Wegen Mord an Jamal Khashoggi Hedgefonds zahlt 300 Millionen Dollar an saudi-arabische Investoren zurück

Für einen britischen Hedgefonds ist der Fall Khashoggi noch nicht vorbei: Der Chef des Vermögensverwalters will nicht mehr länger Geld für saudi-arabische Investoren verwalten. In der Finanzbranche ist das ein ungewöhnlicher Vorgang.

Hochhaus in Riad
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Hochhaus in Riad


Der britische Hedgefonds Pharo Management hat laut einem Bericht von "Bloomberg" 300 Millionen Dollar an Anleger in Saudi-Arabien zurückgezahlt. Der Grund für die bemerkenswerte Transaktion: Der Vermögensverwalter wolle nicht mehr länger Gelder für einen Staat verwalten, der offenbar die Ermordung des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi befohlen hatte. Laut dem Bericht ging es um Gelder, die der Hedgefonds für die saudi-arabische Zentralbank verwaltet hatte.

Fast ein halbes Jahr ist vergangen, seit Khashoggi bei einem Besuch im Istanbuler Konsulat seines Heimatlandes ermordet wurde. Türkische Ermittler sind sich sicher, dass die Führung in Riad das Verbrechen befohlen hat. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman änderte sein Narrativ in dem Fall mehrfach, nur an einer Behauptung hält er bis heute stur fest: Er selbst habe nichts mit dem Mord zu tun.

Tatsächlich sah es eine Zeit lang so aus, als wäre der Fall Khashoggi aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, als hätte sich die Weltgemeinschaft mit den Ausreden des Regimes abgefunden.

Pharo-Gründer Guillaume Fonkenell begründete die Entscheidung seines Unternehmens gegenüber Investoren nun mit der "Wahrung von Prinzipien". Eine Sprecherin des Vermögensverwalters wollte den "Bloomberg"-Bericht nicht kommentieren.

Pharo ist damit der erste Hedgefonds, der sich weigert, weiterhin Geld für saudi-arabische Investoren zu verwalten. Die Entscheidung fällt zu einer Zeit, in der sich die Branche schwer damit tut, Gelder von Investoren einzusammeln. Zuletzt wurden viele Anleger von hohen Gebühren und mittelmäßigen Erträgen der Anbieter enttäuscht. Nach Angaben von eVestment zogen Kunden im vergangenen Jahr 37 Milliarden Dollar aus Hedgefonds ab.

Andere große Vermögensverwalter gehen einen anderen Weg: Larry Fink, Chef des größten Vermögensverwalters Blackrock, hatte noch im November gesagt, er habe sich nicht geschämt, Geschäfte in Saudi-Arabien zu tätigen, und beabsichtige, weiterhin dort zu investieren.

hej



insgesamt 3 Beiträge
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kaltmamsell 26.03.2019
1. Eine Maßnahme
die mit Ruhe, Gelassenheit und Souveränität zeigt, dass echte Profis bei ihren Prinzipien für langfristig und stabil erfolgreiche Investments und deren Investoren die moralische Dimension von solchem Gewicht immer im Auge behalten. Und ohne Umschweife entsprechend handeln.
Draw2001 27.03.2019
2. Die Leben einfach noch im letzten Jahrtausend....
Auch ein Neandertaler könnte ein Handy bedienen. Bei den Saudis ist das ebenso. Alles ist modern - außer der Moral - die ist noch vom letzten Jahrtausend. Und es gibt den König, der alles darf - auch das, was international unter Strafe steht. Aber wo ist der Kläger? Auch Handlungen können Anklagen: Die Maßnahmen des Pharao Hedgefonds ist so eine Anklage. Ich kann unsere Bundesregierung nur warnen, diesem unberechenbaren MBS Waffen zu liefern. Waffen in den Händen solcher "Könige" sind bei denen einfach nur Spielzeuge, die zum Töten anderer benutzt werden. Dem EUGH kann ich nur empfehlen, die Strafverfolgung auf europäischem Boden auszusprechen. Und: Länder ohne Rechtsstaatlichkeit sollte man nicht bereisen. Auch wenn das noch so billig sein sollte. Ein Mord lässt sich mit auch noch soviel Geld oder Öl nicht rechtfertigen. Und wer Geld von solchen Menschen nimmt, erklärt, mit deren furchtbarem Verhalten einverstanden zu sein.
OhMyGosh 27.03.2019
3.
Der Chef dieses britischen Hedgefonds will nicht mehr länger Geld für saudi-arabische Investoren verwalten. Dafür gebührt ihm Respekt. Und was macht unsere Christenunion? Sie will der jammernden Rüstungsclique entgegenkommen und den Lieferstopp möglichst schnell lockern. Tja...
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