Jahresbilanz Pflegeversicherung macht Milliardenüberschuss

Mehr Einnahmen trotz Wirtschaftskrise: Die Pflegeversicherung in Deutschland hat 2009 einen Überschuss von einer Milliarde Euro erwirtschaftet - trotz gestiegener Ausgaben. Damit dürfte es künftig aber vorbei sein.

Helfende Hände: Ausgaben in Höhe von 20,3 Milliarden Euro
AP

Helfende Hände: Ausgaben in Höhe von 20,3 Milliarden Euro


Berlin - Gute Nachricht für das deutsche Sozialsystem: Die Pflegeversicherung in Deutschland hat das vergangene Jahr mit einem Überschuss von einer Milliarde Euro abgeschlossen. Den Einnahmen von 21,3 standen Ausgaben von 20,3 Milliarden Euro gegenüber, teilte das Bundesgesundheitsministerium am Freitag in Berlin mit.

Ende 2009 verfügte die Pflegeversicherung demnach über einen Mittelbestand von 4,8 Milliarden Euro - was 2,8 Monatsausgaben entspricht. Auch gegenüber dem Vorjahr ergab sich 2009 ein Plus bei den Einnahmen. Bereinigt um die Auswirkungen der Beitragssatzanhebung von 2008 lag es um 1,5 Prozent höher. Die Ausgaben seien um 6,2 Prozent gestiegen. Für das laufende Jahr rechnet das Gesundheitsministerium wegen der steigenden Ausgaben nicht mit einer Wiederholung der guten Ergebnisse von 2009.

Ursache für die steigenden Kosten ist unter anderem, dass die Zahl der Menschen, die zusätzliche Betreuungsleistungen für eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz - insbesondere Demenzkranke - erhielten, um mehr als 60 Prozent zunahm. Hier sei ein Anstieg von 70.000 Menschen im Schnitt des Jahres 2007 auf 115.000 im Jahr 2009 zu verzeichnen. Die Betreuungsleistung sei zudem von 460 Euro je nach Betreuungsaufwand auf 1200 beziehungsweise 2400 Euro pro Jahr angehoben worden.

Experten kritisieren Defizite in der Pflege

Im stationären Bereich hätten inzwischen mehr als 70 Prozent aller Pflegeheime zusätzliche Betreuungskräfte für demenziell erkrankte Heimbewohner eingestellt, die von der Pflegeversicherung bezahlt werden, hieß es in der Erklärung weiter. Insgesamt habe die Reform der Pflegeversicherung im Jahr 2008 zu einer Stabilisierung der häuslichen Pflege beigetragen. Die Reform ermöglicht Arbeitnehmern eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit für maximal sechs Monate, um sich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern.

Nach Einschätzung der Deutschen Hospiz Stiftung kann der Überschuss jedoch nicht über Defizite in der Pflege hinwegtäuschen. "Jetzt den Überschuss zu feiern, den die Pflegeversicherung im vergangenen Jahr erzielt hat, wäre kurzsichtig und verfehlt", erklärte der Chef der Stiftung, Eugen Brysch. Die Pflegeversicherung in ihrer derzeitigen Form sei nicht in der Lage, ein System zu unterhalten, das die Würde der zu pflegenden Menschen wahre. Ein zentrales Problem sei die Trennung von Pflege- und Krankenversicherung. Sie sei ineffizient und führe dazu, "dass die Menschen zwischen den Systemen aufgerieben werden".

yes/AFP/apn



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