Lahme Konjunktur Bundesbank-Chef warnt vor staatlichen Investitionsprogrammen

Investieren, um die Konjunktur anzukurbeln? Oder lieber sparen? Diese Debatte bestimmt die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds. Schon vorher war klar, dass es zwei Lager geben würde.

Jens Weidmann: Warnt vor einem "konjunkturpolitischen Strohfeuer"
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Jens Weidmann: Warnt vor einem "konjunkturpolitischen Strohfeuer"


Washington - Weidmann warnt. Dieses Mal richtet sich die Kritik des Bundesbank-Präsidenten nicht gegen die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, sondern gegen die international immer lauteren Rufe nach staatlichen Investitionsprogrammen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Um nachhaltiges Wachstum zu fördern, sei es wenig zielführend, ein "konjunkturpolitisches Strohfeuer zu zünden". Das gelte vor allem "vor dem Hintergrund der historisch hohen Schuldenstände", sagte Jens Weidmann am Rande des Jahrestreffens von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington.

Investieren, um die lahme Konjunktur anzukurbeln? Oder doch lieber die hochverschuldeten Haushalte in aller Welt konsolidieren? - Das Thema dominiert die Jahrestagung. Und schon vorher war klar, dass es zwei Lager geben würde: So drängen Italiens Regierungschef Matteo Renzi und Frankreichs Präsident François Hollande darauf, die Sanierung der Staatsfinanzen zu Gunsten von Konjunkturprogrammen aufzuschieben. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde fordert mehr staatliche Investitionen - vor allem auch in Deutschland. Die Bundesregierung verfolgt derzeit dagegen ein anderes Ziel: Sie will im nächsten Jahr schwarze Zahlen schreiben. Hohe Extra-Ausgaben würden den Plan durchkreuzen.

Schäuble: "Wir werden mittelfristig die Mittel erhöhen müssen"

Auch vor diesem Hintergrund sagte Weidmann, dass solide öffentliche Finanzen der beste Weg seien, um ein Klima für Investitionen zu schaffen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bekräftigte auf der Tagung, dass Vertrauen die Voraussetzung für ein nachhaltiges Wachstum in vielen Ländern der Euro-Zone sei. "Wir wären töricht, wenn wir das jetzt gefährden würden." Mit einer Stimulierung der Nachfrage über höhere Staatsausgaben sei "eh nicht viel zu holen", sagte der CDU-Politiker. Die Konjunktur sollte in erster Linie durch private Investitionen angekurbelt werden. Die Politik müsse hierfür die richtigen Rahmenbedingungen setzen.

Allerdings wächst der Druck auf die Bundesregierung, gegenzusteuern, weil die Konjunktur zunehmend schwächelt. Laut der Herbstprognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute wird das deutsche Wachstum deutlich geringer ausfallen als bisher angenommen. In der größten Volkswirtschaft Europas brachen nach Industrieaufträgen und Produktion im August zudem auch die Exporte so kräftig ein wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr.

Schäuble will denn auch Investitionen nicht komplett verteufeln - vorausgesetzt, sie werden nicht über Schulden finanziert. "Wir werden mittelfristig die Mittel erhöhen müssen", sagte er und sprach sich zudem erneut für stärkere private Investitionen in die Infrastruktur aus.

yes/Reuters/dpa



insgesamt 73 Beiträge
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Progressor 10.10.2014
1. Ganz einfach
Das Euroland benötigt staatliche Konjunkturprogramme auf Pump in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro. Ansonsten gehts ab in die Rezession und da nicht mehr raus. Je länger man damit wartet desto überproportional teurer wird es. Kein Problem: Der Mensch lernt nur aus seinen Fehlern und aus Schaden wird man klug, das trifft auch auf Herrn Weidmann zu. ;-)
Mahlzahn 10.10.2014
2. Ja der Weidmann
Deutschland hat mittlerweile eine der niedrigsten Investionsquoten aller OECD Länder - vor allem im Bereich Bildung, Infrastruktur, Verkehr. Wozu das führt sieht jeder auf unseren Straßen. Im Internetausbau bewegen wir uns auf dem Niveau in Afrika. Das wichtigste Gut der deutschen Wirtschaft, die Ausbildung der Jugend, wird sträflich vernachlässigt. Aber Sparen wie die schwäbische Hausfrau auf Ratschlag eines Herrn Weidmann, der den ökonomischen Konzepten des letzten Jahrhunderts vertraut und für den der einzelne mensch wahrscheinlich nur unter den Begriff Humankapital fällt. Zu allem fällt mir nur eine Beschreibung ein: indoktrinierte und peinliche Prinzipienreiter überall
zerozero123 10.10.2014
3. Sparen...immer wieder Sparen...
...was wollen die uns eigentlich weiss machen? SParen klingt gut, aber Sparen ist gegen unser Geldsystem. Geld ensteht aus neuen Schulden, nur und ausschliesslich. Da gibt es Zinsen drauf, mal mehr mal weniger. Und genau deswegen ist die Schuldgeldmenge IMMER grösser als die existierende Geldmenge. Eine globale Entschuldung ist nicht mal theoretisch möglich. Solange wir ein Schuldgeldsystem haben wird sich immer die Schuldenspirale weiter und schneller drehen, so ist es definiert. Ändert das Geldsystem, dann klappts auch mit dem Sparen.
j.vantast 10.10.2014
4. Recht hat er
Dass solche Aktionen wie die Abwrackprämie langfristig nichts bringen ist aber auch nichts Neues. Während Renzi und Hollande (mit Unterstützung von Lagarde) versuchen Zeit zu schinden verschlimmern sie die Lage nur noch weiter. Es wäre aber nur korrekt gewesen wenn man in dem Artikel auch erwähnt hätte das nicht nur in Deutschland die Exporte wegbrechen. Das eine nächste Weltwirtschaftskrise droht ist bekannt. Aus 2008 haben eben viele nichts gelernt und machen munter weiter wie bisher, obwohl das Donnergrollen schon deutlich hörbar ist. Und das Luftgeld an der Börse sieht nur von weitem schön aus. Bei genauerer Betrachtung stellt man aber fest dass es nichts taugt um die Konjunktur anzukurbeln.
acyonyx 10.10.2014
5.
Zitat von ProgressorDas Euroland benötigt staatliche Konjunkturprogramme auf Pump in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro. Ansonsten gehts ab in die Rezession und da nicht mehr raus. Je länger man damit wartet desto überproportional teurer wird es. Kein Problem: Der Mensch lernt nur aus seinen Fehlern und aus Schaden wird man klug, das trifft auch auf Herrn Weidmann zu. ;-)
Ah! Und ich nehme mal an, Sie sind einer der Nutznießer solchen Handelns? Haben massiv in Staatsanleihen investiert und suchen noch mehr dieser Anlagen? Damit sie den einfachen Mann für sich (und ihre Zinsen = Gewinn ohne Arbeit) arbeiten lassen können? Ich weiß immer nicht so. Ich folge da eher Herrn Weidmann! Zinsen sind immer Ertrag ohne Gegenleistung in Wertschöpfung. Dieses Ertragsfeld können sich nur Menschen leisten, die mehr haben als sie brauchen. Und denen jetzt ein Konjunkturprogramm unterzujubeln, nur weil man weiter Geld ausgeben will für all jenes, was im Schwarzbuch steh.... Ich weiß immer noch nicht
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