Analyse des IWF Sparzwang bremst US-Wirtschaft aus

Die USA kürzen ihren Haushalt nach dem Rasenmäherprinzip - und belasten nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds so die Wirtschaft des Landes. Die Einschnitte seien schlecht konzipiert, vor allem das Sparen bei Bildung und Infrastruktur sei schädlich.

Bauarbeiter in Illinois: Einsparungen bei Infrastruktur schaden mittelfristig
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Bauarbeiter in Illinois: Einsparungen bei Infrastruktur schaden mittelfristig


Washington - Der Haushaltsstreit in den USA hat nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) negative Folgen für die Wirtschaft: Die massiven staatlichen Ausgabenkürzungen bremsen demnach das Wachstum aus. Für das laufende Jahr rechnet der IWF mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung von lediglich 1,9 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte die weltgrößte Volkswirtschaft noch um 2,2 Prozent zulegen können.

Die Kritik des IWF richtet sich vor allem gegen den flächendeckenden Sparkurs nach dem Rasenmäherprinzip, den sogenannten Sequester. Dieser war Anfang März automatisch in Kraft getreten, weil sich Demokraten und Republikaner nicht auf einen Kompromiss im Haushaltsstreit einigen konnten.

Die Maßnahmen zum staatlichen Schuldenabbau seien "schlecht konzipiert", erklärte der IWF in dem am Freitag vorgelegten Jahresbericht zur Lage der US-Wirtschaft. Sie seien nicht nur auf kurze Sicht eine schwere Bürde für die Wirtschaft, sondern könnten durch Kürzungen bei Bildung, Wissenschaft und Infrastruktur auch mittelfristig das Wachstum abbremsen.

Grundsätzlich optimistische Aussichten

Kurzfristig würden die Einsparungen kombiniert mit Steuererhöhungen in diesem Jahr etwa 1,5 Prozentpunkte an Wachstum kosten. In seinem Jahresbericht fordert der IWF die US-Politik auf, diesjährige Einsparungen in Höhe von 85 Milliarden Dollar zurückzunehmen und sie durch langfristige Pläne für Ausgabenkürzungen zu ersetzen.

Dabei stehen die Zeichen für die US-Wirtschaft dem IWF zufolge gar nicht schlecht. Es gebe grundsätzlich Anzeichen dafür, dass es bergauf gehe: Die Häuserpreise stiegen, es werde mehr gebaut, den Haushalten gehe es finanziell besser, der Arbeitsmarkt erhole sich, und die Unternehmen verdienten gutes Geld.

Für das kommende Jahr sagt der IWF deshalb ein spürbar stärkeres US-Wachstum von 2,7 Prozent voraus. In den Jahren 2015 bis 2017 werde die Konjunktur gar um jeweils mehr als drei Prozent zulegen. Die Arbeitslosigkeit werde entsprechend sinken.

fdi/dpa/AP



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wibo2 14.06.2013
1. Budget Haircut mit dem Rasenmäher? ... Warum nicht? ... Das brauchen wir auch!
Kürzungen bei Bildung, Wissenschaft und Infrastruktur sollen mittelfristig das Wachstum abbremsen? Die Ökonomen behaupten, dass Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Infrastruktur entscheidend seien für das Wirtschaftswachstum. Die neoklassische und neoliberale Ansicht, sieht Wachstum als etwas grundsätzlich Gutes an. Die kritische Seite wird vernachlässigt, die die nicht berücksichtigten Folgen und Nebenwirkungen des Wirtschaftswachstums hervorhebt. In einer Zeit des Geldmangels könnten neue Erfindungen materielle Ressourcen und physikalische Arbeit ersetzt werden. Geistige Arbeit schafft Wissen, z.B. Software, die Rohstoffe, Energie und Zeit ersetzen kann. Ausgangspunkt ist die Funktion: Y = F(K,N). Die Produktion (Y) ist eine Funktion von Kapital (K) und Arbeit (N), wobei die beiden Faktoren durch technologisches Wissen effizienter gestaltet werden kann. Dabei ist m.E. technologisches Wissen nicht zwingend eine lineare Funktion von mehr Geld für Bildung. Not macht erfinderisch sagt der Volksmund. Sondern das hängt von anderen Faktoren ab: Z.B. von geigneten Strukturen und Institutionen sowie von engagierten, intelligenten Technikern. Die bereit sind für wenig Geld gut zu arbeiten, intrinsisch motiviert sind und gut geführt werden. Bei den oberflächlichen, falschen Modellen der Ökonomen weiß ich oft nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Kurz gesagt: Weniger kann mehr sein. Die Rasenmähermethode erscheint mir für den Budget Haircut in den USA sowohl systemrelevant als auch alternativlos zu sein!
nick999 14.06.2013
2.
Zitat von sysopGetty ImagesDie USA kürzen ihren Haushalt nach dem Rasenmäherprinzip - und belasten so nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds die Wirtschaft des Landes. Die Einschnitte seien schlecht konzipiert, vor allem das Sparen bei Bildung und Infrastruktur seien schädlich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/iwf-jahresbericht-us-wirtschaft-wird-durch-sparzwang-ausgebremst-a-905836.html
Solange die negative Auswirkungen nicht reichen, damit die Politiker zu einem ausgeglichenen Haushalt kommen, geht es den USA noch zu gut. Eine vergleichbare Regelung wünsche ich mir für die EU-Länder, damit das Schuldenmachen beendet wird.
luny 14.06.2013
3. Geld
Zitat von wibo2Kürzungen bei Bildung, Wissenschaft und Infrastruktur sollen mittelfristig das Wachstum abbremsen? Die Ökonomen behaupten, dass Investitionen in Bildung, Wissenschaft und Infrastruktur entscheidend seien für das Wirtschaftswachstum. Die neoklassische und neoliberale Ansicht, sieht Wachstum als etwas grundsätzlich Gutes an. Die kritische Seite wird vernachlässigt, die die nicht berücksichtigten Folgen und Nebenwirkungen des Wirtschaftswachstums hervorhebt. In einer Zeit des Geldmangels könnten neue Erfindungen materielle Ressourcen und physikalische Arbeit ersetzt werden. Geistige Arbeit schafft Wissen, z.B. Software, die Rohstoffe, Energie und Zeit ersetzen kann. Ausgangspunkt ist die Funktion: Y = F(K,N). Die Produktion (Y) ist eine Funktion von Kapital (K) und Arbeit (N), wobei die beiden Faktoren durch technologisches Wissen effizienter gestaltet werden kann. Dabei ist m.E. technologisches Wissen nicht zwingend eine lineare Funktion von mehr Geld für Bildung. Not macht erfinderisch sagt der Volksmund. Sondern das hängt von anderen Faktoren ab: Z.B. von geigneten Strukturen und Institutionen sowie von engagierten, intelligenten Technikern. Die bereit sind für wenig Geld gut zu arbeiten, intrinsisch motiviert sind und gut geführt werden. Bei den oberflächlichen, falschen Modellen der Ökonomen weiß ich oft nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Kurz gesagt: Weniger kann mehr sein. Die Rasenmähermethode erscheint mir für den Budget Haircut in den USA sowohl systemrelevant als auch alternativlos zu sein!
Hallo Wibo2, 2012 betrugen die Staatsschulden in den USA 16,7 Billionen USD. 2013 könnte ein "Rekordjahr" mit 17,5 Billionen USD Staatsschulden werden: • USA - Staatsverschuldung 2013 | Statistik (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1975/umfrage/staatsverschuldung-der-usa/) In dem Zusammenhang frage ich mich, warum der IWF plötzlich seine Doktrin SPAREN, SPAREN, SPAREN verläßt. Wird Geld doch nicht von der Finanz"industrie" produziert, sondern hat etwas mit der Realwirtschaft zu tun? Es tun sich gerade merkwürdige Dinge, oder? LUNY
luny 14.06.2013
4. Ausgeglichener Haushalt?
Zitat von nick999Solange die negative Auswirkungen nicht reichen, damit die Politiker zu einem ausgeglichenen Haushalt kommen, geht es den USA noch zu gut. Eine vergleichbare Regelung wünsche ich mir für die EU-Länder, damit das Schuldenmachen beendet wird.
Hallo Nick999, die USA hatten 2012 Staatsschulden von 16,7 Billionen USD - Tendenz steigend. Die USA befinden sich im Krieg mit dem Irak und Afghanistan, der nicht aus der Portokasse zu finanzieren ist. Meinen Sie, in Deutschland wird es einen ausgeglichenen Haushalt geben? "Die Bundesregierung rechnet ab dem kommenden Jahr mit einem ausgeglichenen Staatshaushalt, ab 2016 sogar mit einem Überschuss. Die Schuldenquote dürfte in den kommenden Jahren jedoch die EU-Grenze weiter überschreiten." Deutschland: Ausgeglichener Haushalt ab 2014 in Sicht - Deutschland - Politik - Handelsblatt (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/deutschland-ausgeglichener-haushalt-ab-2014-in-sicht/8077206.html) LUNY
wibo2 14.06.2013
5. @luny
Zitat von lunyHallo Wibo2, 2012 betrugen die Staatsschulden in den USA 16,7 Billionen USD. 2013 könnte ein "Rekordjahr" mit 17,5 Billionen USD Staatsschulden werden: • USA - Staatsverschuldung 2013 | Statistik (http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1975/umfrage/staatsverschuldung-der-usa/) In dem Zusammenhang frage ich mich, warum der IWF plötzlich seine Doktrin SPAREN, SPAREN, SPAREN verläßt. Wird Geld doch nicht von der Finanz"industrie" produziert, sondern hat etwas mit der Realwirtschaft zu tun? Es tun sich gerade merkwürdige Dinge, oder? LUNY
Hallo Luny, Was ist bloß los? Der IWF korrigierte seine Wachstumsprognose für die USA nach unten. Die EU hat auch kaum Wachstum. Jetzt wird es langsam ernst für die Weltwirtschaft, weil China und Japan auch wirtschaftlich bisher einfach nicht stärker werden konnten. Der IWF kämpft um seine Reputation. Etwa 250 Mrd. € hat der IWF alleine für die Eurorettung aufgebracht. Die Shareholder des IWF werden langsam aggressiv, weil so viel Geld in die Eurozone fließt, obwohl die Eurorettung sich offensichtlich zu einem Fass ohne Boden entwickelt. Ohne dass Europa als Lokomotive die Weltwirtschaft ziehen könnte. Warum? Wieso nicht? Das legt die folgende Studie überzeugend dar, ... siehe ... Study: The Illusion of the Perpetual Money Machine, Didier Sornette and Peter Cauwels, ETH Zurich "Rather than still hoping that real wealth will come out of money creation, we need fundamentally new ways of thinking. In uncertain times, it is essential, more than ever, to think in scenarios: what can happen in the future, and, what would be the effect on your wealth and capital? How can you protect against adverse scenarios?" ... MfG wibo2 siehe http://www.er.ethz.ch/BIS-Illusion-bubble-models25April13.pdf http://www.notenstein.ch/sites/default/files/publications/notenstein_white_paper_series_041212.pdf
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