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15. Januar 2013, 08:51 Uhr

Jahreswirtschaftsbericht

Bundesregierung senkt Wachstumsprognose

2013 wird ein eher maues Jahr für die deutsche Wirtschaft - so sieht es zumindest die Bundesregierung. Laut einem Zeitungsbericht erwartet sie ein Wachstum von etwa 0,5 Prozent - deutlich weniger als zuletzt. Angesichts der schwachen Konjunktur werde auch die Zahl der Arbeitslosen leicht steigen.

Berlin - Die Bundesregierung geht nur mäßig optimistisch ins Wirtschaftsjahr 2013. Sie erwarte sie ein Wachstum von rund 0,5 Prozent, berichtet das "Handelsblatt". Dies gehe aus dem Jahreswirtschaftsbericht hervor, den Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) am Mittwoch vorstellen will. Im Herbst hatte die Regierung noch ein Plus von einem Prozent vorhergesagt.

Für das abgelaufene Jahr 2012 meldete das Statistische Bundesamt am Dienstag ein Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hielt sich die deutsche Wirtschaft deutlich besser als die meisten anderen Euro-Staaten. Große Teile des Kontinents waren zuletzt in die Rezession gerutscht.

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, die genaue Zahl für die Wachstumsprognose sei noch nicht endgültig beschlossen - und beruft sich dabei auf Regierungskreise. Die im "Handelsblatt" genannte Dimension sei aber richtig. Laut der Zeitung geht die Regierung bei ihrer Prognose davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach einem schwachen Start im zweiten Halbjahr wieder deutlich schneller wachsen werde. Pünktlich zur Bundestagswahl im Herbst soll es also gute Nachrichten geben.

Am Arbeitsmarkt erwarte die Bundesregierung 2013 nur noch wenig Bewegung. "Die Arbeitslosigkeit wird in diesem Jahr nahezu auf dem Niveau des Vorjahres liegen und nur geringfügig um 60.000 Personen steigen", zitiert die Zeitung aus dem Bericht. Die Erwerbstätigkeit werde im Durchschnitt dieses Jahres mit 15.000 Personen nur leicht zunehmen. In ihrer Herbstprojektion war die Bundesregierung noch von einem Anstieg der Erwerbstätigkeit um 80.000 Personen ausgegangen.

Mit ihrer Wachstumsprognose bewegt sich die Bundesregierung eher im unteren Mittelfeld der nationalen und internationalen Expertenschätzungen. So geht das Münchner Ifo-Institut von 0,7 Prozent Wachstum aus, das gewerkschaftsnahe IMK von 0,8 Prozent und das Berliner DIW sogar von 0,9 Prozent. Es gibt aber auch Pessimisten: Das Essener RWI erwartet nur 0,3 Prozent. Die OECD rechnet dagegen wie die Bundesregierung mit 0,5 Prozent.

Es kann allerdings auch noch schlechter laufen. Die Jahresprojektion der Regierung beruht laut "Handelsblatt" auf der zentralen Annahme, dass es zu keinen weiteren negativen Entwicklungen in der Schuldenkrise komme, in deren Folge die Verunsicherung der Marktteilnehmer steige. "Die nach wie vor noch nicht ausgestandene Schuldenkrise in einigen Ländern der Euro-Zone stellt das größte Risiko dar", zitiert die Zeitung.

stk/Reuters/dpa

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