Pro Monat Lockdown minus drei Prozent IWF rechnet mit schwerer Rezession

Für Deutschland prognostizierten die Wirtschaftsweisen einen kräftigen Abschwung. Europaweit sieht es dem Internationalen Währungsfonds zufolge ebenfalls düster aus. Hoffnung machten die Sozialsysteme.
Daimler-Produktion in Bremen (Archiv)

Daimler-Produktion in Bremen (Archiv)

Foto: Carmen Jaspersen / picture alliance / dpa

Die weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie hat dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge gravierende Folgen: Europas Wirtschaft steht nach Ansicht der Organisation 2020 eine schwere Rezession bevor. Das sei inzwischen eine Gewissheit, schrieb der Direktor der IWF-Europa-Abteilung, Poul Thomsen, in einem Blogbeitrag .

Für jeden Monat, in dem zahlreiche Branchen in den großen europäischen Volkswirtschaften weiterhin quasi stillstünden, würde die jährliche Wirtschaftsleistung um etwa drei Prozent niedriger ausfallen, schrieb Thomsen. Doch der IWF-Experte äußerte auch Hoffnung: Europas Sozialsystemen sollte es gelingen, einen Teil der Auswirkungen abzufedern, obwohl sie nicht dafür konzipiert worden seien, "Bedürfnisse in dieser Größenordnung" zu bedienen.

IWF: Eurozone in Europa im Vorteil

Alle Länder müssten jetzt proaktiv und mutig gegensteuern, forderte Thomsen. Die Dauer der Coronakrise in Europa sei noch nicht absehbar, eines aber sei klar: "Eine schwere europäische Rezession in diesem Jahr ist eine ausgemachte Sache", schrieb Thomsen. Für Deutschland wiederum hat der Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ebenfalls eine düstere Konjunkturprognose veröffentlicht. Die sogenannten Wirtschaftsweisen gehen in einem Sondergutachten von einem Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts von minus 2,8 Prozent aus - aber auch ein Minus von 5,4 Prozent halten sie bei einem schlechteren Verlauf für denkbar. An eine nachhaltige Schwächung glauben sie jedoch nicht.

Für die Eurozone äußert der IWF wiederum ebenfalls Hoffnung. Sie sei besser aufgestellt dank der Interventionen der Europäischen Zentralbank und dem Plan, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) einzusetzen. Schwieriger sei es für EU-Länder, die nicht den Euro nutzten, und die Länder Osteuropas, die keine EU-Mitglieder seien, schrieb Thomsen. Von diesen bemühten sich bereits mehrere um Notkredite des IWF, erklärte er. Es gebe weltweit bereits mehr als 70 Länder, die sich um IWF-Hilfen bemühten. Die in Washington ansässige Organisation rechnet demnach in diesem Jahr mit mehr Hilfsanträgen als je zuvor.

Kurz vor dem Wochenende hatte der IWF bereits mit einem düsteren Ausblick auf die Weltwirtschaft für Unruhe gesorgt. Die Konjunktur weltweit habe bereits gedreht, die Weltwirtschaft befinde sich schon in einer Rezession. Die Wirtschaft in den USA und weiteren reichen Ländern schrumpfe bereits, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa am Freitag. Dabei will die Organisation eigentlich erst im April detailliertere Prognosen zur globalen Wirtschaftsentwicklung vorstellen. Die Weltwirtschaft werde wegen des Virus in diesem Jahr eine "schwere" Rezession erleben, warnte Georgiewa.

OECD: "Hohe Kosten der Pandemie-Bekämpfung sind unvermeidbar"

Auch die Industriestaaten-Organisation OECD erwartet wegen der Coronakrise eine Rezession in vielen Volkswirtschaften. Jeder Monat mit Ausgangsbeschränkungen werde das jährliche Wirtschaftswachstum um zwei Prozentpunkte drücken, prognostizierte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Er nannte als eine besonders betroffene Branche den Tourismus. "Die jetzigen hohen Kosten der Pandemie-Bekämpfung sind unvermeidbar, um wesentlich tragischere Folgen und einen noch schlimmeren wirtschaftlichen Schaden in Zukunft abzuwenden", sagte Gurría. Ökonomen sprechen von einer Rezession, wenn die Wirtschaft in mindestens zwei Quartalen hintereinander schrumpft.

IWF-Chefin Georgiewa zeigte sich dennoch überzeugt, dass die Wirtschaft im kommenden Jahr wieder wächst. Der IWF könne bis zu einer Billion US-Dollar (900 Milliarden Euro) einsetzen, um Mitgliedstaaten mit Krediten zu unterstützen, sagte Georgiewa. Dafür gebe es bereits 81 Anfragen von Entwicklungs- und Schwellenländern.

apr/dpa
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