Jahreswirtschaftsbericht Regierung erwartet 3,7 Millionen Arbeitslose

Geringe Inflation, weniger als vier Millionen Arbeitslose - aber ein Haushaltsdefizit von sechs Prozent: Die Jahresprognose der Bundesregierung für 2010 fällt sehr gemischt aus. Sie ist aber deutlich optimistischer als die Schätzungen der Wirtschaftsweisen.

Maschinenbau: Erholung der Unternehmensgewinne erwartet
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Maschinenbau: Erholung der Unternehmensgewinne erwartet


München - Die Bundesregierung rechnet Zeitungsberichten zufolge in diesem Jahr mit einem Anstieg der durchschnittlichen Arbeitslosenzahl um 320.000 auf 3,7 Millionen. Das schreiben die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf den Entwurf für den Jahreswirtschaftsbericht 2010. Die Prognose falle damit deutlich besser aus als die des Sachverständigenrates ("Fünf Weise").

Die Wirtschaftsprofessoren waren bei ihrem Herbstgutachten von knapp vier Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt ausgegangen. Trotzdem warne die Bundesregierung vor zu viel Optimismus: "Der tatsächliche Belastungstest für den Arbeitsmarkt könnte noch ausstehen", heißt es laut "SZ" in dem Papier, das offiziell Ende Januar vorgestellt wird.

Zeitpunkt für Steuersenkungen umstritten

In dem Entwurf seien auch die Prognosen für andere entscheidende wirtschaftliche Kenndaten enthalten. Demnach erwartet die Regierung, dass die Preise 2010 moderat anziehen. Die Inflationsrate werde auf 1,1 Prozent geschätzt. Insgesamt rechnet die Regierung mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung 2010 von 1,5 Prozent, nachdem bislang ein Plus von 1,2 Prozent veranschlagt wurde. Das gesamtstaatliche Defizit dürfte sich allerdings laut dem Bericht auf knapp sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts verdoppeln. 2009 waren es rund 3,0 Prozent.

Der Entwurf gehe ebenfalls auf die geplante Steuersenkung ein. Umstritten ist innerhalb der schwarz-gelben Koalition auch deren Zeitpunkt. Dazu heißt es in dem Bericht: Der neue Tarif "soll möglichst zum 1. Januar 2011 in Kraft treten". Dabei sollten vorrangig die unteren und mittleren Einkommensbezieher entlastet werden. Gleichzeitig wird auf den Koalitionsvertrag verwiesen. Danach stehen alle zusätzlichen Ausgaben unter "Finanzierungsvorbehalt".

Erholung der Unternehmensgewinne

Aus dem Bericht gehe zudem hervor, dass die Regierung mit einer Erholung der Unternehmensgewinne rechnet. Unternehmens- und Vermögenseinkommen dürften in diesem Jahr um 8,2 Prozent wachsen, während sie 2009 wegen der Rezession um 11,0 Prozent zurückgingen, zitiert die Zeitung. Die Entgelte der Arbeitnehmer würden demnach aber um 0,2 Prozent sinken.

In dem Papier äußere sich die Bundesregierung auch zu der Frage, ob die Unternehmen derzeit Probleme haben, an Geld für ihre Investitionen zu kommen. Dabei wird die sinkende Kreditnachfrage als "die maßgebliche Ursache für die rückläufige Kreditvergabe" bezeichnet. Es gebe derzeit "keine allgemeine flächendeckende Kreditklemme. Allerdings haben die Finanzierungsschwierigkeiten der Unternehmen zugenommen", heißt es laut "SZ" in dem Bericht.

mik/apn/dap-AFX



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BeckerC1972, 12.01.2010
1.
Zitat von sysopDie Signale für einen baldigen Konjunktur-Schub mehren sich: Die Auftragseinbrüche im Maschinenbau gehen merklich zurück, die Regierung dürfte ihre Wachstumsprognose anheben. Haben wir das Schlimmste überstanden - oder droht ein neuer Rückschlag?
Sprachlich mal wieder völlig entglitten? "Die Einbrüche gehen zurück"? Was soll ich mir denn darunter vorstellen? Wenn Auftragseinbrüche zurück gehen, heisst es dann, die Aufträge sind wieder ganz normal? Oder ist der "Auftragseinbruch" nun die Normalität? Echt ein Fall für den Zwiebelfisch. Schauen wir uns jetzt die Konjunktur im Tagesrythmus an und stellen dann fest "Heute keine Auftragseinbruch, morgen wieder einer?". Gefühlt gab es im SPIEGEL in den letzten 3 Wochen jeden Tag eine andere Aussage zur Konjunktur. Trends lassen sich aber erst dann festmachen, wenn man mal eine Weile geschaut hat. Sind die SPIEGEL-Leute wirklich diesem Zwang unterlegen, jeden Tag IRGENDEINE Art von Schlagzeile produzieren zu müssen?
meslier 12.01.2010
2.
Zitat von sysopDie Signale für einen baldigen Konjunktur-Schub mehren sich: Die Auftragseinbrüche im Maschinenbau gehen merklich zurück, die Regierung dürfte ihre Wachstumsprognose anheben. Haben wir das Schlimmste überstanden - oder droht ein neuer Rückschlag?
Ich schreibe seit zehn Monaten, dass es aufwärts geht. Geglaubt haben es mir die wenigsten. Wer doch, hat an der Börse ein Vermögen verdient.
tristar73, 12.01.2010
3. abrakadabra....
Ich kann Ihnen leider nicht mit Vorraussagen dienen. Meine Glaskugel ist grad in Reparatur, nachdem sie bei der Vorhersage der vorigen Finanzkrise den Geist aufgegeben hat. Aber wozu haben wir unsere Experten?!
darkwingduck, 12.01.2010
4.
Zitat von sysopDie Signale für einen baldigen Konjunktur-Schub mehren sich: Die Auftragseinbrüche im Maschinenbau gehen merklich zurück, die Regierung dürfte ihre Wachstumsprognose anheben. Haben wir das Schlimmste überstanden - oder droht ein neuer Rückschlag?
Ach welch Wunder... Da gibt es Querelen bei den Schwarz/Gelben.... Das Murkel gerät unter Feuer... Und schon wird gemeldet, die Konjunktur werde bald kräftig durchstarten. Ein Schelm, der böses dabei denkt
paul sartre 12.01.2010
5.
Zitat von sysopDie Signale für einen baldigen Konjunktur-Schub mehren sich: Die Auftragseinbrüche im Maschinenbau gehen merklich zurück, die Regierung dürfte ihre Wachstumsprognose anheben. Haben wir das Schlimmste überstanden - oder droht ein neuer Rückschlag?
Einen nennenswerten Rückschlag wird es nicht geben. Wie seit März vergangenen Jahres wird es zwei drei weitere goldene Jahre geben. Eine Chance, die jeder nutzen sollte.
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