Schuldenstreit IWF will Griechenland entgegenkommen

Um Griechenland nachhaltig zu helfen, schlägt der IWF längere Kreditlaufzeiten und garantierte Niedrigzinsen vor. Ohne Erleichterungen läge die Schuldenlast des Landes laut IWF bis 2020 bei 174 Prozents des BIP.

Athen
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Athen


Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält die Schuldenlage Griechenlands unter gegenwärtigen Bedingungen nicht für nachhaltig. Das Land brauche Schuldenerleichterungen, heißt es in einer Analyse, die der IWF am Montag veröffentlichte.

Der IWF schlägt konkret vor, die Laufzeiten der Kredite für Griechenland deutlich zu verlängern sowie dem Schuldendienst einen mehrjährigen Aufschub zu gewähren. Der Zinssatz soll laut IWF bis 2040 bei niedrigen 1,5 Prozent eingefroren werden.

Am Dienstag kommen die Eurofinanzminister erneut in Brüssel zusammen, um über neue Hilfsmilliarden für Griechenland zu beraten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäublehält Schuldenerleichterungen für Griechenland erst ab 2018 für möglich. Griechenland braucht bis zum Sommer frisches Geld, sonst droht die Staatspleite.

Den IWF-Berechnungen zufolge würde Griechenlands Schuldenlast bis 2020 ohne weitere Erleichterungen 174 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Im Jahr 2060 würden fast 60 Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung nur für das Abstottern der Schulden draufgehen. Die Schuldenlast läge 2060 bei 250 Prozent des BIP, weil die stark subventionierten Hilfskredite der öffentlichen Hand durch Darlehen zu Marktkonditionen ersetzt werden müssten.

Zweifel an der Tragfähigkeit der griechischen Schulden

In den vergangenen Jahren haben der IWF und die Eurostaaten Griechenland mehrmals mit Hilfskrediten in Höhe von insgesamt mehr als 200 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt. Erst im vergangen Jahr wurde ein weiteres Rettungsprogramm in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro beschlossen. Noch ist allerdings unklar, ob der IWF sich auch daran wieder beteiligt. Die Experten des Währungsfonds zweifeln an der langfristigen Tragfähigkeit der griechischen Schulden - und fordern deshalb erhebliche Erleichterungen, die auf einen Teilerlass hinauslaufen würden.

Am Sonntag hatte das griechische Parlament ein weiteres Sparpaket gebilligt, es umfasst unter anderem eine höhere Mehrwertsteuer für viele Lebensmittel und Getränke, eine Übernachtungspauschale für Hotels und höhere Abgaben auf Benzin, Zigaretten und Alkohol. "Die erreichten Fortschritte sind beträchtlich", kommentierte EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici die Reformen aus Athen.

kpa/dpa/AFP



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