen Ländern für vertretbar, die über angemessene Reserven verfügen.

Die Dynamik verschiebt sich

Ähnlich wie die Industrieländerorganisation OECD geht auch der IWF von einer verschobenen Wachstumsdynamik aus. "Das weltweite Wachstum bleibt gedämpft, aber seine zugrunde liegende Dynamik hat sich geändert", schreiben die Experten. Der wesentliche Wachstumsimpuls für die Welt werde auf kürzere Sicht aus den USA kommen. Auch die Wirtschaft in der Euro-Zone lege wieder zu, während sich das Tempo in wichtigen Schwellenländern verlangsamt habe. Der IWF-Stab ist nach eigenen Angaben dabei, seine Wachstumserwartungen für wichtige aufstrebende Länder zurückzunehmen.

dab/Reuters

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
pacificwanderer 04.09.2013
1. Das ist wohl Wunschdenken der US-Strategen.
Tatsaechlich rechtfertigt keine derzeitige US-Entwicklung eine Hoffnung auf Aufschwung. Gefertigt wird nach wie vor in China.
muellerthomas 04.09.2013
2.
Zitat von pacificwandererTatsaechlich rechtfertigt keine derzeitige US-Entwicklung eine Hoffnung auf Aufschwung. Gefertigt wird nach wie vor in China.
Die im Vergleich zu China von der Einwohnerzahl deutlich kleineren USA exportieren jedoch ähnlich viele Güter wie China...
genervt! 04.09.2013
3.
Die USA und Rücksicht. Die beiden Wörter passen zusammen wie Arsch und Eimer. Sorry, aber stehen gerade die USA in diesen Ländern für unmenschliche Ausbeutung von Arbeitern und Rohstoffen? Für Unterdrückung, Ignoranz und Überheblichkeit?
rabenkrähe 04.09.2013
4. nene
Zitat von sysopAFPWeil in den USA die Zinsen steigen könnten, ziehen viele Anleger ihr Kapital aus Schwellenländern ab. Das sorgt den IWF. Er fordert von den Währungshütern in Industriestaaten eine bessere Kommunikation. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/iwf-fordert-mehr-ruecksicht-auf-schwellenlaender-a-920367.html
.......... Die USA sind derartig mit sich und ihrer maroden Wirtschaft beschäftigt, daß sie ganz bestimmt keine Rücksicht auf andere nehmen, was sie sowieso noch nie getan haben. Im Gegenteil, ihre Konkurrenten, insbesondere aus den Schwellenländern, haben mittlerweile so viele Vorteile, daß sie es regerecht genießen, ihnen den einen oder anderen Knüppel zwischen die Beine zu werfen, rabenkrähe
spon-facebook-10000120661 04.09.2013
5. Querdenker sagt:
eher fällt Weihnachten auf Ostern, bevor die USA auf Schwellenländer Rücksicht nimmt, noch gerade dazu, wo sie im oktober über die Fiscalklippe springen, gell?
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